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Ups, ein Fehler – 5 Tipps für einen entspannteren Umgang mit Fehlern

Warum unser Gehirn nicht perfekt sein möchte und Fehler die Voraussetzung für Innovationen sind 

Fehler – warum sie in unserer Kultur vermieden werden

Wie schwer es in unserer Gesellschaft ist, mit Fehlern konstruktiv umzugehen, zeigt ein deutsches Sprichwort: „Viele Menschen würden mehr aus ihren Fehlern lernen, wenn sie nicht so sehr beschäftigt damit wären, sie abzustreiten.“

Galt seit der industriellen Revolution in westlichen Gesellschaften die Vermeidung von Fehlern als vorbildlich, zeigt der Erfolg ostasiatischer Unternehmen, dass sich produktive Fehlerstrategien – also der positive Umgang mit Fehlern – zu einem messbaren Wettbewerbsfaktor entwickelt haben. In der Finanzkrise um 2008 wurde besonders deutlich, dass Gruppendruck und Zwangskonformität ebenso wie blinde Flecken, Glaubenssätze und Selbsttäuschung zu fehlerhaften Handlungen mit weitreichenden Folgen führen können.

Christiane Brandes-Visbeck
Christiane Brandes-Visbeck

Der Umgang mit „fehlerhaften Handlungen“ ist also ein Kriterium dafür, ob ein Unternehmen langfristig erfolgreich sein wird oder nicht. Diese Erkenntnis hat sich auch bei Managementexperten in Deutschland herumgesprochen. Sie haben gelernt, dass Qualität nur dann zuverlässig abgeliefert werden kann, wenn Führungskräfte und Mitarbeiter aus ihren Fehlern lernen. Doch ist der Wandel von der statischen Bestrafungskultur zur dynamischen Lernkultur mit ihrer wertschätzenden Offenheit und ihren sachlichen Analysen in deutschen Unternehmenskulturen angekommen?

Vielerorts erlebe ich weiterhin Angst davor, Fehler offen zuzugeben. Unabhängig davon, was die Unternehmensführung propagiert, wissen Mitarbeiter sehr genau, in welchen Konstellationen eine positive Fehlerkultur möglich ist und wo man seine Fehler besser vertuscht. Wo man im Team gemeinsam überlegt, wie ein gemachter Fehler schnell behoben werden kann und auf diese Weise lernt, immer besser zu werden. Und in welcher Umgebung Fehler eine willkommene Gelegenheit für Abmahnungen bieten. Wenn die Angst vor Fehlern eine Unternehmenskultur beherrscht, ist die wichtigste Voraussetzung für den digitalen Wandel, eine von Offenheit und Vertrauen geprägte Arbeitsatmosphäre, nicht gegeben.

Fehler – warum sie eine wichtige Voraussetzung für Erfolg im digitalen Wandel sind

Diese Tatsache ist besonders bitter, da Hirnforscher heute sehr genau wissen, wie das menschliche Gehirn funktioniert. Der Neurobiologe Henning Beck erklärt beispielsweise in einem Interview, dass unser Gehirn einerseits Schablonen, kleine Schubladen und Kästchen als Rahmen für Ordnung liebt. Andererseits verarbeitet es aber Informationen nicht so perfekt wie ein Computer. Irgendwann macht es einen Fehler, irgendetwas rutscht ihm durch. Dem Gehirn kommt es gar nicht darauf an, dass wir alles richtigmachen, sondern dass wir überhaupt etwas machen. „better done than perfect“, lautet das Motto des menschlichen Gehirns. Durch sein fehlerhaftes Verarbeiten von Informationen schafft unser Gehirn Varianzen, die uns dazu anregen sollen, Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Menschen, die versuchen, nie etwas falsch zu machen, lernen nicht. Sie werden nie innovativ sein können.

Die Wiederentdeckung der kindlichen Neugierde – und damit der professionelle Umgang mit Fehlern – ist die Voraussetzung für die eigene Transformation.

