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Die Kolumne

Boxen und Schlagfertigkeit - der Kopf folgt dem Körper und umgekehrt

„Jetzt weiß ich, was ich hätte antworten müssen.“ Diesen Satz hören wir, Bernd Wagner und Peter Flume, immer wieder in Trainings, wenn die Teilnehmer schildern, warum sie sich zu einem Schlagfertigkeitstraining angemeldet haben. Doch häufig ist es gar nicht nur die verbale Reaktionsfähigkeit, die die Situation erschwert. Vielmehr ist es neben der Rhetorik auch das Bewusstsein über den eigenen persönlichen Stil und die Physis, die hier eine entscheidende Rolle spielt.

Bernd Wagner und Peter Flume
Bernd Wagner und Peter Flume


Daher macht es Sinn, auf beiden Ebenen zu arbeiten. Selbst der Schriftsteller Honoré de Balzac schrieb: „Auch der Geist hat seine Hygiene, er bedarf, wie der Körper, einer Gymnastik. Kopf und Körper gehören zusammen. Das ist logisch. Jedoch selten werden in Trainings beide gleichzeitig trainiert. Wieso eigentlich nicht? Gesichert ist, dass sich Kommunikation und Verhalten im Körper widerspiegeln. Unsere Sprache drückt es gleichwohl treffend aus, wenn man „standhaft“, „fest im Leben stehend“ oder auch „schlagfertig“ Souveränität ausstrahlt. Ebenso spürt man Stress und persönliche „Niederschläge“ psychosomatisch in Rücken und Magen. Dreh- und Angelpunkte sind unbewusste Erlebnisse und Erfahrungen in unserem Leben, die sich im limbischen System abspeichern. Dieses emotionale Gedächtnis ist im schlimmsten Fall auch Schmerzgedächtnis. Dies lässt sich jedoch bewusst positiv verändern. Der hypnosystemische Ansatz zeigt u.a. wie dies in der Therapie und im Coaching erfolgreich Anwendung findet. In der Reflexion wird einem schnell bewusst, wie man in (un)angenehmen Situationen atmet, wirkt und spricht.

Im Spitzensport kennt man diese Erkenntnis von positiven Emotionen, die sich in gestärktem und selbstbewusstem Auftreten äußern. Bereits Boris Becker antwortete mal auf die Frage, wie er sich neben hartem Training auf seine großen Matches gegen Ivan Lendl und Yannick Noah vorbereite, dass er vor den Spielen von einem Sieg träumte. Selbst die geträumten erfolgreichen Spielzüge speicherten sich im emotionalen Gedächtnis ab und konnten in den Grand Slams besser abgerufen werden. Mit Klarträumen, sogenannten luziden Träumen, bei denen man sich des Träumens bewusst ist, können Bewegungsmuster gezielt verändert werden. Dies kommt einer Selbsthypnose gleich. Bekannt ist beispielsweise auch, dass sich Wladimir Klitschko mit einem sehr renommierten Coach ein ähnliches Grundprinzip in strukturierter Form zu Nutze macht. Ziel ist es, (un)bewusste Inkompetenz zunächst klar zu machen, zu entwickeln und in unbewusste Kompetenz überzuführen. Was im Spitzensport wirkt, funktioniert auch im Business.

Im Rahmen erfahrungs- und erlebnisorientierter Trainings werden bereits Kompetenzen reflektiert und entwickelt. Die Anwendungsorientierung über beispielsweise Rollenspiele zeigt sich dabei als nachhaltiger im Vergleich zu klassischen Settings. Was man bisher im Trainingsbereich selten findet, ist die strukturierte Verbindung von körperlichem Training, mentaler Reflexion, konkreten Fallstudien und Situationen mit systemischer Betrachtungsweise in einem.

Ob Boxring oder Wortgefecht: Auf die Technik kommt es an. In einer Kombination aus Physis, Psyche und rhetorischer Vollendung haben wir dieses Prinzip in einen einzigartigen Trainingsansatz gegossen. Zunächst einmal erarbeiten sich die Teilnehmer ihre Standhaftigkeit. Sie werden sich ihres persönlichen „Boxstils“ physisch bewusst und setzen sich mit sich selbst auseinander. Schnell wird im „Ring“ klar, welche mentale und physische Grunddisposition jemand mitbringt. Peter Flume hierzu: „In einem Verhandlungstraining hatte ich einmal einen absolut austrainierten und körperlich fitten Teilnehmer. Während bei einer sehr langen Verhandlungssimulation, nach und nach die anderen Teilnehmer unkonzentriert wurden, wurde sein Auftritt immer sicherer und letztendlich schloss er die Verhandlung mit einem positiven Ergebnis für seine Delegation ab.“ Dieser Teilnehmer war sowohl körperlich auf eine andauernde Verhandlung vorbereitet, als auch mental stark. Er wusste, dass seine Stunde am Ende kommen würde und hat dann den Moment genutzt.

Dies macht an einem extremen Beispiel deutlich, wie sehr es hilft, wenn man sich seiner selbst bewusst ist und dann über die notwendigen Techniken und Fertigkeiten verfügt, erfolgreich zu agieren.

In Bezug auf Schlagfertigkeit liegt nun der Zusammenhang auf der Hand. Redner, die attackiert werden, können entweder in aller Ruhe aus einer deeskalierenden Haltung agieren, die Energien des Angreifers ins Leere laufen lassen und den Schwung des Angriffs für den eigenen rhetorischen Konter verwenden, oder sie halten stark dagegen und nutzen die Muster der klassischen Rhetorik für die Konfrontation.

Wer sich mit sich selbst derart intensiv beschäftigt und dann das konkrete rhetorische und dialektische Handwerkszeug an die Hand bekommt, geht auf jeden Fall gestärkt in die nächste verbale Auseinandersetzung. Etwas was sich nahezu jeder wünscht, damit der Satz „Verdammt jetzt weiß ich, was ich hätte antworten müssen“ künftig der Vergangenheit angehört.

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