Die wichtigen Pakete im Leben kommen nicht mit der Post

10.08.2020
Ein Coaching-Angebot, wenn es um Leben, Lernen, Erfahrungen und persönliche Entwicklung geht.
Astrid Hellwig
Astrid Hellwig

Es ist das Leben höchstpersönlich. Geliefert wird rund um die Uhr, 24/7, auch an Sonn- und Feiertagen. Gemeint sind anstrengende Menschen und Momente, die einem im Leben immer wieder begegnen. Die Situationen, welche man am liebsten nicht mehr erleben, weghaben oder sich „wegmachen lassen“ möchte. Der Arzt, in diesem Fall der Berater oder Coach, möge doch bitte etwas verschreiben, damit die Sache verschwinde. Leider funktioniert das nicht immer so.

Als Coach schlage ich hier einen Perspektivenwechsel vor: Betrachten wir diese unschönen Situationen als Päckchen, die ein Geschenk für uns beinhalten: Damit unsere Persönlichkeit reifen kann, braucht sie Raum und Zeit – und wichtige Impulse. Das Leben sendet diese Impulse in Form von Päckchen, die es uns am laufenden Band präsentiert. Viele dieser Impulse lassen wir erstmal unausgepackt vorbeiziehen. Vielleicht sind wir zu wütend, ängstlich oder traurig, um darüber nachzudenken, dass sich hinter einer schwierigen Situation ein Geschenk für die eigene Entwicklung verbergen könnte. Lieber beklagen und beschweren wir uns oder wir leben nach der Devise: „Augen zu und durch! Nur nicht unterkriegen lassen!“

Im günstigen Falle beschleicht uns eine Ahnung, dass wir etwas Ähnliches irgendwie immer wieder erleben. Dann stehen die Zeichen gut, dass wir bei der nächsten Lieferung genauer hinsehen, innehalten, nachdenken und vielleicht erkennen können, welches unsere Lernaufgabe in der aktuellen Situation sein mag. Sollte uns unterwegs trotz guten Willens „der Sprit ausgehen“ und die Kraft fürs Weiterforschen fehlen, brauchen wir uns keine Gedanken um den Nachschub zu machen. Das Leben verfügt über eine hervorragende Logistik. Es wird dafür sorgen, dass auch in Zukunft der Strom der Päckchen mit den für uns passenden Lernaufgaben nicht abreißen wird.

Wenn wir achtsam bleiben, können wir beherzt zugreifen, wenn das Förderband des Lebens das nächste Päckchen präsentiert.

Machen wir ein Beispiel:

Wir stellen uns eine Person vor, die sich für einen klugen Kopf hält. Schon in der Schule war das klar. Wenn es jemand draufhat, dann sie. Diese Person hat manches Mal im Leben den Kopf geschüttelt, wenn es bei jemand anderem etwas länger dauert. „Nicht die hellste Kerze auf der Torte…!“

Diese Thematik und Problematik kann man nach Belieben um geschlechterspezifische, soziale, kulturelle oder ethnische Komponenten erweitern. Das Leben schickt laufend Päckchen in Form von Menschen, die sich in den Augen unserer Beispielperson dumm, einfältig, entscheidungsschwach, ungeschickt etc. verhalten. „Wenn Dummheit weh tun würde, müssten manche Menschen den ganzen Tag schreien.“

Mit diesem Grundsatz fährt unser Klient immer wieder frontal gegen die Wand. Er eckt an, verliert Freunde, zerstört Beziehungen, wird zum Außenseiter. Grund genug, genauer hinzusehen. Er findet zwar immer noch Rechtfertigungen und Begründungen für seine Haltung und sein Verhalten, doch das nächste Päckchen nimmt er mit Hilfe eines Coaches vom Band und packt es aus. Was er findet, ist zunächst mal gar nicht schön. „Wirklich? Bin ich so? Will ich das? Arrogant und hochnäsig, von oben herab? Kein Wunder, dass es kein Mensch mit mir aushält.“

Das Leben geht weiter: Nächste Situation, gleiche Abfolge. Wieder sind das genaue Hinsehen und Untersuchen kein Kinderspiel und ganz gewiss nicht angenehm. Doch unser Klient hat genügend Selbstdisziplin. Er hat seine persönliche Entwicklung zur Chefsache gemacht.

Dann kann es passieren, dass er die Menschen nicht länger beim ersten ungeschickten Wort für dumm erklärt. Dass er ihren wahren Wert jenseits ihrer intellektuellen und sprachlichen Fähigkeiten erkennt und schätzen lernt. Dass er Beziehungen aufbauen und nähren kann, anstatt sie regelmäßig wieder einzureißen.

Dank intelligenter Logistik schickt das Leben dann immer mehr Menschen, anhand derer man diese andere Realität untersuchen und zu anderen Schlüssen kommen kann. Nach und nach kann man über Bord werfen, was am früheren Verhalten nicht lebens- und beziehungstauglich war.

So kann das Leben sich auf neue Lernfelder fokussieren. Weitere Päckchen zum behandelten Thema braucht es dann nicht länger. Sie werden auf dem Förderband des eigenen Lebens nur noch selten oder gar nicht mehr auftauchen, oftmals, ohne dass man ihr Fehlen bemerkt. Denn das Leben hat wahrscheinlich neue Themen parat. Langweilig wird es nicht.

Wenn man es so sehen möchte.