Virtuell führen? Das meint die Hirnforschung dazu …

19.07.2017
Wie geht es Ihnen beim „virtuellen Führen“ als beteiligte Person in welcher Rolle auch immer? In Zeiten von New Work ist es gang und gäbe, dass der eine von Zuhause aus tätig ist, die andere unterwegs von Kunde zu Kunde ist, weitere Kolleginnen und Kollegen eines (Projekt-)Teams an verschiedenen Standorten des Unternehmens ihren Hauptsitz haben.
Hanspeter Reiter
Gastbeitrag
Hanspeter Reiter

In Zeiten von Social-Media bilden sie durchaus auch Communities auf jeweils gewählten Plattformen, von WhatsApp-Gruppen über Sharepoint bis zu individuellen Intranet-Lösungen. Worauf kommt es an, Beziehungen jenseits des persönlichen Kontakts zu pflegen und die Sacharbeit konsequent zu entwickeln? Werfen Sie mit mir einen Blick auf Erkenntnisse der Neurowissenschaften, die helfen können …

Ein Beispiel aus dem Leben eines Medien-Unternehmens

Bleiben wir in Deutschland, um interkulturelle Aspekte weitestgehend außen vor zu lassen: Gerade ist die TelKo beendet, die ich als externer Berater eines Outsourcing-Prozesses begleitet habe. Geführt vom zuständigen Bereichsleiter, zusammen mit der Projektleiterin und weiteren Mitarbeitenden. Fast exakt die halbe Stunde eingehalten, die geplant war. Womit ein erstes wichtiges Momentum genannt ist: Halten Sie sich strikt an vereinbarte Zeiten! Vermeiden Sie so hoffentlich „Multitasking“ von Teilnehmenden, was natürlich mit „Blick-Kontakt“ einfacher wird, also Video- statt Audio-Konferenz. Das schaffen Sie schon mithilfe von Skype – und erweitern zugleich das Sinnen-Spektrum. Setzen Sie beim Telefonieren nur den Audio-Kanal ein, kommt in der Video-Konferenz immerhin das Sehen dazu. Sorgen Sie möglichst auch noch für haptisches Erleben, sind die drei zentralen Sinne gebunden: Hören, Sehen, Fühlen. Schon ist die Konzentration aufs Wesentliche sicher gestellt, nämlich auf den aktuellen Austausch im Team. Haptik? Ja, etwa durch Ausdrucke (anstelle rein digitalen Lesens), Schreiben mit Stift (statt nur Wischen auf dem Monitor), Muster von Produkten – angekündigt und gefordert per Agenda!

Wer fragt, der führt

Auch das ist „ein alter Hut“, doch umso wichtiger beim virtuellen Führen, auch schriftlich via Chat (synchron) oder auch asynchron bei ausgetauschten Text-Nachrichten: Fragen Sie (noch) mehr als im Face-to-face-Kontakt üblich, und zwar als Geführter wie auch als Führungskraft! Typische Fragen können sein: „Habe ich das richtig verstanden: (wiederholen)?“ – „Was genau meinen Sie damit, wenn Sie sagen (wiederholen)?“ – „Was sonst …?!“. – Darüber dann auch mehr im kommenden Monat, wenn es um Kommunikation geht!

Einige Hinweise vonseiten der Neurowissenschaften in der Übersicht: Was virtuell-digital positiv wirken kann …

  • Belohnung: Dopamin. Setzen Sie also verstärkt darauf, Feedback einzubauen – kleine Belohnungs-Einheiten, die unmittelbar wirken!
  • Konsistenz – bei GenZ besonders relevant! Erfüllen Sie also Erwartungen, die Sie wecken. Dazu gehört etwa, Zeiten strikt einzuhalten – wie auch die gegebene Agenda.
  • Häppchen = 7 Bits sind ok. Das kennen Sie evt. aus der Informations-Technologie: Ca. 7 Informations-Einheiten kann das menschliche Gehirn „auf einmal“ verarbeiten. Fassen Sie zwischendurch kurz zusammen und beginnen Sie einen neuen Gedanken mit 1. Pause und 2. angekündigt: „Kommen wir jetzt zu …“. Unterteilen Sie Ihre Agenda ggf. hierarchisch gestuft in kleine units.
  • Formate individuell: Serotonin! Beachten Sie, dass die von Ihnen Geführten unterschiedliche Typen spiegeln. Damit meine ich, dass je nach Limbic Type (Gruppe Nymphenburg) eher Stimulanz gefragt ist, also Abwechslung und immer wieder Neues. Sie haben von der Aufmerksamkeits-Spanne gelesen? Dominanz-orientierte Menschen wollen z.B. persönlich angesprochen werden und „gieren“ nach Feedback – positivem möglichst. Und Balance? Bieten Sie Sicherheit, siehe oben Konsistenz. Um möglichst alle zu bedienen, wechseln Sie z.B. auch zwischen Telefon- und Video-Konferenz.
  • VR & AR = eher sinn-voll. Wenn Sie zudem für Raumgefühl sorgen können, voila! Mithilfe von Virtual-Reality und Augmented Reality (angereicherte natürliche Umgebung) wird das künftig besonders eindrucksvoll möglich werden. Aktuell bedienen Sie dieses 3D-Bedürfnis durch ein Learning-Management-System: Orientieren Sie sich über Angebote via Stichwort eLearning!