Eine Fallstudie als Trainingsinstrument

Eine Fallstudie als Trainingsinstrument

11.04.2019
Anspruchsvolle, erfahrene Berater, die bereits viele Trainings durchlaufen haben, sollen ein grundlegendes Führungstraining erhalten. Wie kann man sie dafür gewinnen? Die Lösung – eine maßgeschneiderte Fallstudie, die sich durch das Curriculum zieht.
Gastbeitrag
Peter Belker

„Unsere Berater sind gut „durchtrainiert“, so Frau Renz, HR der Targens GmbH, einem Beratungsunternehmen für Banken und Finanzdienstleister. Sie kennt das Unternehmen und „ihre“ Beraterinnen und Berater und Führungskräfte seit vielen Jahren. Berater sind anspruchsvoll, denn sie arbeiten in einem komplexen Umfeld. Tagtäglich stellen sie sich den hohen Anforderungen ihrer Kunden. Ihr Kompetenzprofil spiegelt dies wieder.

Dennoch: Wer „durch-trainiert“ bleiben möchte, muss auch immer wieder trainieren. Für das Training bei Targens mussten zunächst die Anforderungen an ein Führungstraining für erfahrene Berater festgelegt werden. Ausgangspunkt waren die folgenden Überlegungen, die in einer ausführlichen Auftragsklärung vorab besprochen wurden:

 

Wie sieht die spezifische Struktur der Organisation aus und was bedeutet sie für die Berater?

Ein Beratungsunternehmen wie Targens hat eine ganz eigene Struktur, die auf die unterschiedlichsten Kundenbedarfe zugeschnitten und kontinuierlich gewachsen ist. Das Trainingskonzept muss diesen unterschiedlichen Bezügen und Verantwortlichkeiten gerecht werden.

 

Welche Kompetenzen werden von den Beratern gefordert?
Im Kern geht es um zwei Themen: Führen, mit und ohne hierarchische Macht, und der Umgang mit Veränderung. Damit die Themen auch verankert werden können, wurden zwei Seminarblöcke designed, die aufeinander aufbauen und miteinander eng verbunden sind. Transferaufgaben helfen den Teilnehmern, die durchgängige Trainingsarchitektur als solche zu erkennen und neue Verhaltensweisen auch in der Praxis zu üben.

Im Gespräch mit der erfahrenen Human-Resources-Expertin wurde schnell deutlich, dass ein wesentlicher Schlüsselfaktor zum Gewinn der Akzeptanz der Teilnehmer darin besteht, diese bei ihren typischen Beratungsaufgaben mit möglichst realistischen Szenarien und Situationen abzuholen. Ganz wichtig ist auch ein guter Austausch der Berater untereinander: um das Lernen voneinander zu ermöglichen und zum Netzwerken.

Die Lösung:

Für die Firma Targens wurde eine spezifische Fallstudie erstellt, in der unterschiedliche Führungs-Situationen, ähnlich wie sie auch im Beratungs-Alltag auftreten, dargestellt und simuliert werden. Diese Fallstudie wurde bewusst in eine ganz andere Branche verlegt, so dass die virtuellen Personen, die die Fallstudie „bevölkern“, andere Tagesaufgaben haben.

Sie entwickelt sich so, dass in dem ersten Modul zum Thema Führung gearbeitet wird und im zweiten Modul zum Thema Veränderungsmanagement.

Die Arbeit mit Personas

Als Persona bezeichnet man die nach außen sichtbar werdende Einstellung eines Menschen. Kern der Fallstudie ist der Aufbau von fünf unterschiedlichen Personas. Die Teilnehmer lernen diese „virtuellen Personen“ in den verschiedenen Phasen kennen. Die so erschaffene Unternehmenswelt wird mittels E-Mails und Memos immer weiter bevölkert; Krisen, Konflikte und kleine Dramen tauchen auf.

 

Systemische Muster erkennen

Kurze Inputphasen, aktivierende Simulationen und die Arbeit mit der Fallstudie wechseln sich an jedem Trainingstag ab. Dies spiegelt die agile und komplexe Arbeitsumwelt der Berater.

Die Teilnehmer lernen zu analysieren: Welche Verhaltenseffekte werden bedingt durch unterschiedliche Ziele und Aufgabenstellungen? Welche Verhaltensweisen beruhen auf den unterschiedlichen Persönlichkeiten und Kompetenzen? Und welche Einflüsse stammen aus der Organisation, vom Kunden oder vom Markt?

Immer wieder erproben die Teilnehmer, welche Führungsinstrumente greifen können. Sie diskutieren, wie die Personen in der Fallstudie effektiv geführt werden können. Wo muss Führung nachgeschärft werden, weil Aufgabenstellungen unklar waren oder es einer Interaktion mit anderen Führungskräften bedarf? Und wie kann ich als Führungskraft und erfahrener Berater effektiv auf ganz unterschiedliche Personen eingehen, deren Emotionalität begegnen und sie für die gemeinsame Arbeit gewinnen?

Am Ende steht bei allen unterschiedlichen Trainingsgruppen, mit denen das Training durchgeführt wurde, die Erkenntnis: Das verbindende Element ist der Spaß, der beflügelt, um auch komplexe systemische Führungssituationen zu bewältigen.