Entwicklung eines Führungsleitbildes mit Nachhaltigkeit

16.01.2019
Die Erarbeitung einer gemeinsamen Führungskultur und die Entwicklung von Führungsgrundsätzen ist für jedes Unternehmen eine Maßnahme, die einen großen Einfluss auf die Unternehmenskultur und damit auf die tägliche Zusammenarbeit hat. Damit das Führungsleitbild nicht nur auf dem Papier besteht, sondern nachhaltig gelebt wird, ist bereits der Erarbeitungsprozess ein elementarer Erfolgsfaktor. Dies zeigte sich auch bei diesem Kundenprojekt.
Renate Vochezer
Gastbeitrag
Renate Vochezer

Zu Beginn letzten Jahres erhielten wir die Anfrage eines mittelständischen Unternehmens aus Süddeutschland für die Entwicklung und Durchführung eines Führungskräfte-Entwicklungsprogramms. Ziel war es, ein gemeinsames Führungsverständnis bzw. eine gemeinsame Führungskultur zu etablieren. Doch auf welcher Basis? Dabei wurde uns schnell klar, dass dieses Ziel nur erreicht werden kann, wenn auf einem verbindlichen Führungsleitbild aufgebaut werden kann. Also nochmals ein Schritt zurück. Die Idee der Geschäftsführung, den Kick-Off des Entwicklungsprogramms für die Entwicklung des Leitbildes zu nutzen, war für uns nicht zielführend. Wir konnten die Verantwortlichen von einem mehrstufigen und transparenten Erarbeitungs- und Einführungsprozess überzeugen. Im Rahmen von drei Workshops wurde das Führungsleitbild entwickelt und anschließend im Rahmen des Kick-Offs eingeführt.

Was geschah in den drei Workshops?

Zum ersten Workshop haben wir die Geschäftsführung, den Leiter Personal, zwei Führungskräfte je Ebene und vier Mitarbeiter aus verschiedenen Unternehmensbereichen eingeladen. Ziel des Workshops war es, dass sich die Teilnehmer mit möglichen Fragen in Bezug auf Führungsgrundsätze auseinandersetzen, z.B.

  • Was macht gute Führung aus?
  • Woran können wir bei uns gute Führung erkennen?
  • Wie fördern wir den Dialog und wie schaffen wir eine Kommunikations- und Feedbackkultur?
  • Wie erleben wir das Vertrauen in unserem Team und wie können wir es stärken?

Die Gruppe erlebte in praktischen Übungen, was gute Führung ausmacht. Anschließend reflektierten die Teilnehmer in Dialoggruppen, wie diese Aspekte bereits gelebt werden, um dann in einem nächsten Schritt erste Führungsgrundsätze für die zukünftige Führungskultur zu formulieren. Es wurden sechs Hauptaspekte, z.B. „offen und ehrlich kommunizieren“ mit jeweils 4 – 6 Verhaltensweisen, z.B. „Wir suchen den persönlichen Dialog“ entwickelt.

Bei der Formulierung wurde auf folgende Qualitätskriterien geachtet:

  • Eindeutige und unverwechselbare Aussagen
  • Klare Struktur und aussagefähige Formulierungen
  • Konsequenter Bezug zum Alltag

Insbesondere für den Schritt der Formulierung lohnt es sich, ausreichend Zeit zu nehmen, da es die Grundlage für die zukünftige Führungskultur im Unternehmen darstellt.

Im zweiten Workshop wurden die formulierten Führungsgrundsätze mit weiteren Führungskräften und Mitarbeitern auf Basis konkreter Fragestellungen geprüft und reflektiert, z.B.

  • Wie wirken die Führungsgrundsätze und Werte auf mich?
  • Sind die Führungsgrundsätze vollständig und verständlich?
  • Welche alternativen Formulierungen sollen vorgeschlagen werden?

Im dritten Workshop wurden die Ergebnisse der Resonanzgruppe an die Teilnehmer des ersten Workshops zurückgespiegelt. Die Grundsätze wurden endgültig ausformuliert und festgelegt. In Ergänzung zum geplanten Entwicklungsprogramm wurden Maßnahmen entwickelt, die dazu beitragen, dass die Führungsgrundsätze auch gelebt werden. 

Mit dem anschließenden Druck eines ansprechenden Flyers war der Entwicklungsprozess abgeschlossen und die Umsetzung konnte starten.

Um diesem neuen Führungsleitbild einen entsprechenden Rahmen zu geben, wurde der Kick-Off des Entwicklungsprogramms mit allen Führungskräften dazu genutzt, das Leitbild nochmals konkret vorzustellen und die Einbindung in das Programm zu erläutern. Im Rahmen der Präsenzmodule wurden die Führungsleitlinien in konkretes Verhalten übersetzt und so der Transfer in die tägliche Führungsarbeit unterstützt.

Seit dem Start des Prozesses ist fast ein Jahr vergangen und es war Zeit für eine erste Evaluation. Interviews mit Mitarbeitern und Führungskräften zeigten, dass die neue Führungskultur sich insbesondere in einer offenen Kommunikation, einer hohen Vertrauensbasis und einem identischen Führungsverhalten zeigt. Für die Führungskräfte gibt das Leitbild eine klare Orientierung. Die Geschäftsführung schätzt zudem die verbesserte Effektivität der Führungsprozesse. Sie ist mehr denn je davon überzeugt, dass der mehrstufige Prozess und die Einbindung der Mitarbeiter in die Erarbeitung des Leitbildes dessen Akzeptanz nachhaltig positiv beeinflusst hat. Zudem hätte ein Entwicklungsprogramm ohne diese Grundlage nicht eine solch identitätsstiftende Wirkung erzeugt.

Gerne beraten und begleiten wir auch Sie bei der Entwicklung eines nachhaltig gelebten Leitbildes. So erreichen Sie unsere Expertin:

Renate Vochezer
Seniorberaterin
rvochezer@die-akademie.de