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Interview

Wie funktioniert eigentlich Crowd Working?

Streetspotr bringt Unternehmen und Smartphone-Nutzer zusammen. Viele Unternehmen benötigen Informationen aus dem Handel, zum Beispiel in Bezug auf Produktplatzierungen oder die Kundenwahrnehmung von Produkten. Diese Informationen selbst zu sammeln, würde viel Zeit und Geld in Anspruch nehmen. Dabei kommen unsere Crowd Worker ins Spiel.
Interview mit Theresa Kühlein, Marketing and Community Manager bei Streetspotr GmbH.

Crowd Working
Theresa Kühlein
Theresa Kühlein

Bitte beschreiben Sie Ihr Geschäftsmodell in fünf Sätzen.

Streetspotr bringt Unternehmen und Smartphone-Nutzer zusammen. Viele Unternehmen benötigen Informationen aus dem Handel, zum Beispiel in Bezug auf Produktplatzierungen oder die Kundenwahrnehmung von Produkten. Diese Informationen selbst zu sammeln, würde viel Zeit und Geld in Anspruch nehmen; unsere Crowd Worker („Spotr“) können diese Informationen liefern, wenn sie sowieso in den gefragten Geschäften oder Gegenden unterwegs sind. Über unsere iPhone- und Android-App werden die Daten erhoben und unseren Kunden in Echtzeit in individuellen Dashboards angezeigt. Anschließend kann der Kunde sofort handeln, bei Missständen eingreifen und so seinen Umsatz effektiv steigern. 

Warum arbeiten Crowd Worker für Streetspotr?

Ich denke unsere Spotr haben die verschiedensten Gründe, um bei Streetspotr aktiv zu werden. Zum einen können und wollen sie sich natürlich ein wenig Geld dazu verdienen. Das geht mit Streetspotr recht schnell und einfach. Im Durchschnitt erhält man in etwa 2€-3€ in fünf bis zehn Minuten. Zum anderen spielt bei vielen Spotrn aber sicher auch der Spaßfaktor eine Rolle. Manche sagen zum Beispiel, dass sie durch Streetspotr ganz neue Ecken in ihrer Stadt kennenlernen. Natürlich darf man auch nicht vergessen, dass wir letztlich Marktforschung betreiben und die Spotr den Gedanken gut finden, in dieser Hinsicht etwas beitragen und vielleicht auch verbessern zu können.

Kennen Sie all Ihre Crowd Worker persönlich?

Mittlerweile ist unsere Crowd über 470.000 Spotr stark. Alle persönlich zu kennen, wäre da natürlich etwas schwierig. Allerdings stehen wir mit besonders aktiven Spotrn in regem Kontakt. Das hilft uns, ihre Wünsche noch besser zu verstehen. Außerdem werden wir so schneller auf Fehler in der App aufmerksam gemacht und können sofort reagieren. Einige dieser sogenannten Top-Spotr waren auch schon bei uns im Büro zu Besuch.

Wie zeichnen sich Ihre Crowd Worker (hinsichtlich Bildung, Alter etc.) aus?

Generell kann man sagen, dass unsere Crowd sehr breit gefächert ist. Das Mindestalter beträgt 18 Jahre. Nach oben sind dann eigentlich fast keine Grenzen gesetzt; der älteste, uns bekannte Spotr ist 72 Jahre jung. Das Durchschnittsalter liegt dann aber doch eher bei Ende 20. Der Großteil unserer Spotr ist vollzeiterwerbstätig, aber auch viele Studenten und Schüler nutzen Streetspotr. 

Gibt es (so etwas wie) Führung, wenn Sie mit Crowd Workern arbeiten? Wenn ja, wie sieht diese Führung aus?

Führung im klassischen Sinne findet eigentlich nicht statt, denn es ist ja auch das Prinzip von Crowdsourcing, dass die Teilnehmer selbst entscheiden, ob und wann sie eine Aufgabe durchführen wollen. Unsere Spotr bekommen aber klare Anweisungen in der App, wie die verschiedenen Aufgaben ausgeführt werden sollen. Sie müssen dann auch bestätigen, dass sie die Bearbeitungshinweise komplett gelesen haben.

