Hacking Work auf dem Weg zur agilen Organisation

10.12.2019
Im Herbst 2009 waren wir in Klausur und haben uns, wie immer am ersten Tag, die Kennzahlen der Company angeschaut. Wir sahen den höchsten Umsatz der Geschichte, den höchsten Deckungsbeitrag und die höchste Mitarbeiterzahl. Das sagten die Zahlen. Am Abend beim Rotwein waren wir uns aber trotzdem alle einig, dass wir nicht nur komplett an Performance, sondern auch an Innovationskraft verloren hatten. Woran haben wir das fest gemacht?
Sigurd Jaiser
Gastbeitrag
Sigurd Jaiser

Mit Hacking Work zur agilen Organisation

Ganz einfach: Jedes Mal, wenn wir etwas Neues entwickeln und an den Markt bringen wollten, mussten wir dafür Leute einstellen. Und warum? Weil alle anderen Mitarbeiter mit den bereits an den Markt gebracht Produkten und Features vollauf beschäftigt waren. Innovation kam also einher mit einer Idee, neuen Angestellten und dem Launch. Danach war nur noch Produktpflege angesagt. Daraus schlossen wir, dass unsere gute wirtschaftliche Lage schieres Glück war, weil wir ein innovatives Produkt in eine Marktlücke geschoben und daraus einen Markt kreiert haben, der sich im Wachstum befand. Und jetzt? Wir hatten das Gefühl, in ein tiefes schwarzes Loch zu schauen.

Aber was war eigentlich zwischen der Markteinführung Januar 2004 und Herbst 2009 passiert? Warum waren wir nicht mehr in der Lage, mit dem bestehenden Personal Produkte weiterzuentwickeln und nach vorne zu bringen?

Im Nachhinein betrachtet könnte man sagen, wir waren zu einem bestimmten Zeitpunkt einfach zu groß geworden und haben in diesem Zuge verlernt, miteinander zu reden. Das hätten wir zum Beispiel sehen können, als die Kundenbetreuung sich darüber beschwerte, dass sie durch die Kunden von Produktänderungen erfuhr und nicht wie vorher von Entwicklern oder Produktmanagern.

Wir sind sehr radikal herangegangen, weil wir eine Company mit nachhaltigem Wachstum und sicheren Arbeitsplätzen sein wollten.

Heute arbeitet die „sipgate-eigene Küche“ ohne Hierarchie, Buchhaltung nach Kanban, ehemalige Call-Center-MitarbeiterInnen als Produktverbesserer in Scrum-Teams. Und alle, wirklich alle, arbeiten gemeinsam – statt nebeneinander oder gar gegeneinander – an der besten sipgate aller Zeiten.

Was ist sonst noch das Geheimnis? Vertrauen? Keine Hierarchie? Selbstverantwortung?

Ja, klar. Von allem etwas. Aber: Vertrauen ist nicht einforderbar, Transparenz dagegen schon. Alle Zahlen, alle Entscheidungsgrundlagen müssen auf den Tisch. Dann können auch alle Entscheidungen fällen. Viel lernen voneinander und sich nicht von anderen abschotten. Sich gemeinsam an einen Tisch setzen und Mittagessen. Gemeinsam an einem Bildschirm-Code schreiben oder Bewerbungen sichten. Fehlentscheidungen und Fehler transparent machen, damit es nur einmal passiert. Alle 14 Tage in einer speziellen Struktur einfach Alle machen und reden lassen, was sie wollen. Das sind nur einige Beispiele.

Und was haben wir davon? Wieder den höchsten Umsatz der Geschichte, den höchsten Deckungsbeitrag und die höchste Mitarbeiterzahl. Nur diesmal sind wir auch performant, wieder innovativ und sehen positiv in die Zukunft!

 

Sie finden spannend, was Sie lesen, und wollen gerne mehr erfahren?! Dann kommen Sie zu unserem 5. Akademie-Forum am 26. März 2020 in Frankfurt a.M. und lernen Sigurd Jaiser persönlich kennen! 

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