Auf durchs Feuer Herr Guttenberg Veröffentlichungen Führungswissen - Die Akademie

Auf durchs Feuer Herr Guttenberg

Von Daniel F. Pinnow, 27. Januar 2011

 

Da ist sie also, die Feuerprobe für Theodor zu Guttenberg. Sie kommt weder unerwartet, noch unerwartet heftig. Zu hell schillerte die Lichtgestalt des Verteidigungsministers, zu stark war sein Image als Everybody‘s Darling. Endlich einer, der innere Unabhängigkeit bewies, der droht, als Wirtschaftsminister zurückzutreten, als alle anderen nach hohen Staatsbürgschaften für Opel rufen. Einer, der kurzerhand die Wehrpflicht abschafft, der die Nähe zur Truppe wörtlich nimmt und sich medienwirksam seiner auch zu diesem Anlass wieder passend gekleideten Frau inklusive Hofberichterstatter Kerner mit „seinen“ Soldaten in Afghanistan in die Schlange zur Essensausgabe in der Kantine stellt. Stets trifft er den richtigen Ton, eloquent und pressetabel. Früher haben wir einen solchen Menschen als charismatischen, unbesiegbaren Helden gefeiert, heute erklären wir ihn zum Kanzlerkandidaten.

 

Wenn - ja, wenn er die Feuerprobe besteht. Das Prozedere ist älter als Guttenbergs 900 Jahre zurück reichender Stammbaum: Bleibt der Angeklagte trotz glühendem Eisen oder brennendem Feuer unverletzt, oder heilen seine Wunden innerhalb kurzer Zeit, gilt seine Unschuld als bewiesen. Wenn er es geschickt anstellt, kann Guttenberg als wahrer Held aus der Krise steigen, sein Image stärker durch Taten und weniger durch gutes Selbstmarketing untermauern. Dafür muss er sich glaubwürdig hinter seine Leute stellen. Er muss seiner Funktion gerecht werden und seine Person zurückstellen. Das heißt, Ruhe bewahren, aufklären, hart in der Sache, umsichtig mit den Betroffenen und keine Aktionen, die nach außen wie Schnellschüsse zum Wohle des Saubermann-Images wirken. Denn die schaden nicht nur der eigenen Person, sondern dem System Bundeswehr - und darum geht es letztendlich.

 

Eine Führungskraft ist niemals in der Lage, ihre jeweilige Organisation zu kontrollieren. Führen bedeutet, Impulse zu setzen, Leitplanken zu bieten. Guttenberg hat seiner Organisation bereits vor der Krise einige dieser Impulse gegeben. Jetzt liegt es an ihm, die Energie der Krise so zu lenken, dass sie die geplanten Reformen voranbringt. Wer sich für einen Beruf entscheidet, entscheidet sich für eine Organisation, ihre Ziele und deren Konsequenzen. Der Umbau zur Berufsarmee kann darum durchaus helfen, das Commitment und das Verantwortungsbewusstsein der Soldaten im Sinne der Inneren Führung zu stärken.

 

Doch das Feuer ist heiß. Und je höher die Flammen schlagen, desto mehr Schaulustige zieht das Spektakel an: Genussvoll schwenken Guttenbergs Kritiker wie der grüne Verteidigungsexperte Omid Nouripour vor aller Augen ihre Benzinkanister, während Guttenbergs Anhänger abwechselnd um Kontenance und um die Eindämmung der Flammen ringen und krampfhaft nach einer Füllung für ihre Löscheimer suchen. Die kann zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal Guttenberg liefern. Für ihn gibt es nur einen Weg, direkt durchs Feuer.