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Die Kolumne

Die Kraft von Empathie und Co-Kreation

Design Thinking ist 20 Jahre nach seiner Entwicklung auch in Deutschland angekommen. In fast allen Wirtschaftspublikationen ist das Thema präsent.

Viele Führungskräfte praktizieren diese Methode bereits. Jedoch ist einigen noch nicht klar, wie Design Thinking funktioniert und im Unternehmen integriert werden soll. Design Thinking ist vielseitig einsetzbar und betrifft sowohl Mindset als auch Methodik. Nicht nur zur Entwicklung neuer Produkte oder Services (Service Design), sondern auch zur Erkundung neuer Technologien, zur Strategieentwicklung oder zur Förderung der Unternehmenskultur.

Andreas Fehr
Andreas Fehr

Die Angst vor dem Scheitern

„Sich zum Erfolg scheitern“, „Lieber ein großer Fehler als ein kleiner Erfolg“, „Improvisation schlagt Tradition“. Satze wie diese sind im Design Thinking Alltag. Diese umzusetzen, kann eine Herausforderung für die meisten etablierten Unternehmen sein, nicht nur bei den Eberles im Case. Sie verdeutlichen vor allem auch eines der größten Missverstandnisse über Design Thinking. Denn es geht darum, durch das von Hypothesen getriebene Explorieren der Kundenbedürfnisse und das Experimentieren mit Lösungsansätzen schneller und erfolgreicher Innovationen zu ermöglichen.

Unternehmen dürfen sich nicht zurückziehen und Gefahr laufen, am Markt vorbei zu entwickeln, sondern beziehen permanent potenzielle Kunden sowie Stakeholder in ihre Entwicklungsprozesse mit ein (=Open Innovation oder Co-Kreation). Dies erfordert von der Führung und vom Management ein anderes Mindset: Freiraume, Offenheit und Flexibilität, um sich von liebgewonnenen Ideen zu verabschieden. Auch die Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen sowie Mut und Ausdauer spielen bei diesem in sechs Phasen ablaufenden Prozess eine wichtige Rolle. Sechs Phasen im Design Thinking Prozess


Höhere Produktqualität

Gerade in den Phasen „Verstehen“ und „Beobachten“ wird ein höheres Zeitinvest benötigt. Durch die permanenten Feedbackschleifen und Iterationen ist die Qualität und vor allem die Markttauglichkeit des Produktes wesentlich höher als bei Entwicklungsprozessen ohne Design Thinking.

Bisher geben vielleicht die Ingenieure und Produktionsleiter den Ton an, da sie für Qualität und technologische Weiterentwicklung verantwortlich sind. Sie sind in ihrer Denkweise aber oft festgefahren und auf den Ansatz „Problem → Lösung“ fixiert. Um in Zeiten der zunehmenden Komplexität und Unsicherheit weiterhin als Marktführer bestehen zu können, braucht es neue, unterschiedliche Betrachtungsweisen, Denk- und Lösungsansätze. Hier kann Design Thinking unterstützen:

  • Interdisziplinäre Teams

    Sie ermöglichen die Betrachtung eines Themas, Problems oder einer Herausforderung aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
  • „Liebe dein Problem“

    Durch eine tiefergehende Analyse- und Erkundungsphase, die immer zu Beginn eines Design Thinking Projektes durchlaufen wird, entstehen Problemvariationen und es lassen sich versteckte Treiber herausarbeiten. Dies gelingt durch Empathie, die entsteht, wenn ich in die Welt des Kunden eintauche. In dieser Phase steckt die Magie von Design Thinking.
  • Co-Kreation

    Co-Kreation mit beteiligten Stakeholdern und potenziellen Nutzern/Kunden, um durch gemeinsames Entwickeln von Ideen auch variantenreichere Lösungsansätze zu finden und sich der Ideallösung anzunähern. Weiterer Effekt: Wenn unterschiedliche Abteilungen eingebunden sind, gibt es Multiplikatoren, die für ihre Idee werben. Somit werden Widerstände leichter überwunden und Silos im Unternehmen aufgebrochen.
  • Begegnung auf Augenhöhe

    Damit alle Beteiligten einen wertvollen Beitrag leisten können, bleiben Titel und Positionen „vor der Tür“.
  • Konzept „Safe Space“

    Ein sicherer Raum, in dem Neues ausprobiert wird und Fehler gemacht werden dürfen, um daraus zu lernen.
  • „Urteile nicht vorschnell!“

    Lass deinen Kunden deine Produktideen testen und entscheiden, ob er sich dafür begeistern kann.

