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Prozesskosten-Rechnung

Mit der Prozesskostenrechnung werden Gemeinkosten nicht mehr nach freiwählbaren Zuschlagssätzen sondern nach der tatsächlichen Inanspruchnahme zugeordnet. Bis in die 80er Jahre wurde unterstellt, dass Produktions- und Vertriebsstrukturen sich nur zögernd und über Jahre hinweg wandeln. Diese Denkweise führte dazu, dass die Produktionsauslastung die wichtigste Einflussgröße unternehmerischen Handelns ausmachte. Aus diesem Verständnis heraus basierten die klassischen Kostenrechnungssysteme auf der Gemeinkostenverrechnung mit kapazitätsabhängigen Bezugsgrößen wie Materialeinzelkosten, Fertigungseinzelkosten und Herstellkosten.

Die Entwicklungen der letzten 10 Jahre haben jedoch gezeigt, dass die Kundenanforderungen an die Leistungsfähigkeit der Unternehmen stark gestiegen sind und sich diese nun verstärkt mit folgenden Phänomenen auseinandersetzen müssen:

  • Verbesserung der Produkt-Qualität,
  • Zunahme der Produkt-Varianten,
  • Verkürzung der Innovations- und Produktlebenszyklen,
  • Senkung der Lieferzeiten und
  • Kostensenkung durch Rationalisierung der eigenen Unternehmensaktivitäten.

Aus diesen Gründen wurde insbesondere versucht, die Prozesse in den sogenannten Hilfs-Bereichen wie Forschung und Entwicklung (FuE), Instandhaltung, Qualitätssicherung, Produktionssteuerung, Logistik und Vertrieb zu beschleunigen. Dieses Vorgehen hat aber auch dazu geführt, dass die Gemeinkosten gerade in diesen Bereichen stiegen, ihr Anteil an den Gesamtkosten weiter wächst und vor allem durch einen enormen Zuwachs an fixen Kosten geprägt ist.

Als Lösungsansatz der anstehenden Kostenrechnungsprobleme wird nun eine Kostenrechnungsvariante erprobt, die im deutschsprachigen Wirtschaftsgebiet unter dem Begriff Prozesskosten-Rechnung bezeichnet wird. Andere übliche Bezeichnungen sind Begriffe wie:

Obwohl vielfach synonym verwendet, ist die Prozesskosten-Rechnung mit dem Activity-Based-Costing nicht direkt identisch, da es sich auf die indirekten Kosten im Produktionsbereich konzentriert. Im Vordergrund der Prozesskosten-Rechnung stehen aber nicht die Gemeinkosten der Produktionsbereiche, sondern die Gemeinkosten der indirekten Hilfs-Bereiche.

Wesensmerkmale der Prozesskosten-Rechnung

Die Prozesskosten-Rechnung konzentriert sich hauptsächlich auf eine ausführliche Erfassung der Gemeinkosten in den sog. Hilfs-Bereichen, sowie deren Verrechnung. Dieses Vorgehen ist an sich nicht neu, da auch die Prozesskosten-Rechnung sich herkömmlicher Elemente der Kostenarten-Rechnung, Kostenstellen-Rechnung und Kostenträger-Rechnung bedient. Ein grundsätzlicher Gegensatz zur hergebrachten Kostenrechnung besteht aber in der Wahl der Bezugsgrößen, denn anders als bei den traditionellen Verfahren erfolgt die Verrechnung von Gemeinkosten nicht über Kostenstellen, sondern über abgegrenzte Prozesse (Vorgänge, Aktivitäten) und deren mengenbezogenen “Wiederholungs-Vorgängen” (sog. “repetitive Routine-Aktivitäten”).

Orte und Ursache der Kostenentstehung sind nun weniger die Kostenstellen und Produkte, sondern stellenübergreifende Prozesse, d.h. die (indirekten) Gemeinkosten sind nicht unmittelbar produkt-kausal, sondern prozess-kausal. Demzufolge werden auch die betreffenden Gemeinkosten nicht über Mengen- oder Wertbezugsgrößen wie Material-, Fertigungseinzelkosten oder Herstellkosten verrechnet, sondern indirekt über die jeweiligen Prozessmengen, die vom Produkt beansprucht werden.

Mit der prozessbasierten Vorgehensweise werden insbesondere folgende Absichten verfolgt:

  • detaillierte Darstellung von Unternehmensprozessen sowie
  • detaillierte Informationen zur operativen Steuerung und Kostenkontrolle in administrativen Gemeinkostenbereichen
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