Kontakt Seminare Akademie Forum 2019

Basel II (Rating)

Der Baseler Ausschuß für Bankenaufsicht hat seine Pläne für eine Umgestaltung der Eigenkapitalvorschriften für Kreditinstitute - kurz: Basel II - konkretisiert. Demnach sollen Banken und Sparkassen bei der Vergabe von Krediten an Firmenkunden künftig umso mehr institutseigenes Kapital hinterlegen müssen, je höher das Kreditrisiko ist. Bislang gilt eine pauschale Unterlegungsquote von acht Prozent. Bei einem bewilligten Kredit von 100.000 EUR - etwa an eine mittelständische Maschinenschlosserei - musste die jeweilige Bank also 8.000 EUR an eigenem Kapital als indirekte Sicherheit zurückhalten.

Die Beschlüsse des Basler Ausschusses im Einzelnen

  • Firmenkredite an KMU, die bei der jeweiligen Bank Verbindlichkeiten von unter einer Mio. EUR haben, dürfen vom Institut wie Privatkundendarlehen behandelt und in einem Portfolio zusammengefasst werden. Zudem muss für diese Summen prozentual weniger Eigenkapital unterlegt werden als bisher.

  • Kredite an Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 50 Mio. EUR und einem Gesamt-Kreditvolumen von über einer Mio. EUR werden auf Grundlage eines internen Ratings vergeben. Das jeweilige Kreditausfallrisiko (und damit das Rating-Urteil) soll dabei auch anhand der Firmengrösse ermittelt werden. Das heißt: Kleineren Betrieben wird bei der Kredit-Kalkulation tendenziell ein höherer “Abschlag” vom Kreditausfallrisiko zugestanden als größeren. Schließlich sind Banken in derartigen Fällen - wie oben gezeigt - mit weniger eigenen Sicherungsrücklagen beteiligt.

  • Ein weiterer Punkt regelt hohe Kredite mit langer Laufzeit:
    Ursprünglich sollten derartige Darlehen von den Bank mit zusätzlichem Eigenkapital unterlegt werden. Das Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat allerdings vor kurzem erklärt, von einer in den Basel II-Regularien vorgesehenen Sonderregelung Gebrauch zu machen. Demnach werden Kredite an Unternehmen mit Jahresumsatz und Bilanzsumme von bis zu 500 Mio. EUR bis auf weiteres von den Aufschlägen ausgenommen.

Auswirkungen von Basel II

Was auf den ersten Blick wie eine rein formale, finanzmarktpolitische Entscheidung wirken mag, bringt in Wahrheit nachhaltige Auswirkungen - gerade auch für die (mittelständische) Privatwirtschaft - mit sich.

Zum einen haben die veränderten Eigenkapitalvorschriften direkten Einfluss auf die künftige Kreditvergabepraxis der Banken und Sparkassen. Andererseits werden viele Institute infolgedessen die Zinsen für Firmenkredite anders gestalten: War man bislang schon aus Eigeninteresse daran interessiert, das Ausfallrisiko so gering wie möglich zu halten, zwingt der neue Baseler Akkord Banken außerdem dazu, bei vergleichsweise riskanten Geschäften einen prozentual höheren Anteil an Eigenmitteln zurückzuhalten. Da diese Summen für das operative Geschäft fehlen, werden in derartigen Fällen tendenziell höhere Zinsen verlangt.

Mit anderen Worten: Wer bei seiner Hausbank als “guter Schuldner” mit hoher Bonität und entsprechender Zahlungsmoral gilt, wird (auch bei risikoreicheren Projekten) Kredite zu niedrigeren Zinsen erhalten als ein “schlechter Schuldner” mit zweifelhafter Bonität. Anders als bislang werden aber Leumund und Renommee eines Unternehmens weniger ausschlaggebend sein als dessen betriebswirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Perspektive.

Um aber herausfinden zu können, wie es um Solvenz und Zukunftschancen eines Kreditnehmers bestellt ist, bedienen sich Banken und Sparkassen fortan auch im Firmenkundengeschäft eines Instrumentes, das derzeit nur bei großen Aktiengesellschaften oder staatlichen Schuldnern angewandt wird. Gemeint ist das so genannte Rating.

