Servant Leadership – wie passt das zur Neuen Wirtschaft?

Servant Leadership – wie passt das zur Neuen Wirtschaft?

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In den 10 Grundsätzen von Servant Leadership stecken starke Botschaften, Wahrheiten,Weisheiten, Verpflichtungen und Handlungsanweisungen, die in turbulenten Zeiten Orientierung und Sicherheit für die Führungspraxis geben können. Diese Handlungsanweisungen können als Nordstern der Führungsarbeit im Sinn von nachhaltiger Orientierung genutzt werden.
Gastbeitrag
Hans-Harry Bittner

Im extremen New-Work-Alltag sollen sich die Strukturen von C-Level, Pyramide mit Top-Down-Ansatz, hierarchischen Ordnungssystemen, Entscheidungsspielräumen oder den Insignien der Macht wie Dienstwagenregelung, Budgetverantwortung, Einkommen, Büroausstattung und Reiseregelungen automatisch auflösen. Doch wie sieht Servant Leadership im Zeitalter von IOT, Digitalisierung, AI, Fachkräftemangel, Generation Z, Kundenorientierung, Nachhaltigkeit, Verkehrsinfarkt, sozialen Spannungen, globalen Verwerfungen, Energie- und Rohstoffengpässen als Führungsprinzip 2019 Punkt Null genau aus?

Was steckt hinter dem Begriff Servant Leadership?

Die Basis dafür bildet eine Sammlung und Beschreibung von erfolgreichen prominenten Führungspersönlichkeiten aus Religion, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im historischen und aktuellen Kontext. Dort werden Aktivitäten beschrieben, Erfolgsrezepte herausgesiebt und ermutigende Handlungsanweisungen für erfolgreiche Veränderungsprozesse gegeben. Damit werden Menschen in Change Prozessen ermutigt, erfolgreiche Lösungsansätze transparent gemacht und in Managementsprache formuliert. Es werden Begriffe wie Trouble Shooting, Storytelling, Start-Up Gründung, Fuckup Erfahrungen, Aktivieren von Followern, proaktivem Inklusions- und Diversitätsmanagement, erfolgreichem Leadership Development und das Führen und Entwickeln einer funktionierenden Community in dem jeweiligen Kontext beschrieben. Alles Themen, die zeitlos sind und auch in der „Neuen“ Wirtschaft den gesunden Menschenverstand und eine Orientierung an den Bedürfnissen der beteiligten Menschen in den Fokus nehmen – bei allen Initiativen von KI, Robotik, Digitalisierung und Automatisierung immer noch ein wesentlicher Faktor zur Realisierung einer profitablen Zukunft.

Robert K. Greenleaf hat die Basis dafür in einem Essay gelegt und 1970 als „The Servant as Leader“ veröffentlicht. Folgende 10 Prinzipien hat er herausgearbeitet:

  • Zuhören und verstehen wollen, 
  • Empathie zeigen, 
  • Heil bringen, 
  • Achtsamkeit praktizieren, 
  • überzeugen statt überreden, 
  • eine Vision formulieren, 
  • Auswirkungen von Entscheidungen auf die Zukunft beachten, 
  • verantwortlichen Umgang mit Ressourcen pflegen, 
  • Menschen in ihrer Entwicklung unterstützen und fördern, 
  • Zugehörigkeitsgefühl zur Gemeinschaft entwickeln. 

Alles keine unbekannten Begriffe und Verhaltensweisen aus der Managementliteratur. Aufgegriffen und weiterentwickelt wurden diese Ideen von diesen Autoren: Ken Blanchard & Phil Hodges (The Servant Leader), Blanchard & Hodges (Lead Like Jesus), Owen Phelps, Ph.D. (The Catholic Vision for Leading Like Jesus). Diese Autoren definieren heute drei Rollen der Führungskraft als S3:

  • S1 Servant: Führung als Service 
  • S2 Steward: verantwortungsvoller Verwalter der Ressourcen und 
  • S3 Shepherd: Versorgung und Liebe für die Menschen.

Nach diversen Forschungen und Erkenntnissen zur Wirksamkeit dieser Prinzipien werden diese Verhaltensweisen in moderne Formate gebracht und erfolgreich vermarktet von z.B. von Simon Simek (Start with Why), Brene Brown (Daring Greatly, Rising Strong), Martin Seligman (Flourish), Kim Cameron (Positive Leadership), Steve Covey (7 Habits of Effective Leaders), Neville L. Johnson (The Tom Wooden Pyramid of Success), Robert Levering (A Great Place to Work).

