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Finanzierung

In der Praxis entsteht ein Finanzierungsproblem dadurch, dass die mit der Fertigung oder sonstigen Leistungserstellung verbundenen Zahlungsströme nicht mit den Einzahlungen aus Kundenumsätzen, die aus der erbrachten Leistung resultieren, übereinstimmen. Diese zeitliche Differenz der Vorgänge bedingt einen kurzfristigen Kapitalbedarf. Aufgabe der Finanzierung - und hier insbesondere der Finanzplanung - ist es, die Zahlungsströme so aufeinander abzustimmen, dass zu jedem Zeitpunkt die Auszahlungen durch liquide Mittel und Einzahlungen gedeckt sind (Liquidität).

Klassifikation nach Finanzierungsarten und -formen

Je nach Finanzierungsanlass wird zwischen folgenden Situationen unterschieden:

  • Gründung
  • Erweiterung
  • Projekt
  • Umschuldung
  • Sanierung.

Je nach Rechtsstellung der Kapitalgeber erfolgt eine Einteilung in Eigen- und Fremdfinanzierung. Sofern die Zuführung der finanziellen Mittel zu einer Erhöhung des Eigenkapitals des Unternehmens führt (durch Einlagen der Anteilseigner oder durch Gewinne des Unternehmens), spricht man von Eigenfinanzierung. Falls die finanziellen Mittel durch Fremdkapital aufgebracht werden und Gläubigerverhältnisse entstehen, spricht man von Fremdfinanzierung.

Eine Unterteilung nach der Fristigkeit führt zu einer Unterscheidung in befristete und unbefristete Finanzierungen. Anders als das Eigenkapital, welches dem Unternehmen im Regelfall unbefristet gewährt wird, muss das Fremdkapital zu vereinbarten Tilgungszeitpunkten zurückgezahlt. Die befristete (Fremd-)Finanzierung wird weiter differenziert in eine kurz-, mittel- und langfristige Finanzierung. Die jeweilige Dauer ist nicht allgemein festgelegt. In der Regel wird ein Zeitraum bis zu einem Jahr als kurzfristig, ein Zeitraum von einem bis 5 Jahre als mittelfristig und ein Zeitraum über 5 Jahre als langfristig angesehen. Eine ebenfalls häufig verwendete Einteilung zieht die Grenze zwischen mittel- und langfristiger Finanzierung bei 3 Jahren.

Aus Unternehmenssicht bietet sich die Mittelherkunft als weiteres Unterscheidungskriterium an.

Die Zuführung finanzieller Mittel durch Einlagen der Unternehmenseigner, durch Beteiligung von Gesellschaftern oder durch Kreditkapital von Fremdkapitalgebern erfolgt im Rahmen der Außenfinanzierung. Resultieren die finanziellen Mittel aus der Bildung von Finanzmitteln innerhalb der Unternehmung (bezahlte Umsatzerlöse, erwirtschafteter und zugeflossener Cash-Flow) - handelt es sich um Innenfinanzierung.

Finanzierungsformen im Einzelnen

Einlagen- und Beteiligungsfinanzierung

Die Einlagen- und Beteiligungsfinanzierung (Gründung, Kapitalerhöhung) umfasst alle Formen der Beschaffung von Eigenkapital von bisherigen oder neuen Gesellschaftern.

Für die Aufbringung des Eigenkapitals hat die Rechtsform des Unternehmens eine wichtige Bedeutung. Einerseits hängt von ihr die Möglichkeit des Zugangs zum Kapitalmarkt (Börse) ab, zum anderen von steuerlichen Vorteilen.

Beteiligungsfinanzierung

Einzelunternehmungen, Personengesellschaften, Gesellschaften mit beschränkter Haftung und kleineren Aktiengesellschaften steht zur Beschaffung von Eigenkapital kein organisierter Kapitalmarkt zur Verfügung. Damit beschränken sich die Eigenfinanzierungsmöglichkeiten auf die Einbringung von Privatvermögen durch vorhandene Eigentümer oder neue Gesellschafter.

