Licht ins Dunkel bringen: verborgene Dynamiken mittels Organisationsaufstellung sichtbar machen

12.05.2020
In einem ehemals aufstrebenden, stark wachsenden Unternehmen entwickelte sich über mehrere Jahre eine zunehmende Unzufriedenheit bei den Mitarbeitern und eine überdurchschnittlich hohe, anhaltende Fluktuation. Die Vorstandsebene war im Zuge des Wachstums um zwei Personen erweitert worden.
Susanne Dettling
Susanne Dettling

Zunächst lief alles gut, aber mit der Zeit entstanden Konflikte, die die Konfliktparteien innerhalb des Vorstandes, aber auch über ihre jeweiligen Mitarbeiter austrugen. Die Situation eskalierte so sehr, dass die Arbeitsfähigkeit der gesamten Führungsebene in Mitleidenschaft gezogen war, Zitat: „Wir beschäftigen uns nur noch mit uns selbst.“ „Alles dreht sich um den Konflikt.“

Da alle bisherigen Maßnahmen wie Coaching, moderierte Workshops, Konfliktmoderation nicht zu den gewünschten Veränderungen führten, beauftragte mich der Vorstandsvorsitzende für eine Organisationsaufstellung.

 

Definition und Vorgehen:

Die Systemaufstellung ist eine Methode, bei der die Beziehungsstrukturen und -qualitäten innerhalb eines Systems sichtbar gemacht werden. Handelt es sich bei dem System um eine Organisation oder Teile davon, spricht man von einer „Organisationsaufstellung“.

Der Kunde wählt dabei für alle Elemente des Systems Stellvertreter aus und stellt sie nach seinem inneren (unbewussten) Bild im Raum zueinander auf. Dies können bei einer Organisationsaufstellung z.B. die Führungsebene, Mitglieder eines Teams, aber auch Abstraktes, z.B. ein Projekt mit Ziel, Aufgaben, Ressourcen, Hindernissen… sein.

Sobald die Stellvertreter aufgestellt wurden, haben sie durch die sogenannte „repräsentierende Wahrnehmung“ Zugang zu unbewussten Informationen des dargestellten Systems, die als Körperempfindungen, Gefühle, Impulse, Sätze… wahrgenommen werden. So lassen sich durch Aufstellungsarbeit mittels einer „Raum-Körper-Sprache“ Informationen generieren, die über andere Methoden oft nicht zugänglich sind.

Im weiteren Verlauf der Aufstellung werden – unterstützt durch die Rückmeldungen der Stellvertreter – nach und nach die erforderlichen nächsten Schritte bis zur Lösungsfindung eruiert und vollzogen. Es können auch alternative Lösungsmöglichkeiten nacheinander durchgespielt und in ihrer Wirkung auf das System ganz ohne Risiko getestet werden.

 

Voraussetzungen für die Systemaufstellung:

  • Eine innere Haltung des Respekts und der Achtung aller Mitglieder des Klientensystems (Allparteilichkeit);
  • Absichtslosigkeit: der Aufstellungsleiter nimmt sich mit eigenem Wollen und Wertungen zurück und verzichtet darauf, „es besser zu wissen“ und das Klientensystem zu beeinflussen. Er gibt damit ein Modell für alle Anwesenden und eröffnet einen Raum, der allen Systemmitgliedern erlaubt, so zu sein und in ihrem Sosein wertgeschätzt zu werden.
  • Ressourcen- und Lösungsorientierung: Es wird auf defizitorientierte und lange Problembeschreibungen verzichtet. Alle für eine Lösung notwendigen Ressourcen sind unbewusst bereits im System vorhanden und es gilt, sich darauf und auf die angestrebte Lösung zu fokussieren.
  • Der Auftraggeber hat die Möglichkeit, durch Metakommunikation und Feedbackschleifen auch während des Prozesses immer wieder zu Wort zu kommen.

 

In der Organisationsaufstellung zeigte sich die hintergründige Dynamik. Einer der neuen Vorstände hatte eine hidden agenda: Er spielte nicht mit offenen Karten, sondern verfolgte eigene destruktive Ziele, für deren Erreichung er mit manipulativen Strategien und unlauteren Methoden agierte. Vordergründig war er scheinbar kooperativ und loyal, hintergründig betrieb er aktiv die Spaltung des Systems, um die eigene Macht zu stärken und die Position des Vorstandsvorsitzenden einzunehmen, gemäß der Strategie: Divide et impera!

Erst als diese verborgene Wirklichkeit ans Licht kam und gesehen wurde, konnten adäquate Personalentscheidungen getroffen werden, um den destruktiven, das Unternehmen schwächenden Prozess zu stoppen. Man konnte sich wieder auf die Ressourcen besinnen und gute Lösungen finden.

Seminar zum Thema