Wenn neue Leitlinien zum Wandel der Unternehmenskultur top-down festgelegt werden, stößt dies oft auf Ablehnung. Führungskräfte und Mitarbeiter haben ihr ganz eigenes Verständnis von Kultur und strategischer Ausrichtung des Unternehmens. Es existiert eine diffuse Gemengelage von Erwartungen und Bedürfnissen, die es in dem Entwicklungsprozess zu berücksichtigen gilt. Die Ängste und Zweifel zu verstehen und ernst zu nehmen, ist der Schlüssel zum Erfolg.

Eine weitere Herausforderung stellt die fehlende Kenntnis der Mitarbeiter über die „neue Welt“ der Start-ups dar. Sie haben eine unklare Vorstellung von der Kultur und den Prinzipien, die „da draußen“ existieren. Sie sind nicht damit in Berührung gekommen und haben es nie erlebt. Wie können sie beurteilen und wertschätzen, welche neuen Möglichkeiten der Wandel für das eigene Unternehmen bietet?

Im wahrsten Sinne „begreifen“

Ebenso verhält es sich mit Technologien wie künstlicher Intelligenz, Robotik oder autonomem Fahren. Wer nur passiv daran teilhat, läuft Gefahr, potenzielle Chancen nicht zu erkennen. Erst durch das eigene Erleben kann ich die Technologie begreifen und bin in der Lage, Möglichkeiten für das eigene Business zu erkennen.

All das wurde eventuell bereits getan, doch oftmals versäumen es Führungskräfte, die anderen Stakeholder in dieses Projekt mit einzubinden und „abzuholen“. Hier kann Design Thinking helfen!


Der Weg zum Erfolg:

  1. Bildung eines interdisziplinären Teams aus Führungskräften und Vertretern aller Abteilungen.

  2. Formulierung einer Design Challenge (=Suchfrage) sowie die gemeinsame Auseinandersetzung mit den Themen in einem sogenannten Problemraum.

  3. Online-Research, Tiefeninterviews mit Kollegen und Experten sowie die Durchführung von Experience Safaris helfen, neue Technologien und andere Unternehmenskulturen kennenzulernen und zu erleben.

  4. Gesammelte Erfahrungen und gewonnene Erkenntnisse werden in den Teams ausgewertet und visualisiert.

  5. Die Ergebnisse werden dann in dem gesamten Projektteam geteilt und für das Projekt abgeleitet.

  6. Jetzt betritt das Team den Lösungsraum. In mehreren Entwicklungsschleifen werden verschiedene Varianten von Leitlinien entwickelt.

  7. Diese werden mit nichtbeteiligten Führungskräften und Mitarbeitern validiert und ggf. optimiert.

  8. Das Projektteam präsentiert seine Erkenntnisse und bezieht die Belegschaft in die Veränderungsprozesse mit ein. Geeignete Formate sind ein Barcamp oder eine Pecha Kucha Night.


Verständnis für den Wandel

Zusammenfassend lässt sich feststellen: Unternehmen sind durch die Umsetzung von Design Thinking nicht mehr gezwungen, im Stil von „command and control“ zu führen. Gerade in Veränderungsprozessen kann frühzeitig auf auftretende Wiederstände reagiert werden. Durch das Interagieren mit etwas Neuem wird ein Verständnis für den erforderlichen Wandel geschaffen. Durch den co-kreativen Ansatz und das Explorieren von Möglichkeiten kann das Unternehmen den für sich optimalen Weg beschreiten.

Die Beteiligungsmöglichkeiten aller Mitarbeiter verhelfen dazu, Ideen schneller und einfacher umzusetzen. Personen denken und handeln wie Intrapreneure. Daraus entsteht eine neue Art von Kollaboration.


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