Der Manager von morgen zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz

14.11.2018
Die Potenziale und Gefahren künstlicher Intelligenz (KI) gehören zu den meist diskutierten Themen unserer zunehmend digitalisierten Zeit. Das Management von heute kann sich dieser Diskussion über das „Morgen“ zurecht immer seltener entziehen.
Daniel Mühlbauer
Gastbeitrag
Daniel Mühlbauer

Auch wenn man mit diesem Begriff beim alltäglichen „Buzzword-Bingo“ punkten kann, ist häufig unklar was sich konkret hinter dem Schlagwort „Künstliche Intelligenz“ verbirgt und welche Auswirkungen die technologische Entwicklung haben wird. Das Problem? Der wertsteigernde Einsatz moderner KI-Technologien beruht auf unserem Wissen über deren Funktionsweise. Nur so gelingen eine realistische Potenzialbeurteilung und Folgenabschätzung im eigenen Unternehmen.

Was ist künstliche Intelligenz eigentlich?

Künstliche Intelligenz ist ein Sammelbegriff für eine Reihe an Technologien, die die Charakteristika menschlicher Intelligenz simulieren, imitieren und darauf aufbauend (zumindest teilweise) ersetzen sollen. Eine Form von KI ist das so genannte maschinelle Lernen, das wiederum die Grundlage für viele der bekanntesten Anwendungsbereiche von KI bildet (z. B. selbstfahrende Autos, automatische Bilderkennung und Klassifikation, Spracherkennung und -imitation, virtuelle Realität und Textanalysen). Diese Beispiele beruhen fast ausschließlich auf der so genannten „schwachen KI“, also Maschinen, die in einem sehr engen Anwendungsbereich mit einer riesigen Anzahl an Daten „trainiert“ wurden, um z. B. unglaublich gut Schach spielen zu können.

Wird es zukünftig nur noch den Roboter-Manager geben?

Entgegen vieler dunkler Szenarien wird es auf absehbare Zeit keine Ablösung des Managements durch Systeme künstlicher Intelligenz geben. Der Hauptgrund ist, dass wir zwar im Bereich der schwachen KI erstaunliche Fortschritte machen, im Bereich der sogenannten „starken KI“ aber eben nicht. Letztere wäre aber nötig, um menschliche Entscheidungen in komplexen und dynamischen Umgebungen ersetzen zu können. Ausschließlich menschliche Fähigkeiten, wie z. B. Empathie, Kreativität, soziale Fähigkeiten, und Altruismus sind aktuell für Maschinen (bisher) nur schwer abbildbar.

Andererseits verläuft die technologische Entwicklung typischerweise exponentiell. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis die globale Vernetzung durch das Internet und die immer zugänglichere Rechenkapazität genau die substanziellen Innovationen hervorbringt, die deutlich komplexere Formen künstlicher Intelligenz ermöglichen.

Die wahrscheinlichste Zukunft des Managements von heute ist allerdings die Hybridform der „erweiterten Intelligenz“. Erweiterte Intelligenz meint den gebündelten Einsatz verschiedener Anwendungen schwacher KI als wirkungsvolles Werkzeug zur Daten-unterstützten Entscheidungsfindung. Ein Beispiel: Die Managerin von Morgen kombiniert z. B. Tools für automatisierte Textanalysen der Erwähnungen des Unternehmens in den sozialen Medien (Social Listening) und einen Recruitment-Chatbot, um eine agile Personalakquise durch tagesaktuelle Anpassung der Kandidatenansprache zu ermöglichen und Stimmungslagen aus den sozialen Medien dabei zu berücksichtigen. Zugleich bucht der virtuelle Assistent die Bewerbungsgespräche für die Rekrutierungsteams und das Tool für Videorekrutierung ermöglicht eine erste Kontaktaufnahme und Assessment ohne größeren Reiseaufwand für beide Seiten. Die in diesen Prozessen gesammelten Daten werden zentral aufbereitet und durch denselben virtuellen Assistenten am Abend in einem digitalen Recruitment-Report zusammengestellt. So ersetzt Technologie nicht die Managerin von morgen, sondern verbessert ihre Entscheidungsgrundlage, die dann zusammen mit der Erfahrung und Intuition den strategischen Erfolg begründet.

Was braucht das Management von morgen?

Das Management von morgen benötigt insbesondere informierten Pragmatismus. Ohne den Erwerb grundlegender Kenntnisse in den Bereichen Technologie, KI und lernender Algorithmen, ist es unmöglich, eine informierte Auswahlentscheidung über die einsetzbaren Tools erweiterter Intelligenz zu fällen. Es bedarf heute schon der Weiterbildung in diesen Bereichen, um eine fundierte Potenzialabschätzung für das eigene Unternehmen vornehmen zu können. Zugleich muss das Management von morgen bereits heute eine Folgenabschätzung des Einsatzes künstlicher Intelligenz mit Blick auf die aktuelle Belegschaft leisten können. Wenn die Jobs in sehr stark strukturierbaren Tätigkeitsfeldern nach und nach durch schwache KI bedroht werden, müssen auch hier sinnvolle Weiterbeschäftigungskonzepte für die Menschen entwickelt werden.