Zuhören im Coaching – was wirkliches Zuhören bewirken kann

09.08.2019
„Wenn Dir jemand wirklich zuhört, ohne dich zu verurteilen, ohne dass er den Versuch macht, die Verantwortung für Dich zu übernehmen oder Dich nach seinen Mustern zu formen – dann fühlt sich das verdammt gut an. Jedes Mal, wenn mir zugehört wird und ich verstanden werde, kann ich meine Welt mit neuen Augen sehen und weiterkommen. Es ist erstaunlich, wie scheinbar unlösbare Dinge doch zu bewältigen sind, wenn jemand zuhört.“ Carl Rogers
Andrea Hoberg
Andrea Hoberg

Wirklich zuhören ist im Coaching das A und O.

In allen zwischenmenschlichen Kontakten und Beziehungen spielt das Zuhören eine bedeutende Rolle, so auch in der Beziehung zwischen Coach und Coachee.

 

Zuhören, so wie es Carl Rogers beschreibt, heißt präsent sein. D.h. frei von Vor-urteilen, Vorstellungen, Interpretationen. Der Coach begegnet dem Coachee ohne Lösungen und Ratschläge. Dabei ist der Coach aufmerksam und achtsam und nimmt eine neutrale Haltung ein, die es ihm ermöglicht, zu hören, worum es dem Coachee wirklich geht.

 

Vor einiger Zeit hat sich eine junge Frau bei mir gemeldet.

Im Mitarbeitergespräch hatte ihr Vorgesetzter ihr eröffnet, dass er sie für eine Bereichsleiterinnenstelle vorgesehen hat. Einerseits war sie erfreut darüber, dass ihr Einsatz und ihre Leistung gewürdigt wurden. Doch gleichzeitig spürte sie in sich ein Unbehagen, das sie nicht verstand. Es war weder Angst vor der Verantwortung noch Angst, dass sie es nicht schaffen würde. Es war ein Gefühl, das sie bis dahin noch nie bei sich bemerkt hatte. Darüber irritiert, suchte sie mich auf.

Sie wollte verstehen, weshalb sich neben der Freude über die Anerkennung und Wertschätzung gleichzeitig ein Knoten in ihrem Bauch bildete, wenn sie daran dachte, die Bereichsleitung zu übernehmen.

Diese Beförderung wäre folgerichtig der nächste Schritt in ihrer Karriere gewesen. Doch war es das, was sie sich gewünscht hatte? War es wirklich das, was sie wollte? Sie zweifelte.

 

Ich hörte ihr mit Anteilnahme aufmerksam zu. Ich hatte keine eigenen Vorstellungen darüber, was für die junge Frau das Richtige wäre. Ich war einfach nur da – präsent – stellte hin und wieder offene Fragen, die die Coachee immer tiefer zum Kern führten.

Ich hörte hinter ihre Urteile, ihre Vorstellungen und Glaubenssätze, ihre Kritik und ihre Interpretationen und übersetzte diese in ihre Bedürfnisse und Gefühle. So hatte sie das noch nie gesehen, sagte sie zu mir.

 

Indem die Coachee ihre Bedürfnisse erkannte, waren alle Zweifel wie weggeblasen. Sie war plötzlich ganz klar, was sie wollte und was nicht.

Als sie gehört wurde, worum es ihr wirklich ging, konnte sie eine klare Entscheidung treffen. Sie wollte die Beförderung annehmen unter der Voraussetzung, dass sie vor Antritt der neuen Stelle einen 3-monatigen Sabbatical nehmen konnte, um sich ihren Kindheitstraum zu erfüllen, Namibia zu bereisen.

 

Sie machte einen Termin mit ihrem Vorgesetzten und dieser willigte ein, froh sie als Bereichsleiterin gewinnen zu können.

 

Wirklich zuhören im Coaching öffnet Türen, die vorher verschlossen waren. Sie eröffnen dem Coachee Wege, die vorher für unmöglich gehalten wurden.