Aktiengesellschaften und Kommanditgesellschaften auf Aktien steht zur Aufbringung von Eigenkapital der Weg über die Börse offen. Um den unterschiedlichen Zielsetzungen der Eigenfinanzierung gerecht zu werden, stehen für die Eigenkapitalbeschaffung mehrere Möglichkeiten zur Verfügung.

Als wichtigste Form ist hier zunächst die Kapitalerhöhung zu nennen, die zu einer Erweiterung der Eigenkapitalbasis führt und damit eine Beteiligungsfinanzierung darstellt.

Bei der ordentlichen Kapitalerhöhung wird das Eigenkapital durch die Ausgabe junger Aktien erhöht.

Kreditfinanzierung

Bei der Kreditfinanzierung wird im Gegensatz zur Beteiligungsfinanzierung Fremdkapital aufgenommen, und es entstehen Gläubigerabhängigkeiten. Die Geldgeber erhalten meist keine Mitsprache bei der Unternehmensführung und auch nicht am Gewinn, am Vermögenszuwachs oder an den stillen Reserven des Unternehmens beteiligt.
Es wird dafür ein fester oder kapitalmarktabhängiger, variabler Zins vereinbart. Der Unterschied zur Beteiligungsfinanzierung besteht aus Unternehmenssicht vor allem darin, dass diese finanziellen Mittel nur zeitlich befristet zur Verfügung stehen und konstante Liquiditätsbelastungen (Kapitaldienst) darstellen.
Fremdkapital kann nicht in beliebiger Höhe aufgenommen werden und ist vor allem von der Bonität des Unternehmens, von den zur Verfügung stehenden Sicherheiten und von den Ertragsaussichten abhängig (Kreditwürdigkeit, Kreditfähigkeit).

Kurzfristige Fremdfinanzierung

Unter kurzfristiger Fremdfinanzierung (Laufzeit von unter einem Jahr) werden zahlreiche Finanzierungsformen verstanden. Sie sowohl von Banken als auch von Nichtbanken gewährt. Hierzu gehören insbesondere:

  • Kontokorrentkredit
  • Lieferantenkredit
  • Kundenkredit
  • Wechseldiskontkredit

Langfristige Fremdfinanzierung

Auch die langfristige Fremdfinanzierung kann vielseitig gestaltet werden. Zu den wichtigsten nationalen oder internationalen Formen gehören die Schuldverschreibungen (Anleihen, Obligationen), Schuldscheindarlehn und die langfristigen Bankkredite. Neben diesen klassischen Formen der langfristigen Fremdfinanzierung haben sich neuere Finanzierungsinstrumente herausgebildet, die Kredite durchaus substituieren können. Hierzu gehören vor allem das Leasing und das Factoring.

Selbstfinanzierung

Bei der Selbstfinanzierung handelt es sich um einen Sonderfall der Innenfinanzierung. Die Zuführung der finanziellen Mittel erfolgt nicht in speziellen Finanzierungsakten, sondern es handelt sich um Entscheidungen, die im Rahmen der Unternehmenstätigkeit erwirtschafteten Mittel temporär oder dauerhaft in der Unternehmung zu belassen.

Die Zurückbehaltung der finanziellen Mittel kann dabei auf zwei unterschiedlichen Wegen erreicht werden.

  • Einbehaltung des ausgewiesenen Gewinns (oder Teile)
  • vorgezogene Minderung des erwirtschafteten Gewinns durch Bildung stiller Reserven

Finanzierung aus Abschreibungen

Allein die buchmäßige Verrechnung von Abschreibungen führt noch nicht zu Finanzierungseffekten. Vielmehr müssen hierzu die Abschreibungswerte als Einzahlungen aus der Umsatztätigkeit tatsächlich zufließen. Außerdem wird nur der Teil der Abschreibung, der dem tatsächlichen Werteverzehr der Wirtschaftsgüter entspricht, wird zur Abschreibungsfinanzierung gezählt (überhöhte Abschreibungen führen zum Ausweis stiller Reserven)

Sofern die aus den Abschreibungen freigesetzten Finanzmittel nicht zweckgebunden zur Ersatzbeschaffung verwendet werden, können sie auch für Erweiterungsinvestitionen verwendet werden und führen dann zu einer Erhöhung der Kapazität (Lohmann-Ruchti-Effekt)

Finanzierung durch Rückstellungen

Auch durch Rückstellungen können finanzielle Mittel an die Unternehmung gebunden werden. Die finanziellen Mittel stehen zwischen Bildung und Auflösung der Rückstellung zur Verfügung.
Im Gegensatz zu den kurzfristigen Rückstellungen, ist im Rahmen der Finanzierung vor allem die langfristige Pensionsrückstellungen von Bedeutung. Auch hier müssen für eine Finanzierungswirkung die Rückstellungswerte dem Unternehmen über den Umsatzprozess in liquider Form zunächst zufließen.

