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Das Potenzial eines Teams steckt nicht in den Leistungsträgern

Wenn wir versuchen ein Team dahingehend einzuschätzen,welche Chancen und ungenutzten Potenziale sich in der Entwicklung bieten, dann sollten wir zunächst einen Blick auf die drei zentralen Aufgaben eines Teams werfen.

Sven Janka
Sven Janka
Dipl.-Betriebsw. (FH)
  • Der ursprüngliche Zweck eines Teams ist es, seine fachliche Aufgabe zu erfüllen, also einen konkreten Beitrag in der Wertschöpfungskette des Unternehmens zu leisten. Ein Team aus dem Vertriebsinnendienst hat beispielsweise die Aufgabe, Kundenanfragen zu bearbeiten und Angebote zu erstellen. Zur genaueren Betrachtung können Leitfragen wie „Welche Ziele hat das Team und wie erfüllt es diese?“ oder „Sind die Prozesse klar und verständlich?“ hilfreich sein.
  • Die zweite Aufgabe eines Teams besteht darin, Sorge zu tragen, dass die „Institution des Teams selbst“ den Teammitgliedern auch individuell einen spürbarbaren Mehrwert bietet. Jedes Teammitglied muss also auf die eine oder andere Weise einen persönlichen Nutzen aus seinem Teams ziehen können, um ein dauerhaftes Engagement für das Team zu gewährleisten. Der Mehrwert, der das Team darstellt, kann für die Teammitglieder unterschiedlich sein. Für ein Teammitglied kann der fachliche Austausch, für ein anderes Mitglied das Zugehörigkeits- und Wirgefühl in dem Team der Mehrwert sein. Mit Fragen wie „Was ist meinen Teammitgliedern in der Teamarbeit besonders wichtig?“ oder „Was ist denn das Besondere in diesem Team?“ lässt sich der Mehrwert entdecken und bewusst machen. Denn auf der bewussten Ebene lassen sich diese Themen besser beeinflussen und jedes Teammitglied kann aktiv für seinen Mehrwert sorgen.
  • Die dritte Aufgabe eines Teams wird häufig nicht nur ausgeblendet, sondern darüber hinaus von vielen Führungskräften als besonders lästig empfunden: Ein Team muss mit seinen eigenen Dynamiken umgehen zu können. Dabei kann es sich zum Beispiel um eskalierte oder vermiedene Konflikte im Team handeln, die sich auf die Arbeitsfähigkeit der Gesamtgruppe auswirken. In jedem sozialen Netz ist die Frage entscheidend, wie mit den sozialen Themen umgegangen wird. „Wie wird mit Kritik, Fehlern oder Konflikten im Team umgegangen?“ oder „Wie sind die Beziehungen der Teammitglieder untereinander?“ sind Fragen, die bei der Analyse der Dynamiken weiterhelfen können.

Im Alltag wird diese dritte Aufgabe häufig erst in hoch eskalierten Konfliktsituationen augenscheinlich, die im schlimmsten Fall sogar über das Team hinaus ihre Wellen schlagen. Die proaktive Öffnung eines „Raums“ zur Klärung gruppendynamischer Phänomene (und dadurch auch einer räumlich/zeitlichen Begrenzung), kann hingegen Kräfte aktivieren, die wiederum der Bewältigung der fachlichen Aufgabe dienen.

Somit bemisst sich das Potenzial und die Chancen eines Teams nicht nur an der Anzahl der Leistungsträger. Denn unabhängig von der besonders hohen oder besonders niedrigen Performance einzelner Mitglieder entstehen in Teams Dynamiken, die es zu reflektieren und klären gilt. Nicht selten blockiert sich ein Team von Highperformern gegenseitig und umgekehrt, so dass ein „Underdog“ über sich selbst hinauswächst. So gut wie jeder kennt dazu Beispiele aus dem Mannschaftssport. Konkurrenzkämpfe, unterschiedliche Empfindungen im Gruppenerleben und der Bewertung unterschiedlicher Leistungen sind dabei nur einige der häufigsten Erscheinungen in andauernden Gruppenkonstellationen, die unbearbeitet das Engagement und somit die Performance des Teams nachhaltig stören.

Das Potenzial eines Teams bemisst sich folglich sehr stark an der Kooperations- und Konfliktfähigkeit seiner Mitglieder. Schafft es ein Team, über sich selbst Klarheit zu erlangen und seinen eigenen Standort selbst zu bestimmen, stehen plötzlich auch verdeckte Ressourcen zur Verfügung. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, denn diese Gruppenkompetenz lässt sich nicht einfach so herbeiführen. Gleichzeitig ist jedes Teammitglied mit seiner Persönlichkeit gefragt, seinen Teil dazu beizutragen.

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