Motivierendes Feedback geben – fast magisch!

10.11.2020
Im Führungscoaching erlebe ich immer wieder, dass meine Klienten unsicher sind, wie sie auch kritisches Feedback kommunizieren können.

Als Führungskraft wissen sie genau, wie wichtig einerseits positives Feedback für die Mitarbeitenden mit Blick auf Wertschätzung, Motivation und Leistungsfähigkeit ist und dass Kritik, falsch verpackt, nachhaltig die Beziehung zu ihren Mitarbeitenden belasten kann. Auch die heutzutage viel beschworene Fehlerkultur fordert ja zurecht nichts anderes ein, als dass anerkannt wird, dass Fehler erlaubt und Teile von Entwicklungsprozessen sind.

Wie also damit umgehen, wenn Mitarbeitende Fehler machen bzw. bei der Ausführung der Tätigkeiten noch gut Luft nach oben ist? Ignorieren oder ermahnen oder doch irgendwie ansprechen?

In Führungstrainings wurde hier in der Vergangenheit gerne die sogenannte Sandwich-Technik vermittelt, die die negative Kritik zwischen zwei positive Rückmeldungen gepackt hat. Da die meisten Menschen durchaus eine Tendenz zur selektiven Wahrnehmung für das Negative haben, blieb am Ende dann doch oft nur die Kritik bei den Mitarbeitenden hängen, insbesondere dann, wenn die positive Rückmeldung anschließend mit dem „bösen“ Wort ABER zunichte gemacht wurde.

Für Situationen, in denen Mitarbeiter eine Aufgabe noch nicht zur Zufriedenheit bewältigt, Teile aber schon gut funktionieren, empfehle ich meinen Klienten eine schöne und wirkungsvolle Methode: das +/- Feedback mit magischem Wort, das von Markus Ebner in seinem Buch Positive Leadership beschrieben wird.

 

Damit die Methode funktioniert, ist es wichtig, folgendes zu berücksichtigen:

  • Achten Sie darauf, dass Sie tatsächlich zunächst die positiven Aspekte des Verhaltens Ihres Mitarbeitenden wahrnehmen. Dazu fragen Sie sich am besten „Was hat schon funktioniert?“, „Was war schon gut?“, „Was wurde schon erreicht?“.
  • Danach machen Sie sich klar, was es noch braucht, damit Sie mit dem Verhalten zufrieden sind. Damit geben Sie Ihrem Mitarbeitenden anschließend Orientierung, welche Verhaltensänderung erwünscht ist.
  • Setzen Sie das nun kommunikativ folgendermaßen umgesetzt:
  1. Negative Rückmeldung im ersten Satzteil
    Bsp.: „Du hast zwar diesmal die Timeline gerissen ...“
  2. Wort „ABER“ + positive Rückmeldung / Verhalten im zweiten Satzteil    
    Bsp.: „ABER der Text war sehr überzeugend und enthielt tolle Beispiele.“
  3. Positives Zielbild / erwünschte Handlungsweise formulieren und dranhängen  
    Bsp.: „Wenn du künftig drauf achtest, dass du den Text rechtzeitig abgibst, ist es perfekt“

 

Sehen Sie selbst anhand eines weiteren Beispiels, diesmal im direkten Vergleich, wie die Methode wirkt. Welche Variante klingt für Sie besser?

 Variante 1: Sie haben zwar eine sehr gute Quote an Kundenbesuchen erreicht, aber die Zufriedenheit der Kunden lässt zu wünschen übrig.

Variante 2: Die Zufriedenheit Ihrer Kunden lässt zwar zu wünschen übrig, aber Sie haben eine sehr gute Quote an Kundenbesuchen erreicht. Wenn Sie künftig die Kundenbeziehungen stärker pflegen, ist es perfekt.

Obwohl auf der Sachebene annähernd das Gleiche gesagt wird, ist die emotionale Wirkung doch spürbar anders. Dies wird durch das Wörtchen „ABER“ erreicht. Es wertet den vorausgegangenen Satzteil ab. Hier nutzen Sie also bewusst die Qualität dieses kleinen magischen Wortes.

 

Diese Technik eignet sich auch gut für das Selbstcoaching. Wenn Ihnen ein Fehler passiert, erkunden Sie doch auch, was Ihnen schon gut gelungen ist und überlegen Sie, welches Ziel Sie für die Zukunft verfolgen wollen. Führen Sie anschließend mal bewusst den inneren Dialog entsprechend der oben beschriebenen Methode und spüren Sie die Wirkung auf sich persönlich. Probieren Sie es aus!

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