Natur, Bewegung und Selbstwirksamkeit

16.01.2019
Würden Sie sich als ehrgeizig beschreiben? Als zielorientiert? Mehr noch als fokussiert? Als SpezialistIn für die Erahnung der Befriedigungsmuster relevanter PartnerInnen im Berufs- und Privatleben? Provokant formuliert: Sind Sie immer zu Diensten? Und noch provokanter: Stellt auch der pflichtbewusste Besuch des Fitnessstudios ein Element dar zur Perfektionierung des Bildnisses, das sich die Außenwelt von Ihnen vermeintlich macht? Sind Sie oftmals in wechselnden Zuständen zwischen Erregung und Erschöpfung?
Alexander Höhn
Gastbeitrag
Alexander Höhn

Sollten Sie einige Fragen bejahen, sind Sie zu beglückwünschen: Sie erfüllen die Attribute einer wirtschaftlich und gesellschaftlich erfolgreichen Person, soweit wir dem Mainstream unserer westlichen Welt entsprechen mögen oder: Haben wir denn überhaupt die Wahl (des vermeintlich) freien Willens?

Diese Frage wird in der Hirnforschung kontrovers diskutiert, ich mag mir die Hoffnung der Aufklärung nicht nehmen lassen und folge Kant, Hegel und Rousseau gerne in dem Glauben an einen freien Willen – wenn auch in dem Wissen über die Wirkkraft unbewusster Muster, teilbewusster Antriebe im Zusammenhang mit der eigenen kulturellen Geschichte.

In diesem komplizierten Zusammenhang sind unsere Selbstwahrnehmungen zu verstehen, sind wir als soziale Wesen doch ganz fundamental „Entsprechende“ (den Erwartungen der Eltern und anderer Gruppen gegenüber) und stehen unser Leben lang in einem bestenfalls kreativen bis dysfunktionalen Spannungsverhältnis zwischen Entsprechung, Hingabe, Kooperation bis Selbstaufgabe, Fremdsteuerung und „Hörigkeit” und dem Gegenpol der Autonomie, der Selbstakzeptanz und Selbstliebe.

Und in welchem Kontext steht das nun mit „der Natur”? Und der „Bewegung“?

Der Hypnotherapeut Milton H. Erickson arbeitete viel mit „Hausaufgaben”. Eine beliebte war, Menschen zu regelmäßigen Besuchen in einem Botanischen Garten zu ermuntern und zur detaillierten Beobachtung des Wachstums von Pflanzen – warum? Um die Kräfte von Selbstheilung und Wachstum zu stimulieren. Wir sind ein Teil der etwas distanziert formulierten „Um-Welt”.

Von Kindern lernen – einen Bachlauf beobachten, die Wolken ziehen lassen, durch alle Jahreszeiten durch den selben Park spazieren, dieselbe Landschaft, Zyklen erleben, Wasser beobachten, Regen genießen: sich erfassen als in der Zeit stehend, Bestandteil sein, die Gleichgültigkeit der Natur erleben. Sich erleben als organisches Wesen, als spirituelles Wesen auf der Suche nach Sinn und Erfüllung. Merken Sie etwas? Unserem Alltag und seiner Wertehierarchie steht dies diametral gegenüber, hat eher mit Kunst, Märchen erzählen und meditieren zu tun. Vermeintlich – denn der Weg kann eine Verbindung zwischen den Welten sein und kein sich abwertender Konkurrenzkampf.

Wobei wir bei der Brücke wären, der Bewegung: Schon die Philosophen des 18. Jahrhunderts formulierten eine „Philosophie des Spazierengehens“.Langes Gehen, maximal langsames Joggen, Wandern – das erhöht die Selbstwahrnehmung und die Wahrnehmung des Äußeren – der Natur. Auf Dauer bilden sich neuronale Strukturen des Wohlbefindens, des Einklangs, der Ruhe, der Gelassenheit, des Einsseins – oder eben auch nicht, da wir uns meistens in einem Ungleichgewicht befinden und Humor nützlich ist in eigener Sache, tendieren wir eben eher zur Leistung (in unserer Kultur) als zur Kontemplation.

Gehen Sie spazieren in Wald und Flur, das ist schon viel.

Oder besuchen Sie unseren Workshop zum Thema – „Coaching-Retreat“: Wandern und Arbeiten an relevanten Lebensthemen...

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