Lohnt es sich als Führungskraft, Verantwortung für Konflikte zu übernehmen?

Lohnt es sich als Führungskraft, Verantwortung für Konflikte zu übernehmen?

15.09.2017
In meiner Praxis erlebe ich, dass das Interesse von Führungskräften an der Lösung von Konflikten eher sinkt. Dabei geht es nicht nur um ihre eigenen Konflikte, sondern auch die ihrer Mitarbeiter. Der Fokus vieler Führungskräfte liegt im Erreichen von Kennzahlen. Konflikte auszublenden ist sehr kostspielig, wie unlängst eine E.ON-Studie erfasst hat.
Astrid Müller

Das Wegschauen kann die Stimmung im Team, die Fluktuation der Mitarbeiter und damit das Erreichen gesetzter Leistungsziele extrem beeinflussen. In vielen Seminaren klagen Mitarbeiter und Führungskräfte über den fehlenden Mut ihrer Vorgesetzten, Konflikte anzusprechen, fehlende Sensibilität für Spannungen und damit verschleppten Konflikte. Viele Führungskräfte denken oder sagen: „Es nervt, ich habe schon genug zu tun, können die ihren Kinderkram nicht selber lösen.“ In manchen Fällen ist diese Position nicht zu Unrecht entstanden. Weil sich Konflikte schon aus einem unbedachten Wortwechsel entwickeln können und sich dann zu einem verworrenen Berg entwickeln. Der Fokus, diese Art von Konflikten auf der viel benannten Sachebene zu lösen, ist häufig eine Illusion.

Führungskräfte brauchen die Fähigkeit, in Konflikte schlichtend einzugreifen, das gehört für mich zum Handwerkszeug ihrer Führungsverantwortung. Wichtig sind dabei die Früherkennung von Unstimmigkeiten und damit das Handeln bevor der Konflikt die Eskalationsstufen hochwandert. Es braucht für das Ansprechen von Spannungen Fingerspitzengefühl und Klarheit, die richtigen Fragen zu stellen, sich in die Situation des Mitarbeiters hineinzuversetzen und seine Perspektive zu verstehen. Dabei erleben Führungskräfte immer wieder „Aha-Effekte“, dass auch ihre Beteiligung an diesen Konflikten ein Teil der Wahrheit ist.

Konflikte können wertvolle Hinweise geben und zu der Erweiterung der eigenen Sichtweise führen. Sie helfen, Standpunkte zu überdenken und neue Lösungsansätze zu finden. Führungskräfte, die den Mut haben, Konflikte anzugehen, zeigen Standhaftigkeit und Verantwortungsgefühl, sich auch unübersichtlichen Situationen zu stellen ̶ die Beschäftigung damit lohnt sich immer.

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