Innen stabil - außen agil?

Innen stabil - außen agil?

18.06.2018
Was genau ist eigentlich „soziale“ oder „persönliche Kompetenz“? Vielerorts wird diskutiert, dass wir diese mehr brauchen als fachliche Kompetenz vor allem in einer agilen, neuen Arbeitswelt. Und wie kann man im Coaching diese gezielt weiterentwickeln?
Gastbeitrag
Volker Zumkeller

Coaching-Thesen und Fragen über persönliche und soziale Kompetenz

Beginnen wir mit der persönlichen Kompetenz – sie ist das, was im Inneren eines jeden von uns passiert. Ein Mensch strukturiert und organisiert als Individuum sein inneres Erleben kognitiv wie unbewusst, mit seinen Wahrnehmungs-, Deutungs- und Reaktionsmustern, auch als „Psychodynamik“ bezeichnet.

Auf diese Weise wird eine ansonsten überfordernde/unkoordinierte Vielzahl von Eindrücken, Empfindungen, Impulsen und Optionen im „Innen“ überschaubar vereinfacht. Angenehmes soll reproduzierbar und unangenehmes vermeidbar sein. Aus allem Erlebten bilden sich unterschiedlich bewusste Motive und Prozesse, die dem Menschen zu Stabilität, Selbstwert, Impuls-Steuerung, persönlicher Entwicklung und sozialem Miteinander verhelfen sollen.

Oft verfestigen bzw. „verselbständigen“ diese Muster sich aber auf eine Weise, die die eigenen Wahlmöglichkeiten für andere Betrachtungs- und Handlungsvarianten sehr einschränken oder gar ausschließen, z.B. solche „das-muss-unbedingt...“ oder „ich-darf-auf-keinen-Fall...“-Muster.

Persönliche Kompetenz bedeutet jetzt im Wesentlichen, die Wahrnehmung für sich selbst auf eine Weise aktiv zu sensibilisieren, dass man sich seiner blinden „Flecken“ bewusst wird. Ob daraus dann ein Coachingthema wird, kann und sollte mit dem Auftraggeber und dem Coach gut geklärt und vereinbart werden, denn es wird dann nicht nur ums „Agil“-Etikett und schnelle Anpassung eines Individuums gehen...

Wie wir nach außen erlebbar werden und handeln, ist die soziale Kompetenz. Wir Menschen mögen ja eigentlich keine Komplexität. Vor allem, wenn wir sie nicht wenigstens als Handelnde selbst dosieren können, sondern ihr als Betroffene ausgesetzt sind, mögen wir es lieber überschaubar.

„Agile“ Führungskräfte sind in unseren Zeiten zunehmend mit dem Koordinieren von Aktivitäten und Kommunikation beschäftigt, um in ihrer Organisation für gemeinsame Zielklarheit, strukturierte Vorgehensweisen und bestmögliche Ressourcen-Effizienz zu sorgen (...und zwar so stabil wie nötig und so agil wie möglich oder umgekehrt).

Daraus resultieren auch im „Außen“ vereinfachende soziale Kommunikations- und Entscheidungsmuster, die teils wahrnehmbar sind, teils auf einer unbewussten Ebene ablaufen. Soziale Kompetenz bedeutet hier, die relevanten sozialen Aspekte im Arbeitsumfeld empathisch zu beobachten und, wo hilfreich bzw. nötig, „zum Thema“ zu machen und für konstruktive Verständigung zu sorgen.

Fragestellungen, die im Coaching hier zur ersten Eigeneinschätzung dienen können:

Würden Sie, nach Ihrem eigenen Ermessen, über sich sagen, dass Sie

  • ... die Fähigkeit haben, realitäts- und situationsgerecht zu handeln?
  • ... sich an Ihren Empfindungen orientieren und wissen, wann Sie sich auf Ihre Wahrnehmung verlassen können?
  • ... konstruktive Beziehungen herstellen und aufrechterhalten können?
  • ... Konfliktsituationen mit Einzelnen oder Mehreren erkennen und angemessen damit umgehen können?
  • ... den Menschen, mit denen Sie arbeiten, ein klares und eindeutiges Kontaktangebot machen können?
  • ... Zugang zu Ihrer Intuition haben und diese zu nutzen wissen?

Falls diese Fragen Sie neugierig machen, am besten auf sich selbst, finden Sie viele Akademie-Formate, mit denen Sie für sich womöglich überraschende Antworten finden können.