„Move or Be Moved“ – Oder warum wir in Krisenzeiten innovativ sein müssen

02.09.2020
Laut aktuellen Studien von IBM und LinkedIn sind Kreativität und innovatives Denken nicht nur die wichtigsten Leadership-Eigenschaften, sondern auch die am meisten nachgefragten Sozialkompetenzen in Unternehmen. Und noch wesentlicher: internationale Studien des World Economic Forum haben herausgefunden, dass Innovationen der wichtigste Wachstumsmotor für Unternehmen sind.
Nicolai Schümann
Nicolai Schümann

Aber sollen und können wir in Krisenzeiten wie dieser wirklich in Innovationen investieren? In Zeiten, in der wir alle Hände voll damit zu tun haben, den Status Quo zu verteidigen und oftmals das nackte wirtschaftliche Überleben sichern müssen?

Die Antwort ist: Gerade in Krisenzeiten sollte in Innovation investiert werden.

 

Der Berg ist die beste Gelegenheit zum Angriff

Krisen können, wenn sie richtig genutzt werden, ein hervorragender Nährboden für Innovationen und zukünftigen Erfolg sein. Denn in Krisen gelten andere Regeln als in gewöhnlichen Zeiten. „Normale“ Geschäftsprozesse und Produkte werden über Nacht situationsbedingt durch neue ersetzt, um sie an die neuen Gegebenheiten und Kundenwünsche anzupassen. Neue Marktteilnehmer tauchen auf und bringen das bestehende Marktgefüge gehörig durcheinander. Oder wer hat vor wenigen Monaten schon mal von Zoom gehört?

Im besten Falle kann man eine Krise dafür nutzen, sich von der Konkurrenz abzusetzen. Denken Sie nur an eine Analogie aus dem Radsport: Die Sieger werden ausgemacht, wenn es auf den schwersten Teil des Rennens geht: den Berg. Bergab kann jeder schnell sein, aber nur wenn es lange und steil bergauf geht, dann trennt sich die Spreu vom Weizen.

 

Wirtschaftlich erklimmen wir gerade den vielleicht steilsten Berg seit Jahrzehnten. Also greifen Sie jetzt an und seien Sie innovativ! Wenn Sie darauf warten, was Ihre Konkurrenz und das Umfeld machen, könnte es schon zu spät sein. Move or Be Moved!

Eine aktuelle Studie von McKinsey hat bewiesen, dass Unternehmen, die in der Finanzkrise von 2009 in Innovation investiert haben, nicht nur stärker aus der Krise gekommen sind, sondern im Durchschnitt auch um 30% schneller gewachsen sind als ihre Konkurrenz.

Wenn man weiter in die Wirtschaftshistorie zurückblickt, wird noch deutlicher, dass Krisen und Innovationsaktivitäten Hand in Hand gehen. Die „Lange Krise“ von 1873-1896 und die „Große Depression“ in den 1930er Jahren gelten allgemeinhin als innovativste Perioden der Menschheitsgeschichte. Sie haben unter anderem bahnbrechende Innovationen hervorgebracht, wie die Glühbirne, das Radio, den Kühlschrank, die Dampfturbine, die Magnetische Aufnahmetechnik und viele, viele mehr.

 

Knappe Ressourcen sind gut für Innovationen

Es gibt den weiterverbreiteten Trugschluss, dass Innovationen teuer sind und viele Ressourcen in Anspruch nehmen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Der Vorteil von Innovation ist, dass „weniger mehr ist“: Innovationen brauchen Knappheit, Einschränkungen und gar Schieflagen.

Denn „Not macht erfinderisch“: Kleine Teams sind beweglicher und handlungsschneller als große Teams. Kleine Budgets zwingen zu schnelleren Entscheidungen und enge Deadlines sorgen dafür, dass kritische Annahmen schon früh im Prozess sorgfältiger und rigoroser durchleuchtet werden.

Oder wer hätte vor einem halben Jahr gedacht, dass Auto- und Elektronikhersteller lebenswichtige Beatmungsgeräte in Rekordzeit entwickeln und herstellen können? Oder dass Spirituosenhersteller Desinfektionsmittel produzieren? Oder dass unternehmenskritische Großprojekte auf einmal komplett virtuell gesteuert und umgesetzt werden können?

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für Innovation. In stabilen Zeiten erhalten wir den Status Quo, aber eine Krise ist der Freund des Erfindertums. 

 

Fehler sind besser als Inaktivität

Sehen Sie die momentane Krise als Geschenk. Das Wort Krise kommt aus dem Alt-Griechischen „Krisis” was sinngemäß bedeutet: ein kritischer Punkt, an dem eine Veränderung kommen muss.

Also verändern Sie! Manchmal werden wichtige Veränderungen auf die lange Bank geschoben und unangenehme Entscheidungen werden vertagt. Krisen aber zwingen uns zu handeln und geben uns einen guten Grund endlich Veränderungen zu schaffen.

Eines der wichtigsten Dinge für Innovationen ist: Handlung. Handeln Sie, schnell und oft. Oder anders ausgedrückt: Experimentieren Sie. Es ist meistens besser Fehler zu machen, als abzuwarten und gar nichts zu tun.

Auch müssen Innovationen nicht zwangsläufig in neuen Produkten resultieren, sondern man kann vorhandene Ressourcen effektiv und kreativ modifizieren. Z.B. ist jetzt eine gute Zeit darüber nachzudenken, ob man andere Vertriebskanäle nutzen kann. Vielleicht gibt es auch ungenutzte Ressourcen in Ihrem Unternehmen, die man jetzt gewinnbringend nutzen oder gar zu anderen Zwecken umfunktionieren kann? Es ist auch eine gute Zeit, um ungewöhnliche Partnerschaften aufzubauen, die das finanzielle Risiko nicht nur minimieren, sondern auch ungeahnte Synergieeffekte bringen können.

Was auch immer Sie tun, vernachlässigen Sie Ihre Innovationsaktivitäten nicht.

Alles ist im Fluss. Die Wirtschaft wird sich erholen und bessere Zeiten sind in nicht allzu weiter Ferne.  Lassen Sie diese Krise nicht ungenutzt vorbeiziehen. Seien Sie proaktiv, mutig und innovativ. Es wird sich auszahlen!

Passendes Training zum Thema