Nutzwertanalyse

Die Nutzwertanalyse (Auswahlentscheidung unter Mehrfachzielsetzung, Multiple Criteria Decision) ist ein Instrument, das im Prozess der Entscheidungsfindung geeignet ist,

  • die Auswahl zwischen mehreren Alternativen durch eine Systematisierung von Einzelbewertungen zu erleichtern
  • unterschiedliche Kriterien in ihrer Komplexität zu strukturieren,
  • gleichzeitige Berücksichtigung qualitativer und quantitativer Kriterien,
  • teilweise subjektive Wertvorstellungen zu "objektivieren",
  • Bewertungen und Auswahlentscheidungen transparenter zu machen.

Diese Methode wird immer dann angewendet, wenn z.B. bei Investitionsentscheidung zwischen mehreren Alternativen auszuwählen ist, bei denen die objektiven wie subjektiven Kosten-Nutzen-Kriterien unterschiedlich gewichtet bzw. ausgeprägt sind, sowie mehrere Bewertungskriterien vorliegen, d.h. wenn zwischen komplex zusammengesetzten Entscheidungsalternativen die optimale Variante auszuwählen ist.

Die Anwendung dieser Methode (als Vorschaltung vor den eigentlichen Investitionsrechnungen) erfolgt nicht nur im Investitionscontrolling, sondern auch bei der Auswahl und Bewertung mehrerer Projektalternativen, in der Bewertung von Kunden oder Lieferanten (Evaluierung von Geschäftspartnern), Konkurrenzanalyse, aber auch in der Personalauswahl und anderen vergleichbaren Bewertungs-/Entscheidungssituationen.

Zunächst werden Entscheidungskriterien ermittelt und unter einem gegebenen Zielsystem entsprechend bewertet. Die Methode kann von einem oder mehreren Entscheidungsträgern oder einer größeren Expertenrunde (Delphi-Methode) angewandt werden.

Vorgehensweise, Arbeitsschritte:

  1. Entscheidungsziel, Bewertungskriterien festlegen,
  2. Bestimmung der zu untersuchenden Alternativen,
  3. Gewichtungsfaktoren der Zielkriterien bestimmen,
  4. Nutzwert-(Punkte-) Skala mit Minimal-, Zwischen- und Maximalwerten festlegen
  5. Teilnutzen je Alternative und Kriterium bestimmen,
  6. Teilnutzen je Alternative und Kriterium auf Punktwerte (Scores) übertragen,
  7. Gesamtnutzen der Alternativen durch Addition der Punktwerte ermitteln,
  8. Auswahl der optimalen (gesamtnutzenmaximale) Alternative

Zahlenbeispiel der Nutzwertanalyse

Bewertungsskala zum Beispiel:

5 = optimal; 4 = gut; 3 = befriedigend; 2 = ausreichend; 1 = mangelhaft; 0 = ungenügend

Der knappe Vorteil von Alternative B ist hauptsächlich in der größeren Zuverlässigkeit begründet. Obwohl C absolut gesehen mehr Punkte zukommen als B, hat die Gewichtung eine klare Entscheidung für B zur Folge.

Vor- und Nachteile der Nutzwertanalyse

Der Vorteil liegt darin, dass Kriterien nicht nur bestimmt, sondern auch entsprechend ihrer Bedeutung für das jeweilige Problem gewichtet werden.

Ein Nachteil besteht darin, dass in Zahlenform vorliegenden Ergebnissen häufig eine größere Objektivität zugeschrieben wird, als ihnen tatsächlich zukommt.

Bei geringfügigen Verschiebungen der Gewichtung oder auch der Punktbewertung um einen Punkt kann sich die Situation bereits ändern. Wenn z.B. im obigen Fall das Kriterium Schnelligkeit mit 30% und die Zuverlässigkeit mit 10% gewichtet wird, ergibt sich eine andere Auswahlentscheidung.

Es empfiehlt sich also die genannten Arbeitsschritte sehr sorgfältig durchzuführen und ggf. Bewertungs- und Gewichtungs-Variationen zu überprüfen.