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Die Kolumne

Hemmschwelle Machtgefühl – wie Frauen mehr Mut zur Führung finden können

Die TV-Moderatorin und Coach Simone von Stosch begleitet viele Frauen in Führungspositionen. Und immer wieder erlebt sie, dass es die Frauen selbst sind, die sich an der Übernahme von Führungsrollen hindern: Sie scheuen sich davor, ihre Ziele durchzusetzen, sich sichtbar und hörbar zu machen. Es ist Zeit, alte Glaubenssätze endlich abzulegen.

Simone von Stosch
Simone von Stosch

Es kommt Bewegung in die deutschen Führungsetagen. Anderthalb Jahre nach Inkrafttreten der Frauenquote werden die Aufsichtsräte weiblicher: Im Durchschnitt ist nun in Deutschland jeder fünfte Aufsichtsratsposten von einer Frau besetzt. In den Vorständen und Chefetagen allerdings sind Frauen nach wie vor stark unterrepräsentiert. Studien zufolge liegt der Frauenanteil hier gerade mal bei 10 Prozent.

Die Macht in den Unternehmen ist also noch immer männlich und weiß. Gründe dafür gibt es zahlreiche: die immer noch schlechte Vereinbarung von Berufs- und Familienleben, die gravierenden Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen, eine männlich geprägte Unternehmenskultur, in der Frauen schwer durch die sogenannte gläserne Decke stoßen.

Alle diese Gründe sind richtig. Und wichtig. Ein Aspekt kommt mir in der Debatte jedoch oft zu kurz: Es sind die Frauen selbst! Ihre Einstellung zu Erfolg, Beruf und Karriere, zu Macht und Teilhabe.

In Coachings und Seminaren erlebe ich wiederkehrende Fragen: Kann ich das alles? Will ich das überhaupt? Macht, Erfolg, die harte Arbeit der Durchsetzungskraft? Den rauen Wind, der Menschen in Führungspositionen entgegenweht?

Bei Frauen sind die Selbstzweifel und inneren Kritiker viel stärker ausgeprägt als bei den Männern. Sie werden regelrecht geplagt vom Sich-Hinterfragen. Dies ist gepaart mit der Angst, den unterschiedlichen Ansprüchen, die Privatleben und Job stellen, nicht zu genügen. Frauen tragen Konflikte und Probleme aus dem Büro mit nach Hause, sie können weniger loslassen, nehmen sich die Dinge oft zu sehr zu Herzen und wollen es allen Seiten recht machen. Frauen reagieren auf Widerstände und Machtkämpfe emotional, statt strategisch nach Lösungen und Verbündeten zu suchen. All das ist nicht naturgegeben, sondern früh „eingeübt“. Es ist Ausdruck gesellschaftlicher und individueller Verhaltensmuster und prägt bis heute die Einstellung vieler weiblicher Führungskräfte.

Einige Zitate aus der beruflichen Praxis:

„Männer fördern sich gegenseitig im Job, sie schanzen sich Privilegien zu.“

„Männer können mit Ungerechtigkeit viel besser umgehen. Sie haben so eine Art Nach-mir-die-Sintflut-Einstellung. Wir Frauen sind da anders.“ „Die Kerle trauen uns Frauen einfach nichts zu.“

Kann sein. In jedem Fall glauben Frauen daran, dass dies so ist. Sie beschreiben sich damit – oft unbewusst – als Opfer der Männer. Und genau das ist Teil des Problems. Erst aus einer anderen Perspektive als die der „Opfer“ heraus entstehen Erkenntnisse: Frauen brauchen weibliche Netzwerke und strategisches Geschick. Und sie brauchen eine positive Einstellung zu dem kleinen Wort „Macht“.

Die Einstellung zur Macht ist jedoch meist höchst ambivalent. Macht hat, wie die Zitate zeigen, eine negative Konnotation. Sie wird nicht als Empowerment verstanden, als Motor, Dinge voranzubringen und zu gestalten, sondern als etwas, was nicht so ganz anständig ist.

Diese Ambivalenz gilt es, aufzulösen. Da sind die Frauen in Frankreich übrigens wesentlich weiter.

Und noch etwas fällt im Gespräch mit Klientinnen auf: Chefinnen bürden sich oft Zusatzaufgaben auf, obwohl ihr Schreibtisch signalisiert, dass sie stärker delegieren und führen sollten. Öfter mal laut und deutlich „nein“ sagen sollten. Das Verhalten von Frauen in Führungspositionen ähnelt dem, was in der Psychotherapie als Helfersyndrom gilt: jeden unterstützen, für alle da sein, alles selbst in die Hand nehmen – ein leider immer noch typisches weibliches Verhaltensmuster: im Job und in der Familie.

Frauen verstärken und zementieren damit die männlichen Rituale in Unternehmen. Systemisch gedacht tragen sie mit dazu bei, dass eine männlich geprägte Organisation stabil bleibt. Sie buhlen um Aufmerksamkeit der Männer, von denen ihre berufliche Zukunft abhängt. Das geht lange gut. Ab einer bestimmten Führungsrolle werden Frauen jedoch zu Wettbewerbern um die Macht. Ihr immenser Aufwand wird nicht mehr wie bisher mit Dank „belohnt“. Daher versuchen Frauen noch mehr zu leisten. Sie opfern Wochenenden, um an Fortbildungsseminaren teilzunehmen, einzig und allein zur Verbesserung ihrer Qualifikationen. Das führt zu einer Spirale, die sich immer mehr in Richtung Erschöpfung und Burnout dreht. Das System funktioniert derweil weiter.

Was sind die Alternativen? Zuerst einmal die Reflexion der eigenen (oft ambivalenten) Einstellung zu Macht und Erfolg. Welche Ängste, welche Glaubenssätze verhindern den durchsetzungsstarken und empathischen Auftritt, welche Blockaden verhindern in Stress und Belastungssituationen die stringente Argumentation? Es gilt, diese Gefühle wahrzunehmen, sie in ihrem Kontext zu vergegenwärtigen, um sie so Schritt für Schritt loszulassen.

Auch die Selbstverantwortung im Umgang mit den eigenen Grenzen kann gestärkt werden. „Nein“ sagen will gelernt werden. Freundlich und bestimmt vorgetragen nötigt es anderen Respekt ab und führt zu mehr Souveränität. Körperliche Präsenz, eine kräftige, tiefe Stimme, die Entschiedenheit, mit der auch räumlich ein Terrain erobert, der eigene Handlungsraum erweitert wird, sind – auch – eine Frage der Übung.

Bei diesen Prozessen der Selbstreflexion und Persönlichkeitsentwicklung hilft die systemische Erkenntnis: Ändere eine Kleinigkeit und nichts bleibt mehr, wie es ist. Dies trainieren wir in dem Seminar „Durchsetzungsstark und erfolgreich“.  Die Ergebnisse sind beeindruckend: Frauen gehen anders – aufrechter, selbstbewusster, souveräner – aus dem Seminar heraus. Sie haben immens an Stärke gewonnen.

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