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Die Kolumne

Theorie U – ein sozialer Tauchkurs für die neue Arbeitswelt

Diskussionen im Rahmen des Akademie-Forums „In neue Arbeitswelten führen“ in Düsseldorf am 14. April 2016.

In die Tiefe gehen, d.h. Verstand, Herz und Wollen füreinander weiter öffnen, weil sonst die komplexen Herausforderungen der Wirtschaft nicht nachhaltig gelöst werden können, das ist meiner Ansicht nach und kurz gesagt die These der Theorie U von Otto Scharmer. Schöpferisch zuhören, über Gefühle und Bedürfnisse sprechen, innehalten, um in ein humanistisches Feld einzutauchen, sich mit etwas größerem als man selbst verbinden und dann wichtige Entscheidungen treffen. Vor allem den unerträglichen Zynismus überwinden, der genau dies verhindert, wäre ein Anfang, um Change-Prozesse im Business und in der Gesellschaft gemeinsam zu stemmen. Das ist notwendig, weil von Beratern geplante Change-Prozesse die Menschen nicht genug mitnehmen und es Politikern nicht gelingt, sich verbindlich auf gesellschaftlich wichtige Veränderungen zu einigen, die unser Überleben auf der Erde retten können. Und stellen Sie sich vor, die Energiewende gelingt, weil wir es so zutiefst wollen, dass wir alle Widerstände überwinden können.

Jürgen Hampe
Jürgen Hampe
Dipl.-Psych.

Sind das wirklich Themen für unsere Organisationen fragten sich die Teilnehmer in den Workshops. Können wir uns die Zeit nehmen, in unserer von operationaler Hektik und Zeitdruck bestimmten Arbeitswelt in die Tiefe zu gehen? Otto Scharmer vom MIT in den USA hat weltweit über 150 Führungskräfte gefragt, und kam zu der Ansicht: Ja! In den von ihm geleiteten weltweiten Online-Konferenzen des „ulabs“ nehmen mittlerweile über 40.000 Menschen teil. Auch in meinen Workshops hatte ich den Eindruck, dass die Sehnsucht danach groß ist. Wir, Menschen aus verschiedenen Organisationen, haben es jeweils 2 Stunden miteinander versucht – Co-Initiating, Co-Sensing, Co-Presencing, Co-Creating, Co-Evolving. Es geht, wenn Menschen spüren, dass hier gerade niemand etwas für sie fertig vorgedacht hat, auch nicht heimlich, sondern mit großer Ruhe ein großes Maß an Unsicherheit über den Ausgang des Prozesses tragen kann. Dann trauen sich Menschen über Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen, daraus entstehen nachhaltige und konkrete Maßnahmen.

In Seminaren und in Workshops sind Menschen bereit, sich einzulassen auf tiefere Ebenen der Kommunikation – sogar online. Dort können wir einüben, was, wenn wir von der Zukunft her denken und spüren, unvermeidlich ist – mehr Tiefe und Nachhaltigkeit. Das hat uns alle im Rahmen der Workshops bewegt. Gleichzeitig gingen wir ein wenig traurig auseinander, weil das in unseren Organisationen von Zynikern und angstgetriebenen Rationalisierern als realitätsfern ins Lächerliche gezogen wird. So lange die Mitarbeiterbefragungen erträgliche Ergebnisse liefern und die Zahlen stimmen, hat ein idealistisch daher schwebendes „U“ da eine Chance, ein praxisrelevantes Beratungsparadigma zu werden? Sollte es eine haben? Schade, dass die, die das befördern können, auf Management-Schulen nicht erleben dürfen, wie sie damit Menschen anders führen können. Dort lehrt man, sich über der Wasserlinie zu halten, auch wenn die Schätze manchmal unter dem Eisberg liegen….fern jedes kalkulierbarem KPI.

Dennoch haben wir uns Geschichten erzählt von lebenden und verstorbenen Unternehmern, die in ihrer Menschenführung am ganzen Menschen in ihrem Unternehmen interessiert waren, Geschichten von Führungskräften, die nicht nur Funktionen und „funktionieren“ installieren. Ich traf auch mal einen, Dr. Ibrahim Abouleish, Chairman of SEKEM, Träger des Alternativen Nobelpreises. So gingen wir auch mit Hoffnung und mit demütiger Dankbarkeit vor den großen Meistern ihres Führungsfaches zurück in die Welt der Realitäten.

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