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Die Kolumne

Lieber vage richtig als präzise falsch liegen!

Raus aus den Routinen und mehr Innovation wagen? Dafür ist Zukunftsforschung eine Option: Erwartungsmanagement zu betreiben und die Normalität zu überbieten. Unter globalem Wettbewerbsdruck gerät dieser Zugang zu Veränderung immer mehr in den Fokus – auch deshalb, weil die Disziplin inzwischen transparenter und besser beurteilbar geworden ist.

Friederike Müller-Friemauth
Prof. Dr.

Die Zukunft beforschen: Geht das überhaupt? Wie lässt sich etwas untersuchen, was (noch) gar nicht existiert?

Was vielen als unlogisch erscheint, fußt auf einem Wechsel der Logik-Art: von Sachlogik zu Zeitlogik. Das ist ungewohnt und schreckt erst mal ab. Diese Planungstechnik ist ein Nebenprodukt des „militärisch-industriellen Komplexes“ der USA, ähnlich wie die Teflon-Pfanne oder das Internet. Mitte des letzten Jahrhunderts erfanden Militärs in außenpolitischen Strategiedebatten neuartige Denkwerkzeuge für ganz spezielle Umfelder: solche, die heute unter dem Schlagwort der VUCA-World verhandelt werden (volatil, ungewiss, komplex, ambiguos/mehrdeutig). Die Erkenntnis dahinter: Überschreitet das Umfeld eine bestimmte Schwelle an Dynamik und Beobachtbarkeit, wird also unübersichtlich und immer weniger bewertbar, versagt das klassische Instrument, das wir für Zukunftsbelange bisher benutzen: die Prognostik. Mit Vorhersagen lässt sich hier nicht mehr arbeiten, weil Prognosen auf Daten („Vergangenheitsgegebenheiten“) beruhen. Wenn die Zukunft jedoch anders wird, als es Gegenwart und Vergangenheit waren, wird reine Sachlogik unlogisch. Das klingt paradox, ist es aber nicht. Denn jedem könnte einleuchten, dass man Neues nicht mit bereits Bekanntem vergleichen kann (sonst wäre es nicht neu). Mit was aber dann? Was sind unternehmerische Bewertungsmaßstäbe für „Newness“?

Hier beginnt Zukunftsforschung, insbesondere wissenschaftliche: Dinge, zu denen noch keinerlei Erfahrungswerte vorliegen, denkbar und – vor allem – behandelbar zu machen. Denn je komplexer und ungewisser unsere Welt wird, desto unumgänglicher wird diese Kompetenz.

Zeitlogisch (anstatt sachlogisch) Veränderung zu planen bedeutet, sich bewusst dafür zu entscheiden, Relevanz vor Präzision zu setzen. An erster Stelle steht der Sinn („wozu wollen wir das überhaupt machen?“); und erst danach folgt die wirtschaftliche Begründung (Kennzahlen, smarte Ziele usw.). „Lieber vage richtig als präzise falsch liegen“ ist denn auch seit Anbeginn ein zentrales Motiv von Zukunftsforschung. Unternehmen, die zukunftsforscherisch arbeiten, reklamieren deutlich weitergehende Ansprüche an Veränderungen als ihre Konkurrenten. Sie wollen nicht einsparen, optimieren und punktgenau vorausplanen, sondern radikale Innovationen entwickeln; im Trend-Sprech: Disruptionen. Dazu erkunden sie mithilfe zukunftsforscherischer Methoden fiktional das Spektrum zwischen rein-theoretisch-denkbaren und realistischen unternehmerischen Möglichkeiten. Je weiter das Unternehmen den Pegel zum ersten Pol hin verschiebt, desto simpler ist am Ende der Unterschied zu den anderen: die einen folgen Trends, die anderen setzen welche.

Allerdings gilt für Veränderung das Gleiche wie für das meiste andere im Leben auch: Man muss wissen, wer man ist. Hier gibt es kein ‚besser’ oder ‚schlechter’. Unternehmen etwa, die Stabilität in ihrer Geschichte und ihren Strukturen finden, schwimmen im Strom von Trends oft gut und erfolgreich mit. Unternehmen jedoch, die hungrig sind, wollen etwas anderes: Outstanding werden. Und genau dazu brauchen sie solche Tools: um aus der Normalität auszusteigen.

Was wollen Sie in diesem Jahr?

Haben Sie Interesse am Thema? Im Februar erscheint von den Eigentümern von ‚kühn denken auf vorrat’ im Springer-Verlag ein Fachbuch über „Ökonomische Zukunftsforschung: Grundlagen, Konzepte, Perspektiven“.

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