Kein Bock mehr auf den Job

Kein Bock mehr auf den Job

15.10.2018
Der Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens kommt eines Tages zu mir ins Coaching und sagt: „Ich habe keine Lust mehr und bin froh, wenn ich endlich in Rente gehen kann.“ „Was ist passiert?“ frage ich.
Gastbeitrag
Andrea Hoberg

Wie durch Ressourcenaktivierung im Coaching die Energie zurückgewonnen werden kann

Er erzählt, dass ein neues Gesetz dazu führt, dass er seine gesamte Organisation umbauen muss. Darüber hinaus ist er nicht mehr sicher, ob er das passende Personal für diese neuen Anforderungen hat. Er hat angefangen, selbst wieder „mit anzupacken“, was ihn zunehmend erschöpft. Er äußert die Sorge, dass er krank werden könnte. Zudem plagen ihn Selbstzweifel, ob er noch in der richtigen Position ist. Und außerdem nervt es ihn jeden Tag, solch einen langen Arbeitsweg zu haben. Und viele weitere Argumente kommen, mit denen er belegen möchte, dass er falsch ist in der Position und dafür nicht mehr der Richtige.

Er hat dieses Unternehmen aufgebaut und erfolgreich gemacht, er genießt hohe Wertschätzung in der Branche für das, was er geschaffen hat und ist Vorbild für andere Unternehmer.

„Ich habe überhaupt keine Zeit mehr, darüber nachzudenken, wohin die ‚Reise‘ gehen könnte, der Alltag und das, was die Gesetzesänderungen jetzt von uns verlangen, vereinnahmen mich in Gänze.“ fährt er fort. Das, was ihm in seiner Position Freude bereitet hatte, Visionen zu entwickeln und Strategien umzusetzen, dafür bleibt ihm keine mehr Zeit, sagt er.

Vertrauen, Fürsorge, Anerkennung, Kreativität, Ressourcen, die ihn sonst motivieren, die ihm Kraft und Stärke geben, die ihn gelassen mit allen Herausforderungen, die der Alltag mit sich bringt, umgehen lassen, zu diesen Kraftquellen hat er den Zugang verloren.

Was passiert im Coaching-Prozess?

Im Coaching führe ich den Geschäftsführer mittels systemischer Fragen durch einen mehrstufigen Entwicklungs-Prozess. Ich höre ihm aktiv und einfühlsam zu, übersetze seine Gedanken, die Beurteilungen seiner selbst und anderer sind, in eine ressourcenbasierte Sprache. In dem Augenblick, wo der Geschäftsführer wieder Zugang zu seinen Ressourcen hat, verändern sich seine Gefühle. Wenn er vorher kraftlos, lustlos zweifelnd und unsicher war, weil er keinen Zugang mehr zu seinem Vertrauen und zu seiner Kreativität hatte, so fühlt er sich jetzt erleichtert, frei, froh, offen, kraftvoll und stark. Die Veränderung wird sichtbar in Körperhaltung, Stimme, Mimik, Gestik. Seine Motivation, die „Dinge“ anzugehen, kehrt zurück.

Die erfolgreiche Aktivierung seiner Ressourcen und deren anschließende Verankerung führen den Geschäftsführer zurück zu seiner positiven Selbstwahrnehmung. Mit gestärktem Selbstbewusstsein macht er sich daran, Ideen und Strategien zu entwickeln, mittels derer er mit seiner Mannschaft die spezifischen Anforderungen meistern kann.

In der Praxis zeigt sich für mich immer wieder, dass Ressourcenaktivierung im Coaching eine kurzweilige situative Unterstützung und Intervention mit nachhaltiger Wirkung ist. Sie ist damit ein wertvolles Instrument für Unternehmen zur zielgerichteten Förderung und Weiterentwicklung Ihrer Führungskräfte und Mitarbeiter.