Dabei handelt es sich um ein Einstufungsverfahren, bei dem der jeweilige Schuldner - je nach Liquidität und Zahlungsmoral - einer bestimmten Kategorie innerhalb einer Rangliste zugewiesen wird. Diese reicht zumeist von “AAA +” (= exzellente Bonität) bis hin zu “C” (= schlechte/zweifelhafte Bonität).

Ebenso augenfällig wie nachvollziehbar ist, dass ein angemessenes Rating nicht allein anhand des unternehmerischen Status quo zu einem bestimmten Zeitpunkt, also auf Grundlage einer gesonderten Bilanz oder eines einzelnen Jahresabschlusses erfolgen kann. Es ist vielmehr unumgänglich, das Wirtschaften einer Firma über einen längeren Zeitraum hinweg zu betrachten - ein weiterer Grund, warum Basel II für viele Firmen schon jetzt ein Thema ist. Hinzu kommt, dass hier neben dem reinen Zahlenwerk auch vermeintlich “weiche” Faktoren wie Professionalität des Managements, Marktumfeld, Innovationspotenziale oder Qualifikation der Mitarbeiter eine Rolle spielen. Bei der Analyse eines Unternehmens wird zwischen externem und internem Rating unterschieden - ersteres erstellen so genannte Rating-Agenturen (spezielle Dienstleister), letzteres die Hausbanken in Zusammenarbeit mit ihren Kreditkunden selbst.

Es liegt auf der Hand, dass dieser Prozess zwar Arbeitszeit in Anspruch nimmt, Ihnen anderseits aber auch nicht unbeträchtliche Vorteile bietet: Denn wo sonst können Sie Ihr Unternehmen vergleichsweise günstig auf Herz und Nieren überprüfen lassen? Und schon aus Eigeninteresse wird Ihnen Ihre Bank Ansätze für Verbesserungen aufzeigen, etwa wenn die Datenbasis bisheriger Controlling- Kennzahlen nicht ausreicht, um eine adäquate Risiko- oder Bonitätseinstufung vorzunehmen. Gleiches gilt im Falle von verbesserungswürdigen innerbetrieblichen Planungsinstrumenten oder bei offenen Nachfolgeregelungen. Insgesamt eröffnet ein Rating-Verfahren vielen Mittelständlern damit die Chance, zusätzliches Know-how in die eigene Firma einzubringen und so die Unternehmensführung nachhaltig zu optimieren.

Veränderung des Unternehmensfinanzierung durch Basel II

Auf einer anderer Ebene verändert Basel II auch die Unternehmensfinanzierung vieler Firmen an sich: Denn nicht nur junge Unternehmen und Starts-Ups, deren Datenbasis für ein Rating-Verfahren noch nicht ausreicht, werden stärker als bislang auf alternative Finanzierungsquellen angewiesen sei. Auch Mittelständler sollten rechtzeitig Strategien entwickeln, um ihre Liquidität und Bonität nicht allein auf Rücklagen und klassische Kreditfinanzierung zu stützen.

Im Klartext bedeutet dies: Instrumente wie Leasing oder Factoring werden in vielen Fällen stärker als bislang zum unternehmerischen Alltag gehören. Eine weitere interessante Option ist diesem Zusammenhang die Aufnahme von Risiko- bzw. Beteiligungskapital. Damit ziehen i. d. R. zwar “neue Herren mit ins Haus”. Diese verbreitern jedoch nicht nur die Eigenkapitalbasis des Unternehmens, sondern sind - sofern sie sich am Tagesgeschäft beteiligen - auch eine wertvolle Ergänzung in puncto Sachverstand und Man-Power.

Advance - Online lesen!
ARBEITSZEIT IST LEBENSZEIT
Advance 02/18
Advance lesen
Der Akademie Newsletter
Werden Sie Teil der Akademie Welt

News exklusiv für Abonnenten

Zum Newsletter anmelden: