Sicher in der neuen Führungsrolle

12.06.2019
„Wenn ich auf meine Karriere im Unternehmen zurückschaue, war die größte und anspruchsvollste Veränderung für mich persönlich der Wechsel vom Fachexperten hin zu meiner ersten Führungsaufgabe.“ So der Kommentar einer erfahrenen Führungskraft kürzlich in einem Workshop. Wie ihr geht es vielen!
Sebastian Mauder
Sebastian Mauder

Beim Schritt von der Mitarbeiterebene in die Führung verändert sich fast alles im individuellen Arbeitsalltag, das ist in mehrfacher Hinsicht eine echte Herausforderung. Was können Sie tun, damit Ihnen dieser anspruchsvolle Schritt gelingt – auch wenn Sie anfangs noch nicht das Gefühl haben, sich auf sicherem Terrain zu bewegen?

Hier zehn Tipps für einen guten und souverän wirkenden Einstieg in Ihre erste Führungsrolle:

1. Neue Rolle

Vollziehen Sie den Rollenwechsel in Kopf und Herz – Sie sind jetzt Führungskraft! Ab sofort haben Sie eine andere Rolle mit anderen Aufgaben und einer anders gelagerten Verantwortung. Das heißt auch: Lassen Sie Ihre Mitarbeiterrolle los, mit allen dazugehörenden Gewohnheiten, auch wenn Sie diese lieb gewonnen haben!

2. Erster Überblick

Verschaffen Sie sich zügig einen ersten groben Überblick über Personen, Aufgaben, Prozesse, Stakeholder und wichtige Schnittstellen. Nutzen Sie hierzu Strukturierungs und Visualisierungstechniken, etwa ein großes Teamboard.

3. Kennenlernen

Machen Sie gleich zu Beginn ein erstes Meeting mit Ihrem Team und stellen Sie sich vor – die Leute sind neugierig. Darüber hinaus geben Sie Ihrem Team erste Hinweise, wie Sie so ticken und worauf Sie Wert legen, äußern erste Erwartungen an die Zusammenarbeit und geben einen Ausblick, wie Sie sich die kommenden Wochen vorstellen.

4. Vier-Augen-Gespräch

Terminieren Sie Einzelgespräche mit jedem Ihrer Mitarbeiter. Lernen Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen. Interessieren Sie sich für die Person, die Ihnen gegenübersitzt, für ihre Stärken, Interessen und Wünsche. Fragen Sie nach Erwartungen an Sie als Chef. Und fragen Sie, was die Person aktuell am meisten hindert, ihren Job zu machen.

5. Beobachten

Gehen Sie in den ersten Wochen behutsam mit Veränderungen um. Nehmen Sie sich Zeit zum Beobachten des Vorhandenen und lernen Sie von Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Lernen Sie über die Dinge, die gut laufen. Und lernen Sie über die Dinge, die aus Ihrer Sicht oder aus Sicht Ihrer Mitarbeiter nicht gut laufen. Folgen Sie nicht Ihrem ersten Reflex, scheinbar einfach veränderbare Dinge schnell zu ändern. Zumeist verbirgt sich mehr dahinter.

 6. Kultur verstehen

Lernen Sie nach und nach auch über die „Kultur des Teams“ – also die Art des Umgangs miteinander und die versteckten Regeln und ungeschriebenen Gesetze, nach denen Situationen und Probleme behandelt werden.

7. Workshop

Entwickeln Sie mögliche Veränderungen mit Ihrem Team gemeinsam, etwa in einem zweitägigen Teambuilding-Workshop zwei bis drei Monate nach Ihrem Rollenwechsel. Hier können Sie Ihre Beobachtungen geschickt einbringen und diskutieren oder gemeinsam daran arbeiten, die Hindernisse zu beseitigen, die Ihre Mitarbeiter genannt haben. Sie können gemeinsam eine Vision für das Team oder Werte für das künftige Miteinander erarbeiten. Und Sie können noch mehr „Anleitung zu sich selbst“ geben oder Prozesse und Kommunikationsformate überprüfen und anpassen. Organisieren Sie, wenn möglich, für den Workshop externe Moderation, damit Sie sich voll und ganz inhaltlich einbringen können.

8. Selbstsicherheit und Auftreten

Gehen Sie mit Ihren eigenen Unsicherheiten und Schwächen angemessen um. Machen Sie keinen Hehl daraus, dass Sie neu sind und noch lange kein Experte für die Aufgabe sind. Sie erscheinen menschlicher und nahbarer, wenn Sie auch als Chef nicht alles können oder auch die eine oder andere Schwäche haben. Versuchen Sie also nicht, Ihre Schwächen auf Teufel komm raus zu verbergen. Andererseits ist es nicht angemessen, bei jedem Auftritt zu erwähnen, dass Sie noch neu sind oder noch nicht so viel Erfahrung haben, um die Anwesenden indirekt zur Milde im Urteil zu bewegen.

9. Lernkultur

Etablieren Sie mit Ihrem Team eine gemeinsame Lernkultur, in der gegenseitiges ehrliches und wertschätzendes Feedback und gemeinsame Retrospektiven, bezogen auf einen Zeitabschnitt oder ein abgeschlossenes Projekt, zum Standard gehören. Investieren Sie dazu in Ihre Feedback-Kompetenz und in die Ihrer Mitarbeiter.

10. Gelassenheit und Humor

Bleiben Sie bei aller Ernsthaftigkeit der Situation ein Stück gelassen, behalten Sie Ihren Humor und haben Sie ab und an auch Spaß in Ihrer neuen Rolle. Verbissenheit ist selten hilfreich. Nicht alles gelingt gleich beim ersten Versuch und Sie dürfen auch Fehler machen. Machen Sie Ihre eigenen Erfahrungen und ziehen Sie Ihre Lehren daraus. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!