Wie Sie Lernen am Arbeitsplatz unterstützen können

18.09.2018
Lernen am Arbeitsplatz ist unsichtbar. Meistens bemerken wir es nicht. Lernen passiert jeden Tag millionenfach, ohne dass es so genannt wird:
Patrick Hypscher
Gastbeitrag
Patrick Hypscher
  • wenn eine Mitarbeiterin intern einen Ansprechpartner gesucht und schließlich gefunden hat
  • wenn ein Mitarbeiter einem Kollegen eine für ihn neue, hilfreiche Software-Funktion erklärt
  • wenn eine Mitarbeiterin ein neues Projekt übernimmt, eine neue Software, einen neuen Kunden oder neuen Prozess einführt

Wo versteckt sich dabei das Lernen? Lernen am Arbeitsplatz geschieht dann, wenn Mitarbeiter bei der Erledigung einer Aufgabe neue, kürzere oder bessere Wege entdecken. Zuvor hatten sie nicht das Wissen oder die Routine, sahen sich deshalb nicht oder nur eingeschränkt in der Lage, ihre Aufgabe zu erledigen. Mit neuen Informationen oder besseren Arbeitsweisen gelingt diese Aufgabe nun leichter.

Der Vorteil vom Lernen am Arbeitsplatz ist: Er ist unmittelbar erkennbar. Das Lernen ist zielgerichtet, auf die zu erledigende Aufgabe bezogen. Im Fokus steht nicht das Lernen als Selbstzweck, sondern die zu erledigende Aufgabe. Gelernt wird im Hinblick auf einen konkreten Bedarf am Arbeitsplatz. Wenn als Ergebnis ein Prozess schneller läuft, ein Konflikt gelöst wird oder sich Produkte erfolgreicher verkaufen, ist der Mehrwert des Lernens offensichtlich.

Zu oft haben wir noch einen Lernbegriff, der an Seminarräume, e-Learnings oder Bücher gebunden ist. Allerdings: Auf diesem Wege wird wenig oder nur in Ausnahmefällen gelernt - das ist mittlerweile bekannt. Ein Grund ist die oftmals unscharfe Ausrichtung am Bedarf der Teilnehmer. Ohne saubere Bedarfsanalyse wirken diese Maßnahmen eher wie eine Gießkanne, die über alle Teilnehmer zu viel von den irrelevanten und zu wenig von den für sie hilfreichen Inhalten „ergießt”.

Gleichwohl sind passgenaue und gut gemachte Trainings und e-Learnings wirksam. Mitunter sind sie sogar deutlich hilfreicher als andere Formate. Allerdings lohnt es sich, das Lernen am Arbeitsplatz in den Fokus zu rücken. Was können die Beteiligten nun tun, um dieses Lernen zu unterstützen?

Was Mitarbeiter tun können:

  • Den Blick für Hindernisse schärfen: Erst das Bewusstsein für zu überwindende Probleme erlaubt die Suche nach Hilfe und anschließendem Lernen.
  • Den Blick heben: Viele Probleme wurden bereits von anderen Teams, anderen Organisationen oder gar im Freizeit-Bereich überwunden ‒ mitunter liegt die Antwort nahe, aber nicht genau im Blickfeld.
  • Das eigene Wissen teilen: Wer offen über Informationen und Praktiken spricht, die für ihn selbstverständlich sind, hilft Kollegen bei der Bewältigung von neuen Aufgaben.

Was Führungskräfte tun können:

  • Bewusstsein für Hindernisse schärfen: Von außen sieht es sich manchmal besser. Führungskräfte können wertvolle Sparringspartner sein, um Bedarfe zu erkennen und Wege zu Lösungen aufzuzeigen.
  • Ihre Erwartungen an die Weiterentwicklung der Mitarbeiter klar kommunizieren: Klarheit hilft allen Beteiligten. Sofern sich die Führungskraft eine Weiterentwicklung von Mitarbeitern in einem bestimmten Bereich wünscht, sollte dies klar kommuniziert werden.
  • Zeit, Geduld und Geld für das Lernen bereitstellen: Neue Pfade sind zu Beginn noch nicht ausgetreten und vertraut. Man geht langsamer und behutsamer. Lernen braucht Zeit und Ausprobieren ‒ dies sollte von der Führungskraft unterstützt werden.

Was HR tun kann:

  • Die Hindernisse der Zielgruppe kennen: Jedes Entwicklungsangebot ist eine Antwort auf ein Bedürfnis aus der Belegschaft. Je besser HR die Bedürfnisse ihrer „Kunden“ kennt, desto passender die Angebote.
  • Wissensträger sichtbar machen: Unglaublich viel Wissen ist bereits in den Organisationen vorhanden. Wenn es sichtbar und zugänglich ist, kann es auch genutzt werden.
  • Zugänge zu Wissensressourcen schaffen: Jede Frage wurde im Internet bereits gestellt und viele davon sind bereits beantwortet. Informationsquellen wie YouTube, Twitter oder interne Bibliotheken sollten einfach (!) erreich- und durchsuchbar sein.

Lernen am Arbeitsplatz ist so vielfältig, wie es die Arbeitsplätze selbst sind. Glücklicherweise lernen wir bereits, ohne dass es uns jemand sagen müsste. Gar nicht auszudenken, wenn dieser Prozess gefördert wird! Was können Sie dazu beitragen?