Meine fünf Tipps für eine neugierige und mutige Unternehmenskultur

  1. Erfolg neu definieren
    Mutiges Denken und Handeln sollte belohnt werden. Unternehmenserfolg bedeutet nicht mehr allein, Vertriebsziele zu erreichen, sondern vor allem, die notwendige Transformation zu bewerkstelligen, um am automatisierten Markt von morgen bestehen zu können. Dazu gehört, mutige Entscheidungen zu treffen, auch wenn sich im Nachhinein herausstellen sollte, dass sie sich nicht bewährt haben. „Fail early. Recover fast“ heißt es dazu in der Startup-Szene. Keine Angst vor Fehlern ist die absolut notwendige Voraussetzung, um neues Denken auf allen Hierarchieebenen vom Azubi bis zum Geschäftsführer zuzulassen und eine Veränderungskultur zu erleben.
  2. Akzeptanz des Unvollkommenen
    Eine angstfreie Innovationskultur funktioniert dann am besten, wenn Top-Manager öffentlich vorleben, wie sie mit ihren eigenen Fehlern umgehen. Wer als Führungskraft makellos dastehen möchte, Fehler vertuscht oder gar dem Team unterjubelt, der kann in einer Veränderungskultur keine Daseinsberechtigung haben. Hier ist Konsequenz auf allen Ebenen gefragt. Besonders „Impulse“-Herausgeber Nikolaus Förster, der sich lange Zeit fragte, ob es klug war, die Zeitschrift in einem Management-Buyout zu erstehen, hat sich dem Thema Fehlerkultur in Deutschland verschrieben. In seinem Buch „Mein größter Fehler. Bekenntnisse erfolgreicher Unternehmer“ berichten 100 Unternehmer/innen wie August Oetker, Dirk Rossmann oder Strickdesignerin Iris von Arnim über ihre größten Niederlagen, Enttäuschungen und Fehlentscheidungen. (https://medien.impulse.de/mein-groesster-fehler/). Zuletzt hat „Impulse“ dies Ende November 2017 auf einer großen Impulse-Konferenz „Aus Fehlern lernen“ thematisiert. Das würden sie nicht tun, wenn das Thema Fehlerkultur kein Big Seller wäre.
  3. Aus Fehlern lernen
    Der ehrliche Umgang mit Fehlern erfordert Mut und ist die absolute Voraussetzung für eine erfolgreiche Selbst-und Mitarbeiterführung. Doch aus Fehlern zu lernen, ist eine schwierige Aufgabe. Denn wir verdrängen gern unsere eigenen Fehler, denken sie klein oder machen andere für sie verantwortlich. Schwarzer Peter spielen und Schuld verschieben sind Königsdisziplinen vielerorts. Und doch: Das menschliche Gehirn ist so angelegt, dass es uns ständig dazu zwingt, mit unseren eigenen Fehlern umzugehen. Wir verlegen unsere Schlüssel, vergessen vor lauter Aufregung die Hälfte unserer Rede oder neigen zu Flüchtigkeitsfehlern in Wort und Schrift. Erst die Reflexion und Auswertung von Fehlhandlungen machen Innovationen und Veränderungen möglich. Nur wer in der Lage ist, die eigenen Fehler zu akzeptieren, da wo sie aus Zeitdruck oder Informationsmangel nicht vermeidbar waren, kann aus ihnen lernen. Und weil wir Menschen die Fähigkeit haben, aus Fehlern zu lernen und mit Misserfolgen umzugehen, ist Evolution möglich.
  4. Statt Fehlersuche positive Definitionen von Handlungen
    Wir sind darauf konditioniert, Fehltritte unter Strafandrohung zu vermeiden und überall Fehler zu finden. Doch wer sich mit Digital Leadership und Motivation durch Mentoring befasst hat, weiß: Wir benötigen mehr Vertrauen in die Menschheit. Wir spüren, dass eine Veränderung notwendig ist, wenn zu viele Konflikte entstehen oder immer wieder dieselben Fehler passieren. Insbesondere Chefs sollten beherzigen, dass die meisten Mitarbeiter ihnen gefallen und damit das Richtige tun wollen. Bestärken wir sie in ihren Entscheidungen. Und bauen wir darauf, dass ein ehrliches Nein unsere Projekte weiterbringt, als ein halbherziges Ja.
  5. Weniger Regelwut – mehr gemeinsames Lernen
    Die Devise „einfach machen“ ist in meinen Augen ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg – gerade in unsicheren Zeiten. Unternehmen ächzen unter der selbstauferlegten Regelwut, die ursprünglich als Kompass diente sollte, um zu sehen, was richtig ist und was falsch. Heute kennt niemand die richtige Route in die Zukunft. Jeder wählt seinen eigenen Weg, um das gemeinsam definierte Ziel zu erreichen. Passende Methoden für diese Reise heißen Design Thinking, Scrum oder Agiles Arbeiten. Sie funktionieren, wenn die Hierarchien flach sind oder zumindest auf jeder Hierarchieebene Entscheidungskompetenzen verankert werden. Wenn es eine klare Zuordnung von Verantwortlichkeiten gibt und den Willen eines jeden Einzelnen, diese auch zu übernehmen, wird die Organisation als Lernendes System überleben. Wenn Menschen verstehen, dass sie nur gemeinsam ans Ziel kommen, wenn sie sich online und offline vernetzen und shared services effektiv nutzen, können sie effektiv und gleichzeitig flexibel zusammenarbeiten. Der Fokus liegt auf den Menschen, auf den Mitarbeitern als Ressource Nummer eins und auf hierarchieübergreifender Zusammenarbeit.

Wer die Idee von unverzeihlichen Fehlern, das Konzept von der Schuld und die Angst vor Strafe überkommen will, muss also mutig sein und Veränderungen leben. Unternehmerischer Erfolg bedeutet, Fehler als Wegweiser für die Zukunft zu akzeptieren. Menschen in Unternehmen benötigen mehr Netzwerke und weniger Hierarchie. Sie sollten Spaß daran haben, sich miteinander auszutauschen und gemeinsam zu lernen. Wer die Komfortzone der Bekannten verlässt und die Prinzipien des Digital Leadership mit den Aspekten Fehlerkultur, Kollaboration oder Co-Kreation vorlebt, wird die Digitale Transformation meistern.

Dieser Artikel unserer Trainerin ist in einer ungekürzten Fassung ebenfalls erschienen bei: https://upload-magazin.de/blog/21738-fehlerkultur/

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