BOXEN & COACHEN

13.02.2019
Sie kennen vielleicht den hilfreichen Effekt eines Spaziergangs, den des Sports oder einer musischen Beschäftigung, wenn Sie in der Arbeit nicht weiterkommen. Nach der vermeintlichen Nebenbeschäftigung kann es einem wie Schuppen von den Augen fallen und der glorreiche Einfall ist da. „Heureka!“ Doch woher kommt auf einmal die Lösung?
Gastbeitrag
Bernd Wagner

Verschiedene Ebenen der Problemlösung

In meinem Ansatz nutze ich verschiedene Ebenen der Problemlösung – ganz im Sinne Albert Einsteins: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“. 

Bei „Boxen & Coachen“ arbeite ich mit dem Coachee auf drei Ebenen (kognitiv, psychisch und körperlich). Wir wissen mittlerweile, dass unser Denken, emotionale Zustände und körperliches Verhalten in Wechselwirkung zueinanderstehen. Salopp formuliert, wenn der Kopf leer ist, frag Deinen Bauch oder Deine Füße?!

Und so arbeite ich mit meinen Coachees:

In Ergänzung zum eher klassischen Coaching, bei dem überwiegend verbal bzw. mental gearbeitet wird, nutze ich zusätzlich körperliche Übungen. Nach der Auftragsklärung und dem Herausarbeiten des persönlichen Ziels/des belastenden Kontexts (z. B. „mehr Selbstbewusstsein in Konfliktgesprächen mit meinem Chef“) gehen wir in den Körper. Achtsamkeit herstellen ist die erste Übung. Was beim Boxen die Grundschule ist, übertrage ich auf hilfreiche Basisfunktionen für stabile und souveräne Kommunikations- und Verhaltensmuster. Gut stehen, atmen und bewegen können – das ist das A & O. Das klingt einfacher, als es sich meist in der Praxis darstellt. Doch Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Übungen sind okay. Da wir dazu neigen, auch neue Situationen zunächst mit gewohnten Strategien zu lösen, zeigen die sich auch unwillkürlich in den Boxübungen. Diese bringe ich ins Gespräch und später auch in Reflexion mit dem Problemmuster. Dadurch erhält der Coachee ein körperliches Bewusstsein zu meist unbewussten Abläufen. Hier beginnt der Entwicklungsprozess.

Ressourcen aus dem Körpergedächtnis

Menschen speichern Erfahrungen und Emotionen körperlich ab. Diese können belebend aber auch belastend sein. In der Psychosomatik wird dies näher beschrieben.

Für den Entwicklungsprozess suchen wir im nächsten Schritt nach hilfreichen Erinnerungen. Ich frage den Coachee beispielsweise: „Erinnere Dich an eine schöne Situation, in der Du sehr selbstbewusst warst. Wie hast Du geatmet, Dich bewegt…?“ Hat der Coachee eine hilfreiche Situation gefunden, vergegenwärtigen wir das stärkende Verhalten (Ressource). Ich lasse die Übung wiederholen. Wenn diese nun besser gelingt, übertragen wir die Ressource auf den belastenden Kontext/das Ziel.

Bleibt der Übungserfolg stabil, steigt die Überzeugung beim Coachee, einen hilfreichen Ansatz gefunden zu haben. Im Grunde bauen wir Brücken zu vorhandener Lösungskompetenz. Das Boxen dient hier als Medium und gleichzeitig bietet es die Möglichkeit, sich vom Problemzustand spielerisch zu dissoziieren. Und bei Bedarf auch mal Dampf abzulassen. Das Niveau und die Komplexität des Boxsettings richten sich dabei nach den Anliegen und dem Fitnesslevel des Coachee.

Apropos Heureka: Der Legende nach geht der freudige Ausruf auf Archimedes und das dabei entstandene Prinzip zurück als er bemerkte, wie sein Körper das Wasser in der Badewanne verdrängte. Was macht eigentlich gerade Ihr Körper, während Sie diesen Artikel lesen? Wie atmen Sie? Ruhig und tief? Machen Sie mehr davon, wenn es angenehm ist!

Neben dem Coaching arbeite ich mit diesem Prinzip auch psychotherapeutisch in Trainings und in Therapien zu verschiedenen Themen. Hier hat sich unser Seminar zum Thema „Schlagfertig und souverän in Konfliktsituationen“ bereits bewährt. 

Passendes Seminar