Desinvestition und Rationalisierung

Hierzu gehört vor allem die Veräußerung von nicht betriebsnotwendigen Vermögensteilen. Aber auch bestimmte Rationalisierungsmaßnahmen können mit Finanzierungseffekten verbunden sein (z. B. Reduzierung der Lagerbestände).

Beurteilungskriterien der Unternehmensfinanzierung

Für die Suche der nach der bestmöglichen Finanzierung spielen sowohl quantitative als auch qualitative Kriterien eine Rolle. Nachdem Ermittlung des Kapitalbedarfs, muss aus den vorliegenden Möglichkeiten die für das Unternehmen beste Finanzierungsform ausgewählt werden. Hierzu werden als Beurteilungskriterien im Allgemeinen die Rentabilität, Liquidität, Sicherheiten und Unabhängigkeit herangezogen.

Rentabilität

Für die Frage, ob eine Finanzierungsform rentabel ist oder nicht, ist vor allem die Höhe der anfallenden Kapitalkosten entscheidend. Unter den Fremdkapitalkosten sind dabei alle aus dem Kreditverhältnis erwachsenden Kosten für Zinsen und Nebenkosten zu verstehen. Eigenkapitalkosten leiten sich aus Opportunitätsüberlegungen ab und sind abhängig von den Renditevorstellungen der Kapitalgeber.

Aufgrund der unterschiedlichen steuerlichen Behandlung der Eigen- und Fremdfinanzierung stellt die Fremdfinanzierung unter steuerlichen Aspekten oft den kostengünstigeren Weg der Kapitalbeschaffung dar.
Trotz zunehmender Fremdfinanzierung kann mittelfristig sogar die Eigenkapitalrentabilität steigen, wenn die Fremdkapitalkosten unter der Investitionsrendite liegen (Leverage-Effect).

Liquidität

Die Aufrechterhaltung der Liquidität ist die wichtigste Randbedingung des Rentabilitätsstrebens, da ihre Nichterfüllung zur Insolvenz des Unternehmens führen würde. Für die Beurteilung der Finanzierungsformen im Hinblick auf die Liquidität sind daher die Dauer der Kapitalbindung und die zukünftige Liquiditätsbelastung ausschlaggebend.

Sicherheit

Der Aufnahme finanzieller Mittel steht das Sicherheitsbestreben gegenüber, sich nicht zu hoch zu verschulden. übersteigt die prozentualen Fremdkapitalkosten die Gesamtkapitalrentabilität, so ist die Eigenkapitalrentabilität um so geringer, je höher der Verschuldungsgrad ausfällt.

Durch geschickte Kombination von unterschiedlichen Finanzierungsformen kann das Risiko einzelner Finanzierungsformen gesenkt werden. Zu den Risiken, die bei Finanzierungsentscheidungen beachtet werden müssen, gehört auch Zinsänderungsrisiko (u. U. auch Wechselkursrisiko).

Unabhängigkeit

Finanzierungsfragen können nicht nur unter Kosten- und Ertragsgesichtspunkten entschieden werden. Vielmehr ist grundsätzlich auf die Beibehaltung der Entscheidungsfreiheit von Bedeutung. Darüber hinaus können mit der Aufnahme des zusätzlichen Kapitals unter Umständen Mitwirkungs- und Mitspracherechte der Kapitalgeber hinzukommen, die sich bei der Verfolgung der Unternehmensziele als problematisch erweisen könnten.
Sofern der Unabhängigkeit eine hohe Priorität zugesprochen wird, bietet sich vor allem die Innenfinanzierung als Alternative an.

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