Karriereziel Führungskraft – Der kleine Unterschied

Karriereziel Führungskraft – Der kleine Unterschied

12.06.2017
Weshalb gibt es eigentlich so wenige Frauen in Führungspositionen? Haben so wenige Frauen Interesse daran oder werden sie gezielt nicht ausgewählt? Simone von Stosch, ehemalige TV-Moderatorin, coacht und berät viele Frauen in Führungspositionen. Und sie stellt immer wieder fest: Frauen haben es selbst in der Hand!
Gastbeitrag
Simone von Stosch

Neu ist das nicht: Weltweit sind Frauen in Führungspositionen dramatisch unterrepräsentiert. In Deutschland liegt der Frauenanteil in den Unternehmensvorständen gerade mal bei 6,5 Prozent. Auch in den Chefetagen sieht es nicht viel besser aus.

Über mögliche Ursachen gibt es viele Studien. Ein wichtiger Grund sei die schlechte Vereinbarung von Berufs- und Familienleben – so das Ergebnis einer weltweiten Umfrage des Global Network for Advanced Management. Dies müsse durch Home-Office und andere Modelle der flexiblen Arbeitsgestaltung verbessert werden. Ein anderer gewichtiger Grund sei die ungleiche Entlohnung auch in Führungspositionen. Die Löhne für Frauen müssten endlich denen der Männer angeglichen werden.

Das alles ist richtig. Und wichtig. Ein Aspekt kommt mir dabei oft zu kurz: Es sind die Frauen selbst! Ihre Einstellung zu Erfolg, Beruf und Karriere, zu Macht und Teilhabe.

In Coachings und Seminaren erlebe ich wiederkehrende Fragen: Kann ich das alles? Will ich das überhaupt? Macht, Erfolg, die harte Arbeit der Durchsetzungskraft?

Bei Frauen sind die inneren Kritiker stärker ausgeprägt als bei den Männern. Selbstzweifel plagen Frauen heftiger – gepaart mit der Angst, den unterschiedlichen Ansprüchen, die Privatleben und Job stellen, nicht zu genügen. Frauen tragen Konflikte und Probleme aus dem Büro stärker mit nach Hause, sie können weniger loslassen, nehmen sich die Dinge zu sehr zu Herzen. All das ist nicht Natur gegeben, sondern früh „eingeübt“. Es ist Ausdruck gesellschaftlicher und individueller Verhaltensmuster und prägt bis heute die innere Haltung von weiblichen Führungskräften.

Einige Zitate aus der beruflichen Praxis:

„Männer fördern sich gegenseitig im Job, sie schanzen sich Privilegien zu.“

„Männer können mit Ungerechtigkeit viel besser umgehen. Sie haben so eine Art Nach-mir-die-Sintflut-Einstellung. Wir Frauen sind da anders.“ „Die Kerle trauen uns Frauen einfach nichts zu.“

Kann sein. In jedem Fall glauben viele Frauen daran, dass dies so ist. Erst aus einer anderen Perspektive als die der „Opfer“ heraus entstehen Erkenntnisse: Wir brauchen weibliche Netzwerke und strategisches Geschick.

Die Einstellung zu Macht ist jedoch oft – bewusst oder unbewusst – höchst ambivalent. Macht hat, wie die Zitate zeigen, häufig eine negative Konnotation. Sie wird nicht als Empowerment verstanden, als Motor, Dinge voranzubringen und zu gestalten, sondern als etwas, was zu besitzen nicht so ganz anständig ist.

Und noch etwas fällt im Gespräch mit Klientinnen auf: Sie fühlen sich für vieles verantwortlich und wollen es möglichst allen Seiten recht machen. Viele bürden sich Zusatzaufgaben auf, obwohl ihr Schreibtisch signalisiert, dass sie mal laut und deutlich „nein“ sagen sollten. Ihr Verhalten ähnelt dem, was in der Psychotherapie als Helfersyndrom gilt. Dem zugrunde liegt die frühkindliche (meist weibliche) Erfahrung, dass positive Anerkennung an Wohlverhalten gekoppelt ist. Je braver und hilfsbereiter das Mädchen, desto mehr Anerkennung bekommt es.

Viele Frauen berichten, dass ihre Stimme weniger gehört wird als die der Männer. Das liegt an einer männlich geprägten Kommunikation – aber auch am Auftritt der Frauen selbst. Die Stimme rutscht hoch, die Statements werden kurzatmig, die Argumentation verliert an Stringenz.

Was sind die Alternativen? Zuerst einmal die Reflexion der eigenen (oft ambivalenten) Einstellung zu Macht und Erfolg. Welche Ängste, welche Glaubenssätze verhindern den durchsetzungsstarken und empathischen Auftritt, welche Blockaden verhindern in Stress und Belastungssituationen die stringente Argumentation? Es gilt, diese Gefühle wahrzunehmen, sie in ihrem Kontext zu vergegenwärtigen, um sie so Schritt für Schritt loszulassen.

Auch die Selbstverantwortung im Umgang mit den eigenen Grenzen kann gestärkt werden. „Nein“ sagen will gelernt werden. Freundlich und bestimmt vorgetragen nötigt es anderen Respekt ab und führt zu mehr Souveränität. Körperliche Präsenz, eine kräftige, tiefe Stimme, die Entschiedenheit, mit der auch räumlich ein Terrain erobert, der eigene Handlungsraum erweitert wird, sind – auch – eine Frage der Übung.

Bei diesen Prozessen der Selbstreflexion und Persönlichkeitsentwicklung hilft die systemische Erkenntnis: Ändere eine Kleinigkeit und nichts bleibt mehr, wie es ist. 

Das Seminar „Durchsetzungsstark und erfolgreich“ bietet den Raum, dies zu trainieren. Die Ergebnisse sind beeindruckend.