Wie passt das in die Welt der Neuen Wirtschaft hinein?

In der Kurzfristperspektive von Quartalsbetrachtungen auf der kulturellen und persönlichen Ebene der Begegnung: 

  • Kümmere Dich um die Befriedigung der Grundbedürfnisse Deiner Mitarbeitenden. 
  • Biete Ihnen Nahrung, Schutz und Entwicklungsmöglichkeit. 
  • Sorge regelmäßig für gesunde Getränke, vitalisiere sie durch stärkende Ernährung, Trinkpausen, Power Napping, Bewegung, Sauerstoff, ausreichende Lichtqualität und die Möglichkeit zur Lebensgestaltung in der eigenen Familie. 
  • Sei kein zu strenger Kampfrichter, um Menschen abzuwerten oder auszusortieren (Lessons Learned und konstruktive Lern- und Fehlerkultur), sondern bilde eine attraktive und zusammenwirkende Gemeinschaft, die als vitales und agiles System handelt. 

Damit schaffst Du das notwendige Vertrauen, um die absehbaren Veränderungen erfolgreich zu bewältigen und auch überraschende Entwicklungen mit gemeinsam abgestimmten und auf die Zukunftsfähigkeit ausgerichteten Aktivitäten zu beantworten. Nur eine emotional, physisch und sozial gesunde Organisation kann sich den Ängsten, Erwartungen, Anforderungen, auch den Überforderungen der hohen globalen und technologischen Entwicklungsgeschwindigkeit stellen. Kulturen, die dem Überlastungskult huldigen, übertriebene Selbstzufriedenheit zur Schau stellen oder Ignoranz gegenüber den Menschen praktizieren, werden ungewollte disruptive Erfahrungen sammeln, verlieren an Engagement und werden in Summe mehr Aufwand für ein würdiges Überleben betreiben müssen.

Für die zukunftsorientierte strategische Ausrichtung bedeutet das: Fühle regelmäßig und mindestens in wöchentlichen Abständen den Puls Deines Unternehmens mit online Tools oder in lokalen Meetingritualen und Arbeitsmethodik (Agile, Scrum, Standupmeetings, Kaffeepausen, Lunch with the Leader, Town Hall Meetings etc.). Nur vor Ort im direkten Kontakt und als Vorbild an Zuversicht und Engagement kann der Wandel in den Teams, Abteilungen und Organisationseinheiten gelingen. Dann besteht ausreichend Bereitschaft, Prozesse und Kultur gemeinsam weiterzuentwickeln und die Beschäftigungsfähigkeit wie das Überleben zu sichern.

Wie können wir die erfolgreiche Reise in die Zukunft unterstützen?

Der Investitionszeitraum sollte langfristig und die dafür bereitgestellten Beträge sollten so hoch sein, dass die Kinder Deiner Mitarbeitenden auch noch eine Zukunft in der Organisation haben werden. 

  • Die Entwicklung von fachlich und persönlich qualifizierten Mitarbeitern braucht Zeit und Geld. Ein Prozent des Jahresgewinns reichen unter Umständen dafür nicht mehr aus. 
  • Training, Coaching für Mitarbeiter und Führungskräfte, dauerhafte Arbeit mit den Menschen kann nicht nebenbei oder nach 18:00 Uhr erfolgen, sondern braucht den höchsten persönlichen Zeiteinsatz. 
  • Ohne dieses Engagement geht die Schere zwischen Fachabteilungen, Persönlichkeiten, Autorität, Verantwortlichkeit und Wirkkraft noch weiter auseinander, wie es schon die alten Philosophen wussten: „In der Organisation, wo zu sehr zwischen Experten und Anwendern, Führungskräften und Mitarbeitenden unterschieden wird, wird bald das Denken von Feiglingen übernommen und die Arbeit von Idioten ausgeführt.“ (Frei nach Thukydides, griechischer Historiker).

Welchen dauerhaften Einsatz sollte eine dienende und transformierende Führungskraft aufwenden? Getreu dem Motto „Win or Learn!“ Ein falsches Vorbild durch Erzeugen von Burnout, der Verursachung von psychischen oder physischen Krankheiten in der Unternehmung, widerspricht sowohl dem Gedanken des Servant Leadership als auch einer angemessenen Serviceleistung mit der Extrameile wie auch dem Gedanken, mit den vorhandenen Ressourcen nachhaltig umzugehen.

Damit wünsche ich Ihnen viel Erfolg und gute Energien bei der gelingenden Transition in eine freundliche Zukunft auch im Jahr 2019!