Lernprozesse agil gestalten

Lernprozesse agil gestalten

11.12.2018
Ich bin mir nicht ganz sicher, wie es Ihnen geht, aber Trainingsmaßnahmen so zu konzipieren, dass der Teilnehmer mit seinen individuellen Wünschen im Mittelpunkt steht, kann eine große Herausforderung sein. Vor allem dann, wenn der Anspruch darin besteht, Trainings so zu planen, dass sie einen idealen Mix aus strukturierten Workshops, sozialem Lernen und Lernen am Arbeitsplatz ergeben. Das Ganze natürlich dann angereichert mit virtuellen und digitalen Elementen.
Gastbeitrag
Hans-Hermann Schwede

Bei einer Desk Research für ein Qualifizierungsprogramm bin ich mehr oder weniger durch Zufall auf die Learning Battle Cards gestoßen. Das Versprechen des Herstellers: Diese Karten helfen Trainern, Lernbegleitern und Weiterbildungsprofis dabei, bessere Lernkonzepte zu gestalten. Wie das genau funktioniert, erfahren Sie in den nächsten Zeilen. Soviel sei jetzt schon verraten: als Basis dienen hier Design Thinking und Storytelling. Na, das klingt doch schon interessant. Also, schnell das Learning-Battle-Card-Set inkl. Canvas bestellt. Vier Tage später hielt ich dann das Set in den Händen.

Learning Battle Cards

  Insgesamt stehen mir 108 Karten zur Verfügung, auf denen jeweils eine Lern- oder Entwicklungsmethode vorgestellt wird. Auf der Vorderseite finde ich neben dem Namen der Methode noch die Abkürzung, die mich stark an das Periodensystem aus der Schulzeit erinnert. Ebenfalls zu finden ist dort eine Word Cloud mit passenden Begriffen oder Einsatzmöglichkeiten der jeweiligen Methode, sie dient zur Inspiration und Ideenfindung. Auf der Rückseite erhalte ich Hinweise zum Aufwand der Methode, zur Umsetzungsstärke und in welcher Phase der Learning Journey die Karte einsetzbar ist. 

Learning Battle Cards Canvas

Die Canvas ist klar strukturiert und selbsterklärend. Im oberen Bereich gibt es eine Kurz-Anleitung ergänzt mit handlungsleitenden Fragen, die beim Bearbeiten der Canvas unterstützen. Dann gibt es noch ausreichend Platz für die Rahmenparameter: Kunde, Ziele, Zielgruppe, Kosten und Anforderungen. Den Schwerpunkt der Canvas stellen die sieben Phasen der Learning Journey (verteilt auf drei Bereiche) dar.

  • Preparation (Vorbereitung) mit den Phasen Analysis (Lernanalyse) und Awareness (Lernbereitschaft)
  • Delivery (Durchführung) mit den drei Phasen Knowledge (Wissen), Skills (Kompetenzen) und Attitude (Haltung)
  • Conclusion (Abschluss) mit den Phasen Implemenation (Praxistransfer) und der Evaluation (Ergebniskontrolle)

Anwendung in der Praxis

Soviel zur Theorie – spannend wird es dann in Praxis. Vor ein paar Wochen traf ich mich mit meinen Trainerkollegen Ingrid Genau, Florian Hochenrieder und Uwe Ditz, um diese neue Methode im Rahmen eines Relaunches unseres Qualifizierungsprogrammes auszuprobieren. Im Vorfeld erstellten wir eine Persona, die für uns handlungsleitend war.

Im ersten Schritt sahen wir uns die verschiedenen Learning Battle Cards an und diskutierten die Informationen auf der Vorderseite und Rückseite. Schnell war klar: einen Großteil der einzelnen Methoden kannten wir bereits.

Im zweiten Schritt haben wir drei Cluster gebildet:

  • Methoden, die zu unserem Programm bzw. zu unserer Persona passen,
  • Karten, die nicht passen und
  • Karten, bei denen wir uns nicht sicher waren.

Um unsere Auswahl dann nochmals zu reduzieren, nutzten wir eine Vier-Felder-Matrix mit den Ausprägungen „Lernwert“ und „Herstellungsaufwand“ – hier entstanden hilfreiche Diskussionen. Am Ende konnten wir aus den insgesamt 108 Methoden 35 passende Methoden identifizieren.

Als nächstes ging es darum, die einzelnen Methoden in einen ganzheitlichen Zusammenhang zu bringen. Hier nahmen wir die bereits vorgestellte Learning Battle Cards Canvas zur Hilfe. Unsere Methoden positionierten wir auf die jeweiligen Felder und stellten schnell fest, dass sich die Formate gegenseitig beeinflussen (können) und idealweise aufeinander aufbauen. Also schnell die eine oder andere Methoden kurz getauscht bzw. verschoben. Dies ist in meinen Augen ein großer Vorteil – gerade bei umfangreichen Entwicklungsprogrammen.

Unser Ergebnis

Da wir unsere Kunden in den Mittelpunkt unseres Leanring-Journeys-Prozesses gestellt haben, konnten wir einen wirklichen Mehrwert entwickeln. Die jeweiligen Feedback- und Reviewsessions nach jeder Iteration halfen uns dabei, die ideale Lernlösung zu generieren. Und was natürlich auch noch wichtig ist: Dieser gesamte Prozess hat natürlich auch Spaß gemacht.

Meine persönlichen Learnings:

  • Die Learning Journey hilft, Trainings und Seminare klar zu strukturieren. Brüche etc. werden auf den ersten Blick sichtbar.
  • Beim Arbeiten in interdisziplinären Teams bietet sich diese Methode an, da über den Prozess und die Struktur diskutiert wird und nicht über die Inhalte (zumindest nicht in diesem Schritt).
  • Der Ansatz ist wirklich genial, denn die Methodenvielfalt ist klar und übersichtlich.

Das ganzheitliche und vor allem nutzerzentrierte Planen ist eine große Stärke dieses Produktes. Sie hilft vor allem Weiterbildungsprofis, die auf der Suche nach neuen Ansätzen und nach anderen, agilen Lernreisen sind.