Selbstorganisation im Traditionsunternehmen – von der Herausforderung zur Chance

07.02.2020
Am Anfang war die Mission. An einem windigen, kalten Tag im Januar 2019 fing alles an. Nach einem langen Workshop-Tag tanzten wir ums Flipchart. Niemals vergesse ich diesen Moment. Er war für uns alle bedeutsam, denn das, was dort zu lesen war, sollte die kommenden 12 Monate prägen:
Ewa Scherwinsky
Gastbeitrag
Ewa Scherwinsky

 „Wir sind davon überzeugt, dass Agilität für den Erfolg von Otto essenziell ist. Deswegen leben wir agile Denk- und Handlungsweisen vor. Wir stärken euch in eurer Verantwortung, in Kunden*innenfokussierung, Selbstorganisation und in eurem stetigen Lernen. Dafür entwickeln wir mit euch passende agile Organisationsmodelle. Das tun wir als Mutmacher*innen, Vor- und Querdenker*innen, Coaches und Enabler*innen. Vernetzung und Kollaboration helfen uns, alle Kräfte zu bündeln und Synergien zu nutzen.“

Als ich ins Unternehmen kam, war ich angezündet von der Idee, etwas völlig Neuartiges aufzubauen und mitzugestalten. Es fühlte sich richtig an, als Agile Coach in der eigenen Organisation nicht komplett ins System integriert zu sein und das eigene Budget zu verwalten. Ich wusste aus Erfahrung, dass so etwas funktionieren kann. Für Otto ein Novum. Mir war bewusst, dass einzelne Organisationseinheiten des Unternehmens schon lange Zeit in agilen Strukturen arbeiteten oder dabei waren, sich neu zu formieren oder sich bereits in der Probezeit völlig neuer Arbeitsstrukturen befanden. Das heißt, es gab schon sehr viele interessante neue Organisationsdesigns und Rollen wie Agile Coaches, Scrum Master und People Leads. Otto wirkte auf mich wie ein großer Experimentierbaukasten. Beste Voraussetzungen für den Auftrag, ein Agile Center in der Otto (GmbH & Co. KG) zu gründen.

Ich war überzeugt und optimistisch, dass auch der Schritt, selbstorganisierte Teams im HR-Bereich zu etablieren, in dem wir organisatorisch angesiedelt sind, gelingen würde. Denn auch die Haltung der Bereichsleiterin zeigte, dass sie bereit war, das Experiment zu wagen, Teams, die ehemals Führungskräfte hatten, selbstorganisiert aufzustellen. So viel Vertrauen und Mut hatte ich selten erlebt.

Doch es klingt leichter als es ist, eine komplett neue Form der Zusammenarbeit in eine bestehende Organisationsstruktur zu integrieren. Das „Anspruchsdenken der Anderen“, die Angst, etwas zu verlieren oder loszulassen, ist oftmals groß und behindert. Wir durften lernen, damit umzugehen. Überhaupt durften wir sehr viel lernen, denn wir sind nicht nur einmal ins Fettnäpfchen getreten oder fühlten uns als Fremdkörper in der eigenen Organisation. Was uns immer wieder half und weiterhin hilft, ist der Dialog. Und das Respektieren der Andersartigkeit des Anderen. Das erleben wir übrigens auch im Team: Das Agile Center ist momentan weiblich. Aber durch unsere Unterschiedlichkeit als Menschen haben wir eine viel höhere Diversity als gedacht.

Unsere Geheimwaffe ist unser Zusammenhalt und unsere Verbundenheit, die wir im Laufe der Zeit entwickelt haben.

In meiner Arbeit als Coach, aber auch schon, als ich selbst noch Teil von Produktentwicklungsteams war, habe ich mich viel mit Teams und deren Erfolgsgeheimnissen beschäftigt. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass es für ein Team, egal in welcher Organisationsstruktur, egal in welcher Konstellation, immens wichtig ist, etwas zu haben, das verbindet. Und ich kann nur immer wieder meine Beobachtung teilen: Da, wo wir miteinander in Beziehung gehen, da, wo wir uns aufeinander beziehen, Verbundenheit schaffen, um für eine gemeinsame Sache zu gehen, da steckt jede Menge Power drin. Und diese Power begleitet uns bis heute. Ich habe selten in einem Team mit so viel Rückhalt und gegenseitigem Respekt, so großer Offenheit und so viel Experimentierfreude gearbeitet. Dieses Team ist wie eine Insel. Ein Ort, an den ich jederzeit gerne zurückkehre und mich stärke für jede neue Herausforderung, die auf mich wartet.

Wir wissen, dass wir den Wandel brauchen, um zu überleben. Aber wir wissen auch, dass der Wandel uns braucht. Ein MITEINANDER. Erst das macht uns wirklich erfolgreich.

Wenn Sie mehr über unsere Reise von der Herausforderung zur Chance erfahren wollen, dann besuchen Sie das 5. Akademie-Forum am 26. März 2020 in Frankfurt am Main.