Das kompetente Nein

Das kompetente Nein

11.12.2018
Unser Arbeitsumfeld ist von unterschiedlichen Tätigkeiten und Interaktionen geprägt. Typischerweise stehen Projektarbeit, zahlreiche Termine und Meetings, Abstimmungen und Führungsaufgaben im Fokus. Dafür sind Kompetenz, Konzentration und Aufmerksamkeit gefordert. Um einen solchen Alltag zielführend zuorganisieren, braucht es vor allem erst einmal eine klare Priorisierung.
Gastbeitrag
Holger Dammit

Und da sind wir auch schon beim Thema. Denn wer priorisiert, braucht auch die Fähigkeit ‚Nein‘ zu sagen. Das klingt leichter gesagt als getan, denn vielen Menschen fällt es schwer, Anfragen und Bitten abzulehnen, obwohl sie mitunter stark vom Arbeitsprozess ablenken oder die eigenen Ressourcen überlasten.

Häufige Gründe, ‚ja‘ statt ‚nein‘ zu sagen, sind die Scheu vor Konflikten, eine sehr ausgeprägte Hilfsbereitschaft und auch die Hemmung zu delegieren. Oder es besteht die Sorge, für unfreundlich und egoistisch gehalten zu werden.

Ein kompetentes ‚Nein‘ braucht ein reflektiertes Selbstbewusstsein und eine Portion gesunden Egoismus. Denn man kann nur dann seine fachlichen Kompetenzen dauerhaft abrufen, wenn man mit den eigenen Ressourcen einen verantwortungsvollen Umgang pflegt. Im Coaching geht es nun darum, die Ressourcenorientierung zu fördern und zu stärken. Der Coachee erlernt die Möglichkeit, aktiv ‚Nein‘ zu sagen, ohne mit seiner inneren Haltung in Konflikt zu geraten. Er vertritt dabei klar seine Position und lässt sich nicht in die Rechtfertigungsfalle leiten.

Das Gegenüber erlebt eine kollegial handelnde Person, die ihre Vorstellungen und Ziele vermitteln kann. Sie ist kein Ja-Sager, der gerne alle Verantwortung schultert, sondern handelt lösungs- und ressourcenorientiert.

Der Ja-Automatismus wird aufgehoben und ersetzt durch eine Haltung, die Möglichkeiten anbietet. Somit bleibt auch das Gegenüber in der Verantwortung, eine gemeinsame Lösung zu finden.

Und hier einige Sofort-Hilfe-Tipps:

Um ein automatisiertes Ja zu unterbrechen, stellen Sie sich beim nächsten Anliegen, das an Sie gerichtet, wird folgende Frage:

  • Muss das Anliegen sofort erledigt werden?
  • Kann die Anfrage auch von einer anderen Person bearbeitet werden?
  • Kann ich ein Angebot machen?
     Beispiel: Ja, das ist möglich, doch erst zu einem späteren Zeitpunkt – oder wenn ein anderer Punkt nach hinten verschoben wird.
  • Was könnte schlimmsten Falls passieren, wenn ich Nein sage?

Mit diesen inneren Fragen an sich selbst gewinnen Sie Zeit für sich, um Ihre Motivation und Ihre Auslastung abzugleichen und eine bewusstere Antwort zu geben.