ABENTEUER MIT PLAN - wie Strukturen konsequent dem Kunden dienen

14.02.2018
Jochen Werne, Direktor Marketing & Business Development bei Bankhaus August Lenz & Co. AG ist einer der zentralen Treiber der Re-Organisation und Disruption im Unternehmen. Ab 12. Februar leitet er zudem eine viel beachtete Expedition in die Antarktis. Was diese Unternehmung mit der Gestaltung von Unternehmen zu tun hat erläutert er hier.
Jochen Werne
Gastbeitrag
Jochen Werne

Wikipedia definiert Abenteuer als eine risikoreiche Unternehmung, die sich stark vom Alltag unterscheidet. Befinden wir uns in Zeiten exponentieller Technologien am Rande eines solchen Abenteuers? Setzen wir den Einfluss auf die Gesellschaft, auf uns und unsere Unternehmen in den richtigen Kontext?

Sir Robert Falcon Scott galt als ehrgeiziger, fortschrittlicher Marineoffizier und Entdecker. Er erkannte die Tragweite und Möglichkeiten moderner Technologien früh, im Speziellen des viel diskutierten Verbrennungsmotors. Er sah, welchen Einfluss dieser auf die Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben würde, und wie dieser ihm helfen könnte, als erster Mensch den Südpol zu erreichen.

Und tatsächlich, der Verbrennungsmotor revolutionierte alles. Aus Pferdekutschen wurden PKWs, aus Segelschiffen Motorschiffe und die Industrie wurde ungeahnt effizienter.

Nichtsdestotrotz verlor Scott den Wettlauf zum Pol und bezahlte diesen sogar mit seinem Leben. Am 14. Dezember 1911 setzten sich der Norweger Roald Amundsen und sein Team nach einem erbitterten Marsch gegen das britische Team um Robert Scott durch und erreichten als erste Menschen den Südpol. Die Antarktis gilt als lebensfeindlichste Umgebung des Planeten und der Weg zum Südpol beträgt 1.300 km bei einer Durchschnittstemperatur von -30°C. Diese Umgebung verzeiht keine Fehler, nicht in der Planung noch bei der Durchführung, nicht beim Menschen noch beim Material.

Ähnliches gilt für Unternehmen in disruptiven Zeiten. Nur dass hier meist niemand in Folge von Fehleinschätzungen mit seinem Leben bezahlt. Genau wie bei Expeditionen haben auch Unternehmer und Manager die Aufgabe, ihre Teams auf die richtige Route zu führen, um am Ende an ein definiertes Ziel zu gelangen. Die Umsetzung neuer Strategien, Systeme und Strukturen sowie die frühzeitige Anpassung an sich ändernde (Markt-)Situationen sind hierbei überlebenswichtige Faktoren.

Für uns als Bank bedeutet das: Viele Kunden erledigen Geldgeschäfte jetzt online zu Hause oder via Smartphone. Hohe Ansprüche an Bequemlichkeit und Transparenz treffen zudem auf den Wunsch, Bankgeschäfte unabhängig vom jeweiligen Institut selbst zu tätigen. Dieser Trend wird durch die Digitalisierungswelle und somit durch das Erleichtern von Dienstleistungen befördert. Banken müssen mit ihren Produkten und Dienstleistungen an den geänderten Bedürfnissen der Kundschaft ansetzen, wollen sie diese nicht an innovative, bereits digitale Konkurrenten oder FinTechs verlieren. Unsere Veränderungsfähigkeit entscheidet über das Überleben im Markt.

Diejenigen Unternehmen, die den Wandel schaffen, werden sich den großen Markt mit neuen Market Playern teilen und Instrumente einsetzen, die im früheren, klassischen Geschäft nicht existierten.

Jedoch sollte jeder, der seinen Fokus rein auf neue Technologien setzt, Scott als Warnung nehmen. Die Aufgabe eines Managers und Unternehmers ist nicht nur, sein Unternehmen auf die Zukunft vorzubereiten, sondern auch Fingerspitzengefühl für die Transformation zu haben. Ein fein justierter, detaillierter Plan, kombiniert mit der richtigen Flexibilität und entsprechender Agilität in der Umsetzung, unterstützt diese.

Im Endeffekt sind dies auch die Punkte, die den erfolgreichen Entdeckern zum Erfolg verhalfen. Vielleicht mit einem kleinen Unterschied, der darin liegt, dass in Zeiten exponentieller Technologien Entscheidungen schneller denn je getroffen und Pläne entsprechend radikal verändert werden müssen.

Dadurch kann ein Erfolg im Abenteuer des „disruptiven Wandels“ garantiert werden. Beim Akademie-Forum am 19. April möchte ich mit Ihnen in einem Workshop beleuchten, wie man in der Organisation diese Beweglichkeit und Veränderungsbereitschaft fördert und in die eigenen Strukturen sozusagen mit einbaut.

Ich freue mich auf den Dialog mit Ihnen!