Haltung der Akademie zum Wandel in der Weiterbildung

05.06.2020
Als Veranstalter von Präsenzseminaren gehört die Akademie zu den Unternehmen, die sehr grundlegend von der Corona-Pandemie betroffen sind. Die daraus entstehenden Nachteile liegen auf der Hand. Aber sind Sie nicht auch fasziniert von der Frage: Was bringt die Pandemie uns Gutes?
Clemens Rihaczek
Clemens Rihaczek

Zunächst klingt die Frage fast schon absurd angesichts der immensen wirtschaftlichen Schäden, die entstanden sind. Kann denn da überhaupt irgendetwas Gutes damit verbunden sein? Ja! Wir alle sind praktisch gezwungen, unser Verhalten in beispielloser Weise zu ändern. Wäre auch nur ein Bruchteil der Veränderungen, deren Zeuge wir gerade werden, noch vor einem Vierteljahr überhaupt denkbar gewesen? Ich bewundere unsere Art für ihre Anpassungsfähigkeit. Sie ist eine unserer herausragenden Stärken.

Spürbar ändert sich die Art des Arbeitens. Wir entdecken neue Wege, Probleme und Positives. Sehr viele von uns arbeiten vom Küchentisch aus, persönliche Kontakte werden zur Ausnahme, Abstimmungen werden schwieriger und erfordern bewusste Planung und klare Vereinbarungen. In einem Unternehmen mit Kurzarbeit sind plötzlich alle Mitarbeitenden Teilzeiter – eine weitere Hürde für Abstimmungen. Unsere Routine ist dahin, dafür gewinnen wir vielleicht zwei Stunden Lebenszeit pro Tag, weil wir nicht genervt im Auto sitzen.

Wir sind gezwungen, die Art unseres Arbeitens zu ändern. Wir müssen uns überwinden, auch sehr persönliche und emotionale Gespräche per Video zu führen, und das ausgerechnet in Zeiten besonders harter persönlicher Belastung. Retrospektiven drängen sich in den Alltag: Wie ist uns das nun unter den neuen Bedingungen gelungen, wie können wir es weiter optimieren?

Online-Meetings moderieren ist eine andere Nummer als Besprechungen an einem Tisch zu führen. Es ist wie ein Leben mit Scheuklappen. Normalerweise nehmen wir sozusagen peripher unbewusst unzählige Signale aus der Umgebung auf. Körpersprachliche Signale entgehen uns nicht, selbst wenn sie von scheinbar unbeteiligten Dritten kommen. Diese Signale haben in Onlinemeetings Sendepause.

Die Fiktion, Mitarbeitende aufgrund ihrer Anwesenheit kontrollieren zu können, läuft ins Leere. Plötzlich sind wir gezwungen zu vertrauen! Mehr Selbstorganisation zuzulassen, schon allein deshalb, um uns als Führungskraft zu entlasten. Und wir merken, wie toll unsere Mitarbeitenden kritische Situationen meistern – auch ohne die Entscheidungen und Weisungen der Führungskräfte.

Zack, das ist es, wovon wir immer wieder gesprochen haben: Das neue Arbeiten. Über Nacht ist es da. Es stellt uns vor völlig neue Anforderungen. Wir sehen es als unsere Aufgabe, die Mitarbeitenden und Führungskräfte in Unternehmen dabei zu unterstützen, solchen neuen Anforderungen auf beste Weise gerecht und darin wirksam zu werden.

Mit der Natur der Anforderungen ändert sich aber auch das didaktische Konzept und ggf. dessen mediale Umsetzung. Was soll das heißen? Stellen Sie sich vor, Sie unterziehen eine Führungskraft einer Bewertung in einem Assessment Center (AC). Wenn diese Führungskraft als internationaler Projektleiter grundsätzlich „remote“ führt, wäre dann ein Präsenzformat für das AC der richtige Ansatz? Nein. Weil Sie in einem solchen AC das relevante Verhalten nicht beobachten könnten. Welche Schlüsse lässt schon das Führungsverhalten in Präsenz auf das Führen aus der Ferne zu? Bestenfalls Vermutungen.

In diesem Aspekt liegt auch der Schlüssel zum Design unserer Seminare. Wir orientieren uns in der Wahl des Mediums an der inhaltlichen Zielsetzung. Geht es um virtuelles Feedback? Dann bieten wir ein virtuelles Format an. Selbstverständlich als Life Session mit einem erfahrenen Trainer und einem auf dieses Format optimierten didaktischen Konzept.

Bieten wir nun vermehrt Online-Formate an, weil die Teilnehmer nicht mehr in unsere Präsenzseminare kommen können? Auch. Aber das wird sich auch wieder ändern. Im Kern geht es um etwas anderes: die Orientierung an den Gegebenheiten der Situation, in der der Entwicklungsbedarf entsteht. Und in dem Maß, in dem das virtuelle Arbeiten bleibt, werden auch unsere darauf maßgeschneiderten Online-Angebote bleiben.

Ein Wort noch zu den Formaten. Dreitägige Seminare in einem Seminarhotel mit abendlichen Netzwerktreffen machen Spaß und sind ein willkommener Tapetenwechsel. Dagegen haben es Online-Formate schwer. Module müssen kürzer werden, damit ein Seminar zu einer angenehmen Erfahrung werden kann. Dafür gibt es Online aber auch viel mehr Flexibilität. Wir bieten drei Formate: Boxenstopps mit Experteninput und Erfahrungsaustausch zu drängenden Themen, Online-Trainings als virtuelle Live-Sessions mit Theorieinput und kleinen Übungssequenzen sowie Online-Programme mit Selbstlernphasen zwischen den Sessions. Ein Vorteil dieser Angebote ist hoffentlich, dass sie auch zum Reinschnuppern einladen.