Wie ist die Zusammenarbeit zwischen Ihren Mitarbeiter und den Crowd Workern geregelt?

Die Zusammenarbeit erfolgt ausschließlich elektronisch; hauptsächlich über die Streetspotr-App selbst. Aber auch über den Support und über unser internes Forum arbeiten die Mitarbeiter mit unserer Crowd zusammen. In den verschiedenen Aufgaben, die in der App ausgeschrieben sind, wird den Spotrn kommuniziert, wie sie diese durchführen sollen. Wenn ein Ergebnis einmal nicht ganz den Anforderungen entspricht, hat der betroffene Spotr in der Regel noch einmal die Möglichkeit, es nachzubessern. Von unserer Qualitätssicherung wird ihm dann genau mitgeteilt, was noch verbessert oder geändert werden muss. Wenn Fragen auftauchen, bei denen ein persönlicher Kontakt mit unseren Mitarbeitern notwendig ist, können sich die Spotr per E-Mail an den Support wenden. Im internen Forum tauschen sich die Spotr sehr viel untereinander aus und beantworten sich viele Fragen gegenseitig. Aber auch hier lesen wir mit und versuchen spezifische Fragen schnell zu klären.

Arbeiten Sie ausschließlich virtuell zusammen oder gibt es auch reale Meetings?

Die Zusammenarbeit erfolgt beinahe ausschließlich virtuell über die Streetspotr-App oder E-Mail. Besonders aktive Spotr kommen schon einmal persönlich bei uns im Büro vorbei. Einmal im Jahr laden wir die Top-Spotr auch zu uns nach Nürnberg entweder zu einem Sommerfest oder zum Christkindlmarkt ein.

Wie wird die Qualität der Arbeit und Leistung der Crowd Worker bewertet und kommuniziert?

Unsere Mitarbeiter in der Qualitätssicherung kümmern sich darum, die von den Spotrn eingereichten Ergebnisse zu überprüfen und bei Bedarf noch einmal zur Verbesserung zurückzuschicken. Natürlich sagen wir ihnen auch, wenn sie einen Spot besonders gut ausgeführt haben.

Seit Anfang diesen Jahres haben wir außerdem ein neues System im Einsatz, mit dem wir vier verschiedene Aspekte bei den Spotrn messen: Qualität, Erfahrung, Aktivität und Engagement. Auf Basis der letzten vier Wochen wird über einen Algorithmus dann ein Score berechnet. Sobald ein gewisser Wert erreicht ist, erhält der Spotr den sogenannten Pro-Status und hat damit bestimmte Vorteile bei der Durchführung der Aufgaben. Der Score wird aber jede Woche neu berechnet. Um den Pro-Status zu behalten, muss man also dauerhaft aktiv sein und die Aufgaben gut ausführen.

Wenn ein Fehler passiert, wie offen wird damit bei Ihnen umgegangen? Meldet sich der Crowd Worker von alleine, wenn etwas „schief“ gelaufen ist?

Auch das ist unterschiedlich. Manche Spotr schreiben direkt an unseren Support, wenn ihnen nach dem Abschicken der Ergebnisse ein Fehler auffällt und bitten darum, die Aufgabe noch einmal überarbeiten zu dürfen. Da unsere Qualitätssicherung aber jedes Ergebnis manuell prüft, werden Fehler spätestens dann entdeckt und ggf. dem Spotr noch einmal zur Nachbearbeitung freigegeben.

Bei  „herkömmlichen” Unternehmen spielt die Loyalität der Mitarbeiter eine wichtige Rolle. Wie ist das bei Streetspotr mit den Crowd Workern?

Loyalität ist auch bei unseren Spotrn sehr wichtig. Wir bemühen uns daher sehr darum, die Spotr zu halten und auf deren Wünsche so gut wie möglich einzugehen. Hier ist unser Forum ein sehr wichtiges Tool, da wir so am einfachsten mitbekommen, was die Spotr wollen, was ihnen nicht so gut gefällt und wo wir noch Verbesserungspotenzial haben.

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