Heikles an- und besprechen

11.09.2019
Je herausfordernder, vielfältiger und unberechenbarer das Umfeld, desto wichtiger wird die professionelle Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle, dem eigenen Wahrnehmen, Fühlen, Denken und Handeln. Und so richtig schwierig wird es, wenn es um heikle Themen geht.
Rupert Herzog
Gastbeitrag
Rupert Herzog

Was also tun, wenn Sie ein Thema als heikel empfinden?

Sie können versuchen, Heikles zu ignorieren. Sie können sich maßlos darüber ärgern. Sie können es eskalieren lassen, losbrüllen, um sich schlagen. Sie können versuchen, es auszusitzen, auszuweichen, sich zurückzuziehen oder es sich schönzureden. Nützen oder ändern werden all diese Verhaltensweisen nichts.

 

Was ist „das Heikle“ eigentlich?

Ich bezeichne dann Situationen, Themen und Fragestellungen als „heikel“, wenn zu sachlichen Meinungsverschiedenheiten negativ empfundene Emotionen, Unsicherheiten und Tabuisiertes hinzukommen. All dies hängt eng mit der Geschichte eines Unternehmens und den beteiligten Personen zusammen. Es hat mit der jeweils eigenen Biografie und Entwicklung, mit Erfahrungen und Verletzungen zu tun.

Wichtig ist, sich zu vergegenwärtigen, dass es „das Heikle“ nicht gibt. Was Sie als heikel erleben, kann für jemand anderen völlig unproblematisch sein. Was Sie als heikel empfinden, sagt in der Regel mehr über Sie als über Ihr Gegenüber aus. Und was in Unternehmen als heikel erlebt wird, gibt Aufschluss über die Organisationskultur und über die oft heimlichen Spielregeln, Normen und vorherrschenden Tabus.

 

Wie „Heikles“ bearbeiten?

Was passiert in heiklen Situationen? Heikles ist immer emotionsbesetzt. Oft entgegen unseren sonstigen Gewohnheiten, unserem Bild, das wir nach außen vermitteln, unserer Fassade und Maske beginnen die Einen zu schimpfen, teilen aus, knallen Türen zu. Andere verstummen, erstarren oder ziehen sich zurück.

Klar ist, dass sich viele heiklen Themen (wie Kritikgespräche, unangenehmer Mund- oder Körpergeruch, respektloses oder aggressives Verhalten …) nicht von selbst lösen werden. Sie werden nicht umhinkommen, heikle Themen anzusprechen.

 

Aber wie, wann und in welchem Rahmen?

Heikles anzugehen braucht Zeit. Auf „schnell schnell“, zwischen „Tür und Angel“, geht gar nichts.

Eine nachhaltig wirksame Bearbeitung von Heiklem ist meiner Erfahrung nach nur möglich, wenn neben dem Blick auf die Unternehmenskultur auch tiefer liegenden Emotionen, Ängsten, Unsicherheiten und Verletzungen Platz gegeben wird. Heikles zu bearbeiten heißt immer, Ängste und Emotionen zu bearbeiten. Die deutsche Psychologin Birgit Koch schreibt treffend: „Menschen, über die wir uns sehr aufregen, tun in der Essenz etwas, was wir selbst gebrauchen können.“

Bei als heikel empfundenen Situationen, Themen und Fragestellungen unterstützt Coaching bei der Suche nach neuen Sichtweisen, Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten. Wie können Sie Gespräche vorbereiten und führen, wenn es um Heikles geht? Was können Sie tun, um einen klaren Kopf zu bewahren, wenn der Ärger hochkommt? Wie können Sie Worte finden, die das Heikle auf den Punkt bringen, ohne zu verletzen? Wie können Sie Ihr Gegenüber wertschätzen, wenn Sie sein Verhalten völlig inakzeptabel finden? Wie können Sie Heikles so ansprechen, dass es für Ihr Gegenüber annehmbar ist, ohne den Sachverhalt oder sich selbst zu verbiegen? Und ganz wichtig: Worum geht es Ihnen eigentlich? Was ist Ihnen wirklich wichtig?

Spannende Fragen. Antworten können wir nur gemeinsam anhand von Ihren konkreten heiklen Fragestellungen in einer vertrauens- und respektvollen Coaching-Beziehung finden.

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