Ärger vergiftet (Arbeits-)Beziehungen

12.06.2019
62% der Mitarbeiter haben schon mal wegen ihrer Führungskraft gekündigt. Nur 16% der Führungskräfte gestehen sich das ein. (Quelle: Information Factory)
Liane Rieger
Liane Rieger

Diese Statistik bestätigt meine langjährige Erfahrung als Moderatorin von Teamkonflikten und Coach für Führungskräfte. Das ist sehr schade, denn bei näherer Betrachtung haben die meisten Führungskräfte wirklich gute Absichten, auch wenn ihre Handlungen oftmals eine andere Sprache sprechen, wenn es um die Klärung von Unstimmigkeiten und Ärgernissen geht. 

Wesentliche Faktoren dabei sind, dass z.B. der Fokus auf der sachlichen Unstimmigkeit liegt statt auf der Absicht dahinter. Weiter wird Schuld in der Regel nur dem Gegenüber zugeschrieben. Selbstreflexion findet wenig bis gar nicht statt und eine Handlung wird ausschließlich vom Gegenüber erwartet.

Häufig trifft es im Konflikt dann vor allem den Überträger eines Ärgernisses wie z.B. den Kollegen, der nur ausspricht, was alle denken. Greift die Führungskraft das Gesagte nicht konstruktiv auf, startet eine Abwärtsspirale, die letztendlich zu einer Vergiftung des ganzen Teamspirits führen kann.

Sie möchten das beschriebene Szenario vermeiden und stattdessen eine akzeptierte Führungskraft sein, die gelingende Arbeitsbeziehungen gestaltet?

Dann ist die erste wichtige Tat, Ihren eigenen Ärger wirklich zu überwinden:

 

1. Ärger akzeptieren

In unserer Gesellschaft wird Ärger in der Regel eingedämmt oder abgelehnt. Gleichzeitig wissen wir, dass Druck Gegendruck erzeugen kann. In Konsequenz bedeutet das: Wenn Sie versuchen, Ihren Ärger nur zu unterdrücken, wird er langfristig größer oder drängt sich immer und immer wieder in den Vordergrund.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Ärger ein ganz wunderbares Gefühl sein kann, wenn Sie bereit sind, sich Ihrem Ärger zu stellen. Ärger macht Sie darauf aufmerksam, dass etwas nicht in Ordnung ist, dass Ihre Bedürfnisse nicht erfüllt sind. Aber: Ärger verdeckt auch das wahre Gefühl, das Sie vielleicht nicht fühlen wollen. Denn Ärger fühlt sich viel kraftvoller an, als die Hilflosigkeit, die meist dahintersteckt.

Wenn Sie sich das nächste Mal ärgern, dann versuchen Sie, sich Ihre Hilflosigkeit einzugestehen, spüren Sie diesem tatsächlichen Gefühl nach und sagen Sie sich: „Okay, mein Ärger ist ein Ausdruck meiner Hilflosigkeit. Es ist in Ordnung, hilflos zu sein und nicht stets eine Lösung zu haben.“

Auch als Führungskraft dürfen Sie Fehler machen oder mal etwas nicht so optimal angehen. Wenn Sie es schaffen, dazu zu stehen, verstärkt dies sogar die Akzeptanz durch Ihre Mitarbeiter.

 

2. Ärger verstehen wollen

Wenn Sie sich bewusst machen, dass hinter Ärger häufig ein ungutes Gefühl wie Hilflosigkeit steckt und Sie sich diese erlauben, dann fällt auch diese Frage leicht: „Was genau braucht jemand, der sich ärgert, der also Hilfe bedarf?“

Dieser Mensch braucht Verständnis und wohlwollendes Entgegenkommen!

Wie schaffen Sie das? Mit DURCHATMEN! Und mit der Haltung „Ich bin okay - Du bist okay“, 100%iger Aufmerksamkeit und Ernsthaftigkeit für Sie selbst und die Situation.

Fragen Sie sich mit offener Neugierde: Welche meiner Bedürfnisse sind nicht erfüllt? Welche Absicht verfolge ich wirklich? Worum geht es mir?

 

3. Lösungen gestalten

Die beiden erstgenannten Schritte sind fundamental für die nachhaltige Lösung von Ärgernissen.

Meine Erfahrung ist es, dass die meisten Führungskräfte die ersten beiden Schritte überspringen und stattdessen schnelle Maßnahmen einleiten, die aber das Wesentliche nicht lösen.

Das kann man sich ein bisschen so vorstellen, als würde die Feuerwehr das Dach löschen, obwohl der Keller brennt.

Viel hilfreicher ist es, die ersten beiden Schritte zu durchlaufen und sich dann im dritten Schritt zu fragen: Wie möchte ich wirken? Was möchte ich bewirken und wie schaffe ich das?

 

Probieren Sie es aus, es lohnt sich! Ihre Mitarbeiter werden es Ihnen danken.

Gerne begleite ich Sie auf Ihrem Weg.