Führung im 3. Jahrtausend - die Überwindung der Dualität

Führung im 3. Jahrtausend - die Überwindung der Dualität

12.03.2018
Sind Frauen die besseren Führungskräfte? Wie muss Führung gedacht und gestaltet werden, um den Anforderungen unserer Zeit und den Erfordernissen der Zukunft gerecht zu werden?
Gastbeitrag
Susanne Dettling

Die Frage, ob Frauen die besseren Führungskräfte sind, kann pauschal natürlich nicht seriös beantwortet werden. Denn gute Führung ist nicht an das Geschlecht oder die soziale Rolle gebunden.

Darüber hinaus impliziert die Frage bereits Kategorien von Vergleich, Bewertung und Konkurrenz. Führung braucht aber auf allen Ebenen ein neues Bewusstsein, in dem das weibliche und das männliche Prinzip, die Leben empfangende, nährende und die zeugende, schöpferische Kraft in Balance gebracht werden, sich partnerschaftlich auf Augenhöhe begegnen und verschmelzen. Es geht darum, das Denken in Kategorien von Bewertungen und Abwertungen, Konkurrenz und Macht zu transformieren. Die Logik des „entweder - oder“ durch ein „sowohl - als auch“ zu ersetzen. Das erdachte Dilemma: „entweder ich oder du“, durch ein „ich und du“, ein „wir“ zu überwinden. Führung braucht die grundlegende Erkenntnis, dass ich im anderen letztlich immer nur mir selbst begegne:

„Ich muss, weil ich will, mich mit dir zusammentun, damit ich um das mehr werde, was du bist und du um das mehr wirst, was ich bin.“, besagt eine alte Indianerweisheit.

Die Welt braucht unseren kompromisslosen Einsatz für ein menschliches, förderliches, inspiriertes, lebendiges ganzheitliches Miteinander im Bewusstsein der Verbundenheit und Einheit allen Seins. Die Führungskraft spiegelt sich in ihren Mitarbeitern und umgekehrt und aus diesem Zusammenspiel, aus dieser Rückkopplung entsteht die Wirklichkeit, die dieses System täglich neu konstruiert: So entsteht gelebte – nicht nur erdachte - Kultur.

Was heißt das für die Praxis, wie kann dies in den Führungskontext übersetzt werden? Führung beginnt immer bei sich selbst und das setzt voraus, dass ich mir meiner selbst, meines Denkens, Fühlens, Wollens, Redens und Handelns bewusst bin und dafür vollumfänglich die Verantwortung übernehme: Ich denke von dir so, wie ich mir wünsche, dass du von mir denkst. Ich rede von dir und zu dir so, wie ich mir wünsche, dass du von mir redest. Ich verhalte mich dir gegenüber so, wie ich mir wünsche, dass du dich mir gegenüber verhältst.

Diese Kongruenz macht uns lesbar und berechenbar. So entsteht Vertrauen, Sicherheit und Verlässlichkeit. Wir brauchen eine durchgängige Qualität von Beziehungen, in denen sich Menschen wahrhaftig und mit offenem Herzen begegnen, verletzlich sein können, ihre authentischen Gefühle und Bedürfnisse zeigen können, sich nicht hinter ihren Rollen (Frau, Mann, Führungskraft, Mitarbeiter) verstecken müssen oder nie ganz sicher sein können, ob der andere sich nicht doch irgendwann gegen sie wendet und destruktiv agiert. Wir brauchen partnerschaftliche Begegnungen, angst- und verteidigungsfreie Räume in allen Kontexten.

Führung ist kein Privileg, sondern geschlechterunabhängige Dienstleistung: Dienst am Menschen in Ehrfurcht vor der Heiligkeit des Lebens, in Demut, Integrität und Wahrhaftigkeit.