Warum wir ein neues Verständnis von „Lernen“ in der Arbeitswelt brauchen

13.01.2020
Mit dem Begriff des Lernens verbinden wir in der Regel die Aktivität, die wir in der Schule, im Studium, in der Ausbildung oder für irgendwelche Zertifikate tun müssen, um gute Ergebnisse zu erzielen. Daraus entsteht häufig eine starke Abneigung gegen den Begriff an sich und die Tätigkeiten, die wir damit verbinden.
Benjamin Jaksch
Benjamin Jaksch

Unsere Fähigkeit zu lernen, uns konstant auf sich verändernde Rahmenbedingungen anzupassen und wieder und wieder kreative Lösungen für unsere zunehmend komplexen Probleme zu finden, ist allerdings unser wichtigster Verbündeter in Zeiten großer Veränderungen.

Wenn neue Technologien verursachen, dass sich Arbeitsabläufe ändern, ganze Organisationen und Branchen transformiert werden und Fachwissen in vielen betroffenen Bereichen sehr schnell veraltet, bekommt „Lernen“ plötzlich einen viel höheren Stellenwert.

Während es in der Vergangenheit gern gesehen war, dass Mitarbeiter auch im Arbeitsleben regelmäßig dazulernen, so ist es jetzt in vielen Branchen und Positionen absolut notwendig, um als Mitarbeiter an sich und als Organisation im Ganzen überhaupt wettbewerbsfähig zu bleiben.

Was bedeutet das konkret? Wie können Sie dieser Herausforderung am besten begegnen? Was muss sich dafür auch im Unternehmen ändern? Hier sind sechs Ansätze, bei denen Sie beginnen können:

  1. Unser Gehirn lernt zwar automatisch, jedoch nicht immer genau das, was wir gerade wollen. Wenn wir also unsere Lernfähigkeit zu unserem Vorteil nutzen wollen, brauchen wir eine Struktur für unser Lernen. Das beginnt bei einer konkreten Zielsetzung und wird durch Reflexion abgerundet.
  2. Unser Gehirn ist zwar neurobiologisch nach wie vor nicht vollständig verstanden, wir können allerdings die Prozesse, die für erfolgreiches Lernen im menschlichen Gehirn notwendig sind, sehr gut nachvollziehen. Sie können ihre eigene Lernfähigkeit deutlich besser einsetzen, wenn Sie mehr über diese allgemeinen Prozesse erfahren.
  3. „Lernen auf Vorrat“, wie wir es aus Unterricht oder Vorlesungen kennen, ist größtenteils absolut ineffizient, weil unserem Gehirn der nötige Kontext fehlt oder aber wir das Wissen nicht direkt anwenden können. Je näher Wissensvermittlung und die Anwendung dessen zusammenkommen, desto besser für den Lernprozess.
  4. Auf lange Sicht ist nicht entscheidend, was Sie genau in welcher Situation gelernt haben und welches Fachwissen Sie besitzen, sondern dass Sie ein Bewusstsein für ihren eigenen Lernprozess entwickeln, um wieder und wieder neue Inhalte lernen zu können. Denn jeder Mensch lernt auf seine eigene Art und Weise ganz individuell. Je mehr Sie über sich als „Lerner“ wissen, desto erfolgreicher setzen Sie Ihre Lernfähigkeit ein.
  5. Lernen ist nicht der Vorgang, den wir tun, um gute Leistungen zu erzielen, sondern Lernen ist das, was wir tun, um unsere Arbeit besser, effizienter und selbstständiger zu erledigen. Deswegen brauchen wir auch im Arbeitsalltag mehr Raum dafür.
  6. Das menschliche Gehirn lernt am besten, wenn es begeistert wird. Wir müssen also einen Weg finden, in unseren Unternehmen eine Lernkultur zu schaffen, die geprägt ist von Freude, Erfolgserlebnissen und Sinn. Denn Druck, Stress, Angst und Zwang hindern das Gehirn am Lernen.

 Diese Ansätze zeigen sehr gut, dass sich das Thema Lernen auf alle Hierarchiestufen, Tätigkeiten und Bereiche des Unternehmens auswirkt. Die Haltung von Mitarbeitern in einer Organisation gegenüber ihrer Weiterbildung und Weiterentwicklung wirkt sich auch unmittelbar auf ihre Arbeitsweise aus. Wer sich als selbstverantwortlichen und selbstorganisierten Lerner begreift, agiert auch flexibler, adaptiver und bewusster in seinem Arbeitsalltag. Deswegen ist es so wichtig, dass der Begriff des Lernens ein neues Verständnis bekommt und Unternehmen dem Lernprozess der Mitarbeiter mehr Freiräume zugestehen.

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