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Coaching

Der Chatbot als zukünftiger Coach!?

Chatbots sind aktuell in aller Munde und werden im Business bereits an verschiedenen Stellen mit steigender Tendenz eingesetzt. Ein Chatbot ist ein Dialogsystem mit sprachlichen Fähigkeiten textueller und auditiver Art. Insbesondere in der Kunden- und Servicebetreuung finden sie ihren Einsatz. Sie basieren auf künstlichen neuronalen Netzwerken und sind dazu in der Lage, Muster zu erkennen. Sie sind neutrale Zuhörer, ohne persönlich zu werten und zu beurteilen. Da stellt sich zwangsläufig die Frage, ob ein Chatbot nicht auch ein guter Coach sein könnte?

Melanie Hasenbein
Melanie Hasenbein
Prof. Dr.

Hier sind erste interessante Ansätze im Therapiebereich zu finden. Woebot, der „Kummer-Chatbot“ gegen Depressionen und Angstzustände, ist von einem Team aus Psychologen und KI-Forschern der Stanford University entwickelt worden und nutzt Techniken der kognitiven Verhaltenstherapie. Woebot regt seine Klienten zur Selbstreflexion und zum positiven Denken an. Aktuelle Studienergebnisse mit 70 Studierenden zeigen, dass es den Probanden mit dem virtuellen Therapeuten signifikant besser ging als der Kontrollgruppe, die ein E-Book mit Strategien zur Selbsthilfe erhielt. Kritisch anzumerken ist an dieser Stelle, dass es sich zunächst um erste Ergebnisse handelt, die bisher nicht sicher belegen können, dass ein Chatbot als Mittel gegen Depressionen nachhaltig wirksam ist. Weitere Aspekte, die bei einem solchen Chatbot auch diskutiert und bedacht werden müssen, sind die Themen Vertraulichkeit und Datenschutz.

Nichtsdestotrotz eröffnet diese Entwicklung spannende Optionen, die auch im Coaching zur Diskussion gestellt werden sollten. Auch wenn ein solcher Chatbot aktuell noch keinen Coach im individuellen Dialog mit dem Klienten über einen kompletten Coachingprozess ersetzen kann, könnte ein solcher in der Vorbereitung oder zur Nachbereitung des Coachingprozesses eingesetzt werden. Hier könnte der Chatbot-Coach den Klienten sowohl vorbereitend als auch nach dem Coaching im Sinne einer Transferunterstützung in die Praxis begleiten. Zudem könnte ein Coaching-Chatbot insbesondere in Selbstcoaching-Prozessen eingesetzt werden. Dies erfordert ohne Frage eine professionelle und konzeptionelle Vorarbeit, denn ein Chatbot muss entsprechend mit Anwendungsfällen „gefüttert“ werden. Wie intelligent ein solch digitales System am Ende arbeiten kann und inwieweit es für Coachingabläufe zukünftig einsetzbar sein wird, gilt es weiter aufmerksam und kritisch zu beobachten.

Coaching-Praxis und Forschung sollten hier eng zusammenarbeiten, um Erfahrungen in diesem Bereich auszutauschen und die Wirksamkeit neuer intelligenter Möglichkeiten im Coaching zu hinterfragen. Denn Aufgabe von uns als Coaches sollte es sein, nicht die Augen vor diesen neuen Möglichkeiten zu verschließen, sondern die Entwicklung in der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz im Blick zu haben und kritisch hinsichtlich ihrer Potenziale und Limitationen zu reflektieren. Sei es für einen möglichen Einsatz im Coaching selbst oder für unsere Klienten, um besser zu verstehen, was diese